T.E.NOR.
TESTIMONIA EPIGRAPHICA NORICA
Römerzeitliche Kleininschriften aus Österreich


ÖAW - Kleinasiatische Kommission
Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde


FWF-Projekte:
6376G, 08097-HIS, 10313-SPR, 13156-SPR


  PROJEKTLEITUNG
Manfred Hainzmann

ERFASSUNG UND BEARBEITUNG
Reinhold Wedenig

MITARBEIT UND BERATUNG
Eleni Schindler Kaudelka, Susanne Zabehlicky-Scheffenegger

EDV
Peter Schubert


PROJEKTBESCHREIBUNG

Wer sich ein umfassendes Bild von den Schriftzeugnissen der Römerzeit in Österreich machen will, kann an der zahlenmäßig größten Gruppe, den sogenannten Kleininschriften, nicht vorbeigehen. Dazu zählen individuelle Graffiti auf lokalen Erzeugnissen und Hausrat (instrumentum domesticum) ebenso wie gestempelte Herstellermarken auf Importgegenständen (z. B. Geschir, Lebensmittelbehälter).

Als unmittelbare Hinterlassenschaften des Privat- oder Wirtschaftslebens besitzen sie einen hohen Stellenwert.
Es fehlt zwar der repräsentative oder urkundliche Charakter, der viele Stein- und Bronzeinschriften auszeichnet, doch sind Rückschlüsse auf Schreibkundigkeit und soziale Umstände, auf Bevölkerungsverhältnisse und Truppenstationierungen möglich, um nur einige Aspekte zu nennen.

Für die gründliche Analyse wird eine lückenlose Erhebung, für die gezielte Suche nach Parallelen eine genaue Auflistung benötigt. Bei der Mehrzahl der beschrifteten Artefakte dreht es sich um Kleinfunde, die häufig im Rahmen archäologischer Materialvorlagen ediert werden. Allerdings existiert noch keine vollständige Sammlung der Kleininschriften nach einheitlichen Kriterien. Ein Datenbankprojekt, das 1987 in Graz gestartet wurde, soll hier Abhilfe schaffen. Zunächst werden die Kleininschriften aus dem Gebiet der Provinz Noricum erfaßt, die sich in den öffentlichen Sammlungen der Bundesländer Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Steiermark und Niederösterreich befinden.

Arbeitsschritte sind das Sichten des Materials vor Ort und die Dokumentation per Autopsie, sowie die Eingabe, Bearbeitung (Erstellen von Indices) und Veröffentlichung von Textdaten (Online- oder Printversion).
Die Datenbank ist ein aus epigraphischer Sicht konzipiertes Arbeitsinstrument, dessen unkomplizierter Aufbau eine rasche Materialaufnahme begünstigt.

Das ergänzend angelegte Bildarchiv (Skizzen, maßstäbliche Zeichnungen, Abreibungen, Fotos) dient in erster Linie der Kontrolle und Veranschaulichung der Lesungen, bietet aber keine vollständige archäologische Dokumentation der Schriftträger.

Neben der laufenden Erfassung von Sammlungsbeständen ist eine Komplettierung der Datenbank (bisher über 15.000 Kleininschriften) durch eine systematische Literaturrecherche (bezüglich verlorener oder verschollener Stücke) erforderlich.

Erstrebenswert wäre eine Aktualisierung unter Einbeziehung der Neufunde. Ein weiteres Arbeitsfeld stellt die detaillierte Aufbereitung und Analyse der Kleininschriften nach unterschiedlichen Gesichtspunkten dar (z.B. regional und fundstellenbezogen oder übergreifend, nach Materialgruppen).