Flora der Steiermark

 
Heilglöckchen, Cortúsa L. 

Cortúsa: Benannt nach dem Botaniker Cortusus in Padua, gest. 1596. 

Pf 15-40 cm hoch; 5-15(20)blütig; Blü nickend; Krone glockig, hell- bis dunkelpurpurn. (V)VI-VII. 

Schattige Schluchten, Hochstaudenfluren, feuchtschattige Wälder, Quellfluren; kalkliebend; hochmontan bis subalpin. Abhang des Kalbling bei Admont; hfg in der Hochtorgruppe bei Johnsbach wie am Wasserfallweg; an der Straße von Unterlaussa über den Hengst; auf der Voralpe u. dem Hochkar; im Salzatal; bei Törl nächst Aflenz; bei Mariazell, Frein, beim Toten Weib nächst Mürzsteg; an den Abhängen der Hohen Veitsch u. Schneealpe; auf dem Hochlantsch (!) u. in der Bärenschützklamm (Hayek 1911); fast überall im Lugauergebiet (Wagner & Mecenovic 1973); Seetaler Alpen: nördl. des Kreiskogels bei 2100 m u. nordwestl. des Zirbitzkogels unter dem Schweintaler Ofen nahe der Seehütte, 1750 m; Schladminger Tauern: an der Weißen Wand des Großen Kessels ober dem Schwarzensee bei Kleinsölk, 1700-1800 m (u. nicht ober dem Sattental wie bei Hayek 1911, Melzer 1969, 1972); Erbsattel bei St. Gallen; Röthelstein u. am Fuß der Roten Wand; bei Schüsserlbrunn; auf der Teichalpe am Güterweg nahe der Teichalmhütte. Süd-Ktn: Petzen (Kte s. Atl. 1989, 1992). 

Gewöhnliches H., C. matthíoli L. (Abb. 5) 

Alpenglöckchen, Soldanelle, Soldanélla L. 

Soldanélla (lat.): Vielleicht von sólidus = kleines Geldstück, nach der Form der Blätter 

1 Schaft meist 1blütig; Krone röhrig bis glockig-röhrig, auf höchstens 1/3 ihrer Länge zerschlitzt, innen violett gestreift, ohne oder mit nur sehr kleinen, unzerteilten Schludschuppen; Gri kürzer als die Krone; Staubbeutelspitze unbegrannt; Fr 5zähnig; LBSpreite 4-10(20) mm br 
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- Schaft (1)2-8(10)blütig; Krone trichterförmig, meist bis zur Hälfte zerschlitzt, innen nicht violett gestreift, mit deutlichen Schlundschuppen; Gri länger als die Krone; Staubbeutelspitze begrannt; Fr meist 10zähnig; LBSpreite (10)15-50(60) mm br 
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2 Schaft, LB- u. BlüStiele in der Jugend spärlich mit sitzenden Drüsen besetzt, später verkahlend; LBSpreite dünn, rundlich-nierenförmig, mit deutlicher Basalbucht, bis 10(20) mm br, Nerven oberseits meist deutlich hervortretend; Krone auf nur 1/4 ihrer Länge zerschlitzt, hellpurpurn; Staubbeutel am Grund zugespitzt. V-VII(VIII). 

Nadelwälder, feuchte Magerrasen, Schneetälchen; über Silikatgestein, seltener über Kalk; subalpin bis alpin; zAlp hfg, nkAlp slt; fehlt in den Karawanken (Kte 5 S. 13). Syn.: S. pusilla auct. non Baumg. 

Niedriges A., S. alpícola F. K. Meyer 

Anm.: Nach Meyer (1985) unterscheidet sich S. alpicola von der auf die Karpaten beschränkten S. pusílla Baumg. durch die Zipfel des Kronsaumes, die nur 2,5 mm lg, 0,5 mm br u. an der Basis durch weitbogige Einschnitte voneinander getrennt sind; KB lineal-lanzettlich, 3-3,5 mm lg (bei S. pusilla sind die Zipfel 4 mm lg, 1 mm br u. voneinander durch spitzwinkelige Ein-schnitte getrennt; KB lanzettlich bis fast eiförmig, 4 mm lg). Diese u. andere Merkmale der S. alpicola sind bei den steirischen Pf nur zT zu erkennen. 

- Schaft, LB- u. BlüStiele in der Jugend dicht mit kurz gestielten, meist bleibenden Drüsen besetzt; LBSpreite dicklich, kreisrund bis rundlich-eiförmig, 4-10 mm br, oberseits ohne vorspringende Nerven; Krone auf 1/4 bis 1/3 der Länge zerschlitzt 

3 
3 Stiel der Drüsenhaare 1-2zellig, kürzer als das Drüsenköpfchen; LB- u. BlüStiele locker drüsenhaarig u. meist etwas verkahlend; LBSpreite oft mit seichter Basalbucht; Spaltöffnungen auf beiden Seiten der Spreite; Krone blaßpurpurn bis weißlich; Schlundschup-pen fehlend. V-VIII. 

Schneetälchen; kalkstet; alpin; nkAlp hfg, zAlp (auf Kalk) slt (Kte 2 S. 13). 

Österreichisches A., S. austríaca Vierh. (Abb. 6) 

- Stiel der Drüsenhaare 2-4(6)zellig, länger als das Drüsenköpfchen; LB- u. BlüStiele dicht drüsenhaarig u. kaum verkahlend; LBSpreite meist ohne Basalbucht, Spaltöffnungen nur auf der Spreitenunterseite; Krone meist hellpurpurn, mit sehr kleinen Schlundschuppen. V-VII. 

Schneetälchen; kalkstet; alpin; skAlp: Obir, Petzen, Koschuta, Seeberg; hfg bis zstr (Kte Atl. 1992); fehlt St. Kleinstes A., S. mínima Hoppe 

4(1) Blü- u. LBStiele in der Jugend spärlich mit sitzenden Drüsen besetzt, später verkahlend; LBSpreite (5)10-20(40) mm br, dicklich, ganzrandig bis etwas gekerbt; Fransen des Kronsaumes ± gleich lg; Schlundschuppen breiter als lg, seicht ausgerandet; Schaft (1)2-3blütig; Granne der Staubbeutelspitze meist 2zähnig; Staubfäden kahl; blühende Pf 5-10(15) cm hoch. V-VII. 

Gebirgswälder, feuchte Magerrasen, Schneeböden; bodenvag bis kalkliebend; subalpin bis alpin; kAlp hfg, zAlp mäßig hfg. 

Gewöhnliches A., S. alpína L. (Fig. 5 S. 11) 

- Blü- u. LBStiele in der Jugend dicht mit gestielten Drüsen (Drüsen-haaren) besetzt, auch die kürzeren Drüsen an den LBStielen später meist nicht verschwindend; LBSpreite (10)15-50(60) mm br, dünn, deutlich gekerbt, mit tiefer, oft geschlossener oder überlappender Basalbucht; Fransen des Kronensaumes ungleich lg; Schlundschuppen länger als br, 2spaltig; Schaft (2)3-8(10)blütig; Granne der Staubbeutelspitze einfach; Staubfäden etwas drüsig behaart; blühende Pf 10-25(30) cm hoch 5 

5 BlüStiele mit 0,2-0,4 mm lg Drüsen, Drüsenstiele 1-2zellig, Zellen 1-2mal so lg wie br; LBSpreite 20-40(50) mm br. V-VI. 

Feuchtschattige Wälder, feuchte Magerrasen; kalkmeidend (bis bodenvag?); hochmontan bis subalpin; zAlp zstr bis mäßig hfg (Kte 3 S. 13). Syn.: S. montana subsp. hungarica, S. major, S. stiriaca F. K. Meyer. 

Ungarisches A., S. hungárica Simk. (Abb. 7)

  • BlüStiele mit 0,4-0,8(1) mm lg Drüsen; Drüsenstiele (2)3(4) zellig; Zellen 3-5mal so lg wie br; LBSpreite 25-50(60) mm br. V-VI. 
Feuchtschattige Wälder, besonders Fichtenwälder; kalkhold (bis bodenvag?), montan bis hochmontan (subalpin); nkAlp; zstr (Kte 4 S. 13). Syn.: S. montana subsp. montana. Berg-A., S. montána Willd. (Fig. 6 S. 11)  Soldanella-Bastarde: S. alpina x austriaca (hfg), S. alpina x pusilla (zstr), S. alpina x hungarica (slt), S. austriaca x pusilla (slt). 
Cortusa matthioli L. 
Abb. 5 Gewöhnliches Heilglöckchen 
Cortusa matthioli L. 
 
Soldanella austriaca 
Abb. 6 Österreichisches Alpenglöckchen 
Soldanella austriaca Vierh. 
 
Soldanella alpina 
Fig. 5 Gewöhnliches Alpenglöckchen
Soldanella alpina 
Soldanella montana 
Fig. 6 Berg-Alpenglöckchen
Soldanella montana 
Soldanella austriaca
Soldanella hungarica 
Soldanella montana
Soldanella alpicola
 
 
 
 
 
 
 

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Christian Scheuer & Johannes Prügger
christian.scheuer@kfunigraz.ac.at & johannes.pruegger@kfunigraz.ac.at 
last modified: 06.02.1999
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