Theorie und Praxis

Das Institut für Wirtschaftspädagogik als Schnittstelle


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Die Mitglieder des Instituts für Wirtschaftspädagogik vor dem RESOWI-Zentrum.

Foto: Philipp

 

 

Sie haben ihr eigenes Institut, ihre eigene Studienrichtung. Sie haben sogar ihre eigene Firma im Großkonzern Karl-Franzens-Universität, wo „Millionen” umgesetzt werden. Und sie zählen zu den „schnellsten” Studenten. Die Wirtschaftspädagogen in Graz feiern ihren 20. Geburtstag.

„Verzetteln? Nein! Das passiert fast keinem.” Institutsvorstand O.Univ.-Prof. Mag. Dr. Dieter Mandl stellt seinen Studenten auch abseits von Prüfungen ein hervorragendes Zeugnis aus. „Die jungen Leute beginnen bei uns mit einem konkreten Berufsziel. Da bleibt wenig Zeit zum Trödeln. Da wird nicht soviel herumexperimentiert. Sie haben einen Job in Aussicht. Und zwar Lehrer in einer Handelsakademie oder als Betriebspädagoge in der Wirtschaft.“

Pädagogischer Schliff

„So haben die Studierenden einen anderen, höheren Ehrgeiz entwickelt. Sie sind an guten Noten wesentlich interessierter”, schwärmt der Vorstand. Und Mandl wirft einen kurzen Blick in seine Statistik. Denn er hat in den vergangenen Jahren beobachtet: „Bis zu einem Drittel der Anfänger hat die Neigung, später in die Schule zu gehen.” Und dennoch kommen unterwegs – im Laufe der neun Semester Wirtschaftspädagogik – einige von ihrem Vorhaben ab. „Sie erkennen ihre guten Chancen in der Wirtschaft”, erklärt Mandl mit leisem Bedauern. Drei Viertel der Lehrveranstaltungen laufen nicht am Institut selbst, sondern werden bei den benachbarten Betriebswirten absolviert. Doch der universitäre Austausch funktioniert nicht nur einseitig. Auch BWL-Studenten riechen Lunte, schauen nun verstärkt den WiPäd-Kollegen über die Schulter und holen sich ihren pädagogischen Schliff. „Sie ergänzen mit unseren Seminaren ihr Studium, erweitern ihre Möglichkeiten”, weiß Mandl. Kein Wunder – bei Lehrangeboten zu Präsentationstechniken, Herstellen von Unterrichtsmaterialien, Rollenspielen mit Videoeinsatz geraten künftige Personalmanager angesichts des hohen Praxisanteils ins Staunen. „Unsere Studenten sind auch für Bewerbungen fit.”

Drohender Lehrerschwund

Doch auch den Handelsakademien bleibt zunehmend der Mund offen. Allerdings nicht nur aus Begeisterung. Denn sie müssen gegen den Lehrerschwund mobil machen. Mandl kennt die lauten Klagen aus anderen Bundesländern: „In Vorarlberg, Tirol und Wien ist das Problem akut. In der Steiermark und in Kärnten kommt es in nächster Zeit auf uns zu.” Das würden stagnierende Inskripientenzahlen noch verstärken. Professor Werner Seebacher hat zusammengerechnet: Insgesamt 500 Wipäd-Studenten – ein Anteil von etwa zehn Prozent an der gesamten Fakultät. 81 Neuinskripienten wurden im vergangenen Wintersemester gezählt. „Vor 20 Jahren, als das Institut an der Grazer Uni gegründet wurde, war die Studentenzahl anfangs etwas höher. Der Nachholbedarf war sehr groß.” Der Grund dafür ist rasch erklärt. Es gab bis zu diesem Zeitpunkt nur in Wien eine entsprechende Ausbildung. So darf sich die Grazer Wirtschaftspädagogik stolz brüsten: „Der Großteil der steirischen HAK-Lehrer kommt von uns.” „Und zahlreiche Pädagogen bleiben der Uni als Betreuungslehrer weiterhin eng verbunden”, unterstreicht Mandl. Sie nehmen sich nämlich der Studenten beim Praktikum in der Schule an. Außerdem ist bei der WiPäd ein „Orientierungspraktikum” im ersten Studienabschnitt schon längst installiert. „Die meisten kommen bestärkt aus dieser Phase”, bilanziert Seebacher zufrieden. So haut im zweiten Abschnitt, wenn bereits ein Semester lang unterrichtet wird, kaum einer mehr den Hut drauf.

Forschungsaktivitäten

Zusätzlich zum Stammteam halten 17 externe Lehrbeauftragte am Institut die Stellung. Hier werden neben verschiedenen Forschungsprojekten auch Projekte für die EU, wie kürzlich „CEDEFOP” – eine Untersuchung über die Bildungskosten in der Wirtschaft der EU-Länder – durchgeführt. Zu den Forschungsprojekten gehören z.B. die Bildungskonzeptionen, wie die von Prof. Seebacher entwickelte ESE-Methode, Qualitätsmanagementkonzepte für Bildungseinrichtungen von Univ.-Ass. Dr. Michaela Trummer, Evaluationskonzepte von Dr. Friedrich Sporis, und Rechnungswesenkonzepte von Univ.-Ass. Mag. Anna Bauer. Der Institutsvorstand bemüht sich u.a. in führender Position um die Österreichische Akademie für Führungskräfte. Mit einem Mini-Budget müssen die Wirtschaftspädagogen ihr Auslangen finden – und dennoch fließen am Institut Millionen! Gesehen hat man diese stolzen Summen allerdings nur am Papier, das bekanntlich geduldig ist. Und das Rätsel ist schnell gelöst. „Übungsfirma” heißt des Pudels Kern; „KFUNIline Übungsfirma-BeratungsGmbH” die vollständige Bezeichnung. Das Projekt ist nicht nur im Lehrplan von Handelsakademien und Handelsschulen verankert, sondern seit dem Wintersemester 1996 /97 auch als Lehrveranstaltung des WiPäd-Studiums der Grazer Uni. Betreuerin Mag. Dr. Michaela Trummer erklärt: „Im Mittelpunkt stehen Beratung, Information und Hilfestellung in kaufmännischen Angelegenheiten und den damit zusammenhängenden Problemlösungen. Angeboten werden Seminare inklusive Erstellung der Seminarunterlagen. Aber auch eine Hotline sowie eine CD-Rom zu bestimmten Themen.” Das Unternehmen agiert am weltweiten Übungsfirmenmarkt, der 3000 Betriebe umfaßt, davon allein 800 in Österreich. Lediglich in Graz und Linz wurde übrigens im Zuge der WiPäd-Ausbildung dieses Modell eingerichtet. Einzigartig an der Karl-Franzens-Uni: Hier wird auch die Entwicklung durchgeführt. Das heißt: Die Übungsfirma berät wiederum andere Übungsfirmen.

Die Firma am Institut

„Unser Betrieb arbeitet wie ein reales Unternehmen”, betont Trummer. Die Wirtschaftspädagogin schränkt gleichzeitig ein: „Ein realer Waren-, Dienstleistungs- und Geldverkehr erfolgt jedoch nicht.” Wohl zum Leidwesen der Studenten, denn sie beziehen für ihre Arbeit natürlich Gehälter – fiktive! Das G’riß um die Stellen ist dennoch enorm. Voraussetzung: eine positive Bewerbung für die 20 offenen Arbeitsplätze, vom Geschäftsführer bis zur Schreibkraft – mit einem genauen Anforderungsprofil, versteht sich! Jeweils ein Semester lang lenken dann die Studenten die Geschicke der BeratungsGmbH, die sich tatsächlich nicht von anderen realen Unternehmen unterscheidet. Zusätzlich zu den 20 Angestellten drängen sich etwa 30 freie Mitarbeiter in dem 20 Quadratmeter großen Firmensitz, in dem nur drei Arbeitsplätze Platz haben. Die Studierenden sind mit enormen Einsatz dabei. „Oft kommen sie schon um halb sieben in der Früh, arbeiten sogar am Wochenende”, teilt Mandl die Begeisterung. Nur in der Ferienzeit bleibt das Büro verwaist: Betriebsurlaub!

Andreas Schweiger

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