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BetreuerIn * 08.03.00
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Zeit und Ewigkeit
Thomas Götz versorgt uns mit Nachrichten aus Rom

Die Frage ist ungelöst: Prägt der Beruf die Persönlichkeit, oder führt die Persönlichkeitsstruktur zu einer bestimmten Berufswahl?
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Fotos: Götz

Thomas Götz als Student.

 


Auf Feldforschung am „Campo“ in Siena.

 

Journalisten, vor allem österreichische, gelten – im Allgemeinen jedenfalls – als ein wenig oberflächlich, hochmütig und oft auch als zynisch. Thomas Götz, 43, ist ein leidenschaftlicher Journalist. Dennoch trifft nicht nur keine der genannten Eigenschaften auf ihn zu: Das glatte Gegenteil zeichnet ihn aus. „Ich kann meine persönliche Neugierde befriedigen und habe die Möglichkeit, bei Ereignissen dabei zu sein und Vorgänge nachzurecherchieren“, sagt er mit dem für ihn typischen Understatement über seine Motivation. Vielleicht allerdings hat es den nachdenklichen und zurückhaltenden Zeitungsmann deshalb auch weder in Graz noch in Wien gehalten, sondern nach Rom verschlagen. Dort sitzt er seit Dezember 1996 in einer spartanisch eingerichteten Dachwohnung gleich hinter dem Trevi-Brunnen und schickt seine Stories über italienische und vatikanische Ereignisse per E-Mail an die „Berliner Zeitung“ und an die „Kleine Zeitung“: „Die politische Situation in Rom ist zurzeit eher uninteressant, aber es gibt so viele andere Themen, fad wird mir nie. Vor allem der Vatikan ist eine Fundgrube von Geschichten und Intrigen, unabhängig von der Hinfälligkeit des jeweiligen Amtsträgers.“ Künftig wird er auch über die Türkei und Griechenland berichten, wobei auch die deutsche Ausgabe der „Financial Times“ Interesse an einer Zusammenarbeit angemeldet hat.


Journalistische Aufklärung
Ob er mit seiner Arbeit etwas bewirken möchte? Aufklärung sei zu hoch gefasst für das, was er tue, meint Götz, aber „vielleicht kann ich dazu beitragen, dass die Leser von einem klar gefassten Urteil zu einer differenzierten Meinung kommen“. Einzelne Artikel könnten aber nicht viel bewirken. Verkürzungen, zu denen er im Tagesgeschäft immer wieder gezwungen ist, ärgern ihn ebenso wie der Trend, alles zu personalisieren. Götz ist ein Meister des Beschreibens, wobei er sich strikt an das hält, was er sieht: „Ich bemühe mich, Fleisch um die nackten Fakten zu geben“. Seine Reportagen aus den Ländern an der Grenze zum bombardierten Jugoslawien („Nachbarn des Krieges“) sind im Vorjahr im „Styria-Verlag“ in Buchform erschienen.
Dabei wurde ihm das Schreiben keineswegs in die Wiege gelegt. Der Sohn eines Holzindustriellen in Klagenfurt sollte als ältestes von drei Kindern eigentlich einmal gemeinsam mit seinem Bruder die Fabrik des Vaters übernehmen. Nach der Matura in Klagenfurt ging er für ein Jahr in die USA. Halbherzig besuchte er daraufhin den Abiturientenkurs an der Grazer Handelsakademie und entschloss sich schließlich, Jus zu studieren: „Geschichte hätte mich mehr interesssiert, aber Jus war das offenste Studium und ich konnte mich für keinen Beruf entscheiden.“ Die Universität hat er wie einen Schulbetrieb, überzogen mit einem leichten Grauschleier, erlebt. Nur wenige Professoren konnten ihn begeistern: Der Völkerrechtler Konrad Ginther fällt ihm dazu ein und der Rechtsphilosoph Ota Weinberger, dessen Intensität zu unterrichten ihn begeistert hat. Auch die Vorlesungen von Peter Schachner-Blazizek sind ihm in guter Erinnerung: „Er konnte die Zusammenhänge in der Volkswirtschaft so vermitteln, dass auch ein Ignorant wie ich sie kapiert hat.“


Beruflicher Quereinsteiger
Weit prägender als die Universität war für ihn die Katholische Hochschulgemeinde (KHG), die damals von dem heutigen Kärntner Diözesanbischof Egon Kapellari geleitet wurde. Götz, der zuvor der Religion eher fern stand, lernte dort für ihn völlig neue Fragen zu stellen und Antworten zu suchen, wo er sie früher nie vermutet hätte.
Kapellari hat als Studentenseelsorger die katholischen Studentenheime in der Leechgasse und in der Münzgrabenstraße für Künstler und Nichtkatholiken geöffnet. Ausstellungen und politische Diskussionen standen auf der Tagesordnung. Diese Aufbruchstimmung war für viele Grazer Studenten in den 70er Jahren eine Art Weichenstellung für ihr weiteres Leben. So auch für Götz, der sich nicht nur ein besonderes Interesse für Kunst, sondern auch eine hohe Toleranz für Andersdenkende bewahrt hat. Sein Hobby aus der Studienzeit, das Bratsche-Spiel („trotz meiner Überalterung wurde ich an der Landesmusikschule in Graz noch geduldet“), übt er heute allerdings kaum noch aus.


Von der Pike auf
Zum Journalismus ist er dann nach dem Zivildienst und ersten beruflichen Versuchen als Pastoralassistent per Zufall geraten. Er werkte als Mitarbeiter der Katholischen Hochschulgemeinde in Klagenfurt, als ihn 1984 ein Redakteur der „Kleinen Zeitung“ für sein Blatt in Graz anheuerte: „Ich hatte keine Ahnung von dem Job, konnte keinen geraden Satz schreiben.“ Die Geschwindigkeit des Produzierens und die Sprunghaftigkeit bei den Themen waren ihm, der die Dinge gern hinterfragt und reflektiert, am Anfang fremd und unangenehm. Um das Handwerk von der Pike auf zu lernen, wechselte er vom Ressort Innenpolitik ins Lokale. Dann wurde es ihm dort aber doch zu eng. 1990 ging er für ein knappes Jahr nach Prag: „Ich wollte vom Wandel im Osten noch was mitbekommen. Wir haben Stadlbrände abgehandelt, während sich die Welt verändert hat.“ Götz lernte Tschechisch und beobachtete, wie sich das Prager Alltagsleben auf die Marktwirtschaft einstellte.
Nach Graz kam er nach dem „Sabbatical“ nicht mehr zurück. Der frühere Chefredakteur der „Kleinen Zeitung“, Fritz Csoklich, wollte ihn als künftigen Ressortleiter in der Wiener Redaktion aufbauen. Zwei Jahre lang arbeitete er dort an der Seite der inzwischen verstorbenen Journalistenlegende Kurt Vorhofer: „Das war eine andere Art des Journalismus als in Graz. Vorhofer hat wenig geschrieben, aber viel gesammelt.“ Seit der Zeit schreibt Götz ein Tagebuch, in dem er nicht nur Persönliches zu Papier bringt, und sammelt Karikaturen.


Jodelnde Älpler
Die Nachfolge Vorhofers hat er nie angetreten. Bevor der Posten zur Disposition stand, ging er zur „Presse“. Dort gestaltete er unter dem Chefredakteur Michael Maier mit dem jungen Layouter Lukas Kircher die Wochenendbeilage „Schaufenster“ um. Er war mit Maier freundschaftlich verbunden und bald nach dessen Abgang nach Berlin nahm er selbst – wegen „unüberbrückbarer Zerwürfnisse“ mit der neuen Führung – den Hut.
Zurzeit versucht Götz nicht nur, seinen deutschen und österreichischen Lesern die italienische Situation näher zu bringen. Er wird laufend zu Diskussionen eingeladen, um den Italienern die Lage in Österreich zu erklären: „In den italienischen Fernsehberichten werden wir als jodelnde, grenzdebile Älpler gezeigt, die kaum den rechten Arm herunten halten können“. Da dann aber doch bei vielen Italienern die Neugierde stärker ist als die Vorverurteilung, findet Götz immer wieder offene Ohren, wenn er von der Komplexität der österreichischen Innenpolitik spricht. Schließlich wissen seine italienischen Zuhörerinnen und Zuhörer aus eigener Erfahrung sehr genau, wie schwierig es ist, mit faschistischen und kommunistischen Gruppierungen umzugehen.

Elisabeth Welzig

 


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