english version
Aktuelles und Veranstaltungen
Suche
Sitemap
Hilfe
Homepage der Uni Graz
Homepage


BetreuerIn * 08.03.00
INHALT WEITER
Achtung Kultur!
Ein kunstsinniger Streifzug durch die Alma Mater

Wertvolles gedeiht oft im Verborgenen: Auch wenn am Campus nicht an jeder Ecke eine Jazzband probt, wird, wer mit offenen Augen und Ohren die Uni durchstreift, auf manch interessante künstlerische Aktivität stoßen.
Für eine größere Darstellung
klicken Sie bitte auf die Bilder.



Foto: Gruber

Universitätsdirektor & Maler Suppanz.

 


Foto: Grazer Universitätsorchester

Das Grazer Universitätsorchester in Aktion.

 


Foto: Kornsteiner

Die Grazer BläserVielharmoniE: Studierende und Absolventen der TU Graz und der KFUG.

 

Mittwochabend, Ende Jänner, Romanistik-Institut, Wallgebäude: Aus der kleinen Bibliothek dringt Gitarren-Tremolo, Gelächter, dann erneuter Stimmeinsatz. Eine fröhliche Runde, die Fehler nicht tragisch nimmt, das sieht man gleich. Auch Getränke und spanischer Käse sind aufgetischt vor den etwa 15 Frauen und Männern unterschiedlichsten Alters. Seit 20 Jahren gibt es den Romanistik-Chor, manche Gründungsmitglieder kommen heute noch jeden Mittwoch zur Probe. Universitätslektor und Gitarrist Adolf Sawoff bietet „Volkslieder der Romania“ seit 40 Semestern als Freifach an. Das Interesse vieler Studierender am „Hauschor der Romanisten und Dolmetscher“ gehe aber über den Zeugniserwerb hinaus. „Manche kommen immer dann, wenn sie Liebeskummer haben.“ Bereichert wird die herzerwärmende Runde jedes Semester um Erasmus-Studenten, Fremdsprachenlektoren und Hörer anderer Fakultäten. Ein internationales Kommen und Gehen, das auch im heute etwa 130 Lieder zählenden Repertoire des Chores seine Spuren hinterlassen hat. Portugiesische Lieder von den Azoren, kreolische aus Kap Verde finden sich da ebenso wie Chansons von Edith Piaf, italienische Revolutionslieder oder kubanische Songs.


Andalusische Rhythmen
Besonders gerne spielt Sawoff, der die Lieder für zwei bis drei Gitarren und Unisono-Stimmen arrangiert und einige auch selbst komponiert hat, aber die spanische Volksmusik: „Sie ist bis heute besonders lebendig und ausdrucksstark geblieben, während in Italien zum Beispiel seit je die Klassik dominiert“, analysiert der Romanist, dessen spanische Frau Maria Luisa den Chor nicht nur immer wieder mit knusprigen Empanadas verwöhnt, sondern mit ihrem Kastagnettenspiel auch für andalusische Rhythmen zu sorgen weiß. „Ein Hauch von Süden, Vitalität und Lebensfreude“, das ist es auch, was bei den gelegentlichen Auftritten des Chores „herüberkommt“, glaubt Sawoff, der seine Truppe liebevoll einen „chaotischen Singhaufen“ nennt. Wer den Chor nach etwas Sangría-Konsum schon einmal auf einem Romanistik-Fest erlebt hat, wird beides ebenso liebevoll bestätigen können.


Universitätschor
Szenenwechsel, ein Tag später, Uni-Hauptgebäude, vor der Aula: Hier geht es ernster zu. Schwarze Gestalten, die Frauen mit bunten Schals, huschen über den Gang. „Können wir jetzt endlich mit dem Einsingen beginnen?“, dröhnt es aus der Aula. Nervosität macht sich breit: Der „Grazer Universitätschor“ steht kurz vor der feierlichen Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“. Anders als beim Romanistik-Chor kommt man hier nicht ohne Mehrstimmigkeit und stimmlich präzise Solisten aus. Diese hat man sich übrigens von der Kunstuniversität ausgeborgt, während die anderen 50 Chormitglieder zu etwa gleichen Teilen von der Grazer Technik und der Karl-Franzens-Universität kommen. Der 24-jährige Dirigent Christian Härringer bringt den Abend trotz grippebedingter Ausfälle bravourös über die Bühne und erntet zustimmenden Applaus der fast vollen Aula. „Wir nehmen jeden gerne auf, der Freude am Singen hat, bei Konzerten sollten in Zukunft aber nur jene singen, die wirklich jede Woche zur Probe kommen“, übt der junge Chorleiter dennoch Selbstkritik. Für zwei CD-Produktionen und etliche Auslandstourneen hat es immerhin schon gereicht. Auf diesen Reisen, wie heuer im Herbst nach Spanien und Südamerika, pflegt man auch den Kontakt zu anderen Universitätschören. Das nächste Konzert gibt es übrigens im März: Liszts „Via Crucis“ steht auf dem Programm.


Akustische Grenzgänge
Am Vormittag des nächsten Tages ist die Aula erneut in der Hand von Schwarzgekleideten. Diesmal sind es junge Magistrae und Magistri, die anlässlich der Diplomübergabe ihr „spondeo“ auf den Zepter des Rektors schwören werden. Die Musik zur Feierstunde kommt dabei aus höheren Sphären und ist doch irgendwie bodenständig. Am Balkon der Aula spielt die Postmusik: Aus zwei Posaunen und zwei Trompeten ertönen vier Fanfaren und dann noch das „Gaudeamus igitur“. „Von da heroben seh‘ ich nicht, wer mitsingt“, antwortet Trompeter Karl Rappold diplomatisch auf die Frage, ob der Klassiker von heutigen Jungakademikern eigentlich noch beherrscht werde. Wie der Vertrag der Postmusik mit der Uni zustandegekommen ist, weiß der hauptberufliche Briefumleiter auch nicht. „Es is’ halt so, seit über 35 Jahren. Und ein paar Hunderter sind’s auch im Monat.“ Im Juni wird die unter Musikern nicht besonders beliebte Akustik der Aula gleich mehrmals schärfer ausgelotet werden: Am 4. Juni spielt das „Grazer Universitätsorchester“ unter anderem Schuberts 4. Symphonie, und elf Tage später werden die 60 Blasinstrumente der „Grazer BläserVielharmoniE“ für gehörige Resonanz sorgen. Beide Orchester, die aus der steirischen Kulturszene nicht mehr wegzudenken sind, setzen sich aus Studierenden und Absolventen von Universität und Technik zusammen. Sie erhalten sich durch Subventionen von ÖH und Magistrat und vor allem durch hohen persönlichen Einsatz, wie sich auch auf ihren Homepages nachprüfen lässt (www.uni-graz.at/services/univ_nahe_org.html).


Phantasie in der Verwaltung

Wem vor lauter Musik die Ohren dröhnen, der betrete die an die Aula angrenzenden Räume der Zentralen Verwaltung. Er wird sich plötzlich in einem Reich des Phantastischen Realismus wiederfinden: Doch nein, nicht das „Controlling nach UOG 93“ ist gemeint, sondern farbenfrohe, rhythmisch strukturierte Mischtechnikbilder an den Wänden, die an meditative indische Mandalas gemahnen: Kein Uneingeweihter würde hinter dem Pseudonym „MU“ Universitätsdirektor Michael Suppanz persönlich vermuten. „‘Much’ steht tirolerisch für Michael, ein Relikt aus der Studentenzeit, als ich zu malen begann“, klärt der heute 55-Jährige auf und nennt als sein Vorbild die Wiener Schule des Phantastischen Realismus rund um Fuchs, Brauer und Lehmden. In fünf Einzelausstellungen waren Suppanz‘ Bilder schon zu sehen, sie erreichen Einzelpreise bis zu 7.000,- Schilling, viele verschenkt der Hobbymaler aber auch. Wenn der Herr über ein Verwaltungsbudget von zuletzt 130 Mio. Schilling in seiner Freizeit malt, geht es ihm auch bewusst um Nicht-Materielles. „Ich kann mich aus Missstimmungen herausmalen, den Uni-Alltag hinter mir lassen.“ Phantastisch, diese Kunst!

Sebastian Ruppe

 


INHALT TOP WEITER