HARMONISCHER DREIKLANG

Kirchenbau, sakrale Musik und geistliches Drama


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Institutsvorstand Univ.-Prof. Dr. Philipp Harnoncourt.
Foto: Harnoncourt


Missale (15. Jh.), Anfang der sogenannten Basilius-Liturgie.
Foto: Harnoncourt
Einzigartig im deutschen Sprachraum ist die Verbindung Liturgiewissenschaft, christliche Kunst und Hymnologie an der Karl-Franzens-Universität.
Institut für Liturgiewissenschaft, Christliche Kunst und Hymnologie" - diesen Namen hat das Institut der Katholischen Fakultät unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Philipp Harnoncourt keineswegs zufällig gewählt. Im Gegenteil: Der Name - und der damit verbundene inhaltliche Zusammenhang der drei Fächer in Forschung und Lehre - ist im deutschen Sprachraum einzigartig. Speziell die Integration der Forschungsgebiete zu einem "harmonischen Dreiklang" zeichnet das Institut aus.

Als daher 1975 - im Zuge des damaligen Universitäts-Organisations-Gesetzes - in Wien Zweifel an der Bezeichnung und damit wohl auch an der Ausrichtung des Institutes auftauchten, wehrte sich Harnoncourt u. a. mit der programmatischen Aussage: "Die Beschäftigung mit der Kunst als genuinem Ausdruck christlichen Glaubens in Forschung und Lehre darf nicht fehlen."

Altes Liedgut

Damit ist schon einiges über die Zielsetzungen des Institutes, das 1972 gegründet wurde, gesagt. Die Idee, diesen Bereichen mehr Aufmerksamkeit zu widmen, entstand im Rahmen des 2. Vatikanischen Konzils. Es geht um die Dramaturgie, um das geistliche Drama in der Christenheit. Dabei spielt nicht nur der Text des Ritus eine Rolle, sondern ebenso das Liedgut, die Form und der Einsatz der Kirchenmusik, die Gewänder und nicht zuletzt der sakrale Raum in all seinen Dimensionen, in dem gefeiert wird.

Besondere Bedeutung kommt dabei der vergleichenden Liturgiewissenschaft zu. Es ist ein weites Feld, das sich mit der armenischen Kirche ebenso befaßt wie mit der assyrischen, der koptischen oder der griechischen und lateinischen. Entsprechende Sprachkenntnisse sind dabei selbstverständlich.

Während die Liturgiewissenschaft die Gestalt alter Texte mit zeitgenössischen Quellen vergleicht, liegt die Aufgabe der Hymnologie darin, die Texte metrisch und auf den Gesang hin zu untersuchen. Die Ikonographie untersucht die Bildwelt der Handschriften und liefert so Aussagen zu theologischem Verständnis, Datierung und Herkunft. Insgesamt versucht solche Liturgiewissenschaft, die Feiergestalt aus den Quellen so umfassend wie möglich zu erheben.

Verständlich ist daher, daß sich das Institut sehr mit Ökumenefragen beschäftigt - Harnoncourt selbst ist Vorsitzender der Stiftung "pro oriente" in Graz. Auch wenn dies zunächst eher abstrakt oder gar etwas gegenwartsfern aussieht, münden die Überlegungen und Ergebnisse in ganz konkrete Aufgabenstellungen der Gegenwart.

Liturgiewissenschaftler sind in die diözesane Liturgie- und Kunstkommission integriert, wo sie Kirchenneubauten und deren Einrichtungen entwickeln helfen und Veränderungen an Bau und Inventar gutachterlich mitbetreuen.

In der Lehre ist das Institut fest verankert. Keiner der (derzeit) etwa 800 Theologiestudierenden kommt an der "Liturgiewissenschaft, Christlichen Kunst und Hymnologie" vorbei. Neben Philipp Harnoncourt wirken am Institut als Assistenten derzeit Mag. Peter Ebenbauer (Hymnologie), Mag. Dr. Erich Renhart (Altkirchliche Liturgien des Ostens und Westens), Mag. Edith M. Prieler (Christliche Kunst und festliches Spiel).

Dazu kommen als Lehrbeauftragte Dr. Wiltraud Resch für den Bereich Christliche Kunstgeschichte und Hochschulprofessor Mag. Dr. Franz Karl Praßl, der an der Musikhochschule Graz wirkt. Ergänzt wird das Team durch die Forschungsbeauftragten Mag. Dr. Ingrid Flor und MMag. Dr. Dietmar W. Winkler - und nicht zuletzt durch Frau Ute Ehgartner und Frau Karin Krenn im Sekretariat.

Aktuelle Forschung

In den letzten fünf Jahren wurden vier FWF-Projekte realisiert. Weitere Arbeiten befaßten sich mit den steirischen Kalvarienbergen im Zusammenhang von Liturgie und Volksfrömmigkeit. Wichtig - und in dieser Form herausragend - war eine komplette Dokumentation des nachvatikanischen Kirchenbaus in der Diözese Graz-Seckau.

Das Institut ist in ein vielfältiges Netz von Verbindungen zu anderen Universitäten eingebunden. Insbesondere mit Tübingen gibt es enge Kontakte. An diesem Institut wird auch das Archiv der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Hymnologen geführt und betreut. Zudem ist das Institut im Rahmen der Zusammenarbeit der katholischen Fakultät mit der rumänisch orthodoxen Fakultät Hermannsstadt in Siebenbürgen beteiligt. Seit Jänner läuft die Kooperation auch als TEMPUS-Projekt.

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