Die Besiedelungsgeschichte von Tirol


1. Hinführung zum Thema

Die Bearbeitung der Besiedelungsgeschichte von (Nord-)Tirol gelingt nur im gesamttiroler Kontext, weshalb auch immer wieder Südtiroler Inhalte genannt werden. Weiters unterlag Tirol des öfteren den Gesamtalpenraum betreffende Entwicklungen, die daher auch im Text behandelt werden. Einige speziellere Aspekte der Besiedelungsgeschichte werden im Anschluss gesondert ausgeführt.


2. Von der Steinzeit bis zur Neuzeit

2.1. Steinzeit

Die Steinzeit läßt sich in drei Abschnitte gliedern, das Paläo-, Meso- und Neolithikum (Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit) (Tab. 1). Für die ältere Phase des Paläolithikums lassen sich im Alpenraum Siedlungsreste von Höhlenbärenjagdkulturen feststellen, von denen jedoch keine auf Tirol entfallen. Auch während der Würmkaltzeit waren die Alpen im tiroler Raum als siedlungsleer zu bezeichnen. Im postglazialen Mesolithikum wagte sich der Mensch erneut in die Alpen, Feuersteinwerkzeugfunde auf südtiroler und nordtiroler Pässen, wie dem Sellajoch (2214 m) und dem Tuxer Joch (2338 m), belegen dies. In seiner Lebensweise blieb er bis zum Ende des Mesolithikums, 5000 v. Chr., Jäger und Sammler. Den Übergang zur Jungsteinzeit markierte das Aufkommen von Ackerbau, Viehzucht und Töpferkunst, feste Dauerwohnplätze, Ställe, Vorratsräume und Felderbewirtschaftung wurden vorrangig. Ab 4000 v. Chr. wurden auch die Alpen verstärkt besiedelt, die Kultivierung der Talschaften erfolgte nur langsam. Das feucht-warme Klima des Atlantikums hatte den Wald in diesen sehr dicht und schwer durchdringbaren werden lassen. Bedingt durch die Klimagunst Südtirols siedelte der Mensch hier tiefer in die Täler, als dies in Nordtirol der Fall war. So sind aus dem Inntal nur wenige meso- oder neolithische Funde, aus den Seitentäler keine bekannt. Jedoch lässt sich mittels, zum Teil mehrere Meter tief verschütteter Brandhorizonte, eine menschliche Präsenz für das Inntal um Innsbruck zwischen 6000 und 4300 v. Chr. und für das Unterinntal zwischen 7000 und 6000 v. Chr. nachweisen. Anders die Situation in den Hochregionen. Bei der Pollenanalyse des Torfprofils aus dem Moor am hinteren Rofenberg (2760 m), direkt gegenüber dem Hauslabjoch, zeigt sich eine ab 4300 v. Chr. einsetzende Änderung der Pflanzengesellschaften auf Grund menschlicher Aktivitäten – gut 1000 Jahre vor dem Erscheinen von "Ötzi" (siehe weiter unten). Ein anderes Moorprofil von der Gurgler Alm/ Ötztal (2250 m) weist Brandrodung mit nachfolgender Beweidung zwischen 4500 und 4200 v. Chr. aus (Abb. 2) . Die Vergrößerung der Nutzungsflächen erfolgte dabei von oben nach unten, wie fünf Belegstellen im Gurgler Tal und sechs im Venter Tal erkennen lassen. Das Fehlen einer Besiedelung von unten ergibt sich aus der zuvor diskutierten Unwirtlichkeit der Täler. Im Jungneolithikum querte der Mensch zwar vielfach Berggrate, nicht jedoch den Alpenhauptkamm. Erst im Endneolithikum, der letzten Phase der jüngeren Steinzeit, finden sich Kulturerscheinungen, die auf beiden Seiten der Alpen vergleichbare Spuren hinterlassen haben.

Zeitraum
Zeitalter
Besiedelungsstand Tirol
500 000 - 8 000 v. Chr.
Altsteinzeit/ Paläolithikum
siedlungsleer
8 000 - 5 000 v. Chr.
Mittelsteinzeit/ Mesolithikum
Spuren auf Pässen und im Inntal
5 000 - 2 000 v. Chr.
Jungsteinzeit/ Neolithikum
Brandrodung und Beweidung
2 000 - 800 v. Chr.
Bronzezeit
Zuzug und Nutzungsintensivierung
800 - 500 v. Chr.
ältere Eisenzeit/ Hallstattzeit
Nutzungsrückgang Hochlagen
500 - 15 v. Chr.
jüngere Eisenzeit/ La - Tène Zeit
verstreutes Siedeln rätischer Gruppen 
15 v. - 500 n. Chr.
Römerzeit
Anlage von Siedlungen und Straßen
500 - 1400 n. Chr.
Mittelalter
Rodungsbesiedlung
ab 1400 n.Chr.
Neuzeit
Bes. weitestgehend abgeschlossen
Tab. 1: Besiedelungsstand Tirol; eigene Bearbeitung

2.2. Bronzezeit

Die Phase der geringen Besiedelung des alpinen und dabei auch des nordtiroler Raums nahm zu Beginn des 2. Jt. v. Chr. sein Ende. Auslöser war das sich aus Vorderasien verbreitende Wissen um die Verwendung von Kupfer sowie der Erzeugung von Bronze und das Auffinden zahlreicher gut erschließbarer Kupferlagerstätten im Alpengebiet. Dabei erleichterte das warme und trockene Klima der Bronzezeit das Vordringen der Prospektoren. Zudem ermöglichten die Bronzeäxte ein intensiveres Roden der Talränder und Hänge, so dass sich der landwirtschaftlich nutzbare Lebensraum rasch ausdehnte. Beispielsweise ist aus der frühen Bronzezeit für das Ötztal eine Intensivierung der Nutzung in der oberen Waldstufe mit Hinweisen auf künstliche Bewässerung bekannt. Zu Beginn der jüngeren Bronzezeit, etwa im 13. Jh. v.Chr., drangen Bevölkerungsgruppen aus dem Alpenvorland ins Inntal vor, der Motor ihrer Migration war die Ausbeutung der tiroler Kupfervorkommen, die erst zu dieser Zeit intensiviert wurde. Von den bronzezeitlichen Stämmen waren in Tirol wahrscheinlich illyrische, und dabei v. a. veneto – illyrische, die um 1000 v. Chr. aus dem Osten in den Alpenraum eindrangen, und frühe keltische Stämme anzutreffen.

Abb.2: Der Beginn des Kultureinflusses und Brandhorizonte von Lokalitäten im tirolisch-salzburgischen Gebirgsraum in Höhenlagen zwischen 500 und 2600 m. Zeitskala für calibrierte 14C Daten
Quelle: Patzelt, 1996

2.3. Eisenzeit

In der zweiten Hälfte des 8. Jh. v. Chr. brachte das Aufkommen von Eisen einige grundlegende wirtschaftliche Änderungen mit sich. Auf Grund des leichteren und billigeren Abbaus verlor der Kupferbergbau rasch an Bedeutung. Für die tiroler Vorkommen ist ein eisenzeitlicher Abbau kaum nachgewiesen. Eine Klimaverschlechterung, die es zu dieser Zeit merklich kühler und feuchter werden ließ, fand belegbar in den Hochlagen des Ötztales in einem Nutzungsrückgang ihren Niederschlag. In der ab 500 v. Chr. einsetzenden jüngeren Hallstatt- oder La-Tène Zeit kam es zur Ausbildung eines späteisenzeitlichen Ostalpenkulturkreises mit Zentrum Tirol. Kennzeichnend war ein Zerfall der veneto – illyrischen Stämme in kleine Gruppen, die zusammenfassend auch als Räter bezeichnet wurden. Im oberen Etschtal saßen die Venosten, Namensgeber des Vinschgaues, der sich von Venostengau (Val Venosta) ableitet, am unteren Eisack, oder Isarcus, die Isarken, beiderseits des Brenners die Beonen und im Inntal die Genaunen. Im 4. Jh. v. Chr. verbreiteten sich die Kelten über halb Europa, wobei sie auch in den ziemlich geschlossen Siedlungsraum der Räter versprengt wurden.

2.4. Römerzeit

Im Rätischen Krieg, 16 bis 15 v. Chr., eroberten die Truppen des Kaiser Augustus unter dem Kommando seiner Stiefsöhne die Alpen samt Alpenvorland bis zur Donau. Die im tiroler Raum ansässigen rätischen Stämme wurden unterworfen, das Gebiet in die neu geschaffene Provinz Rätien eingegliedert. Der Akt der Provinzgründung stellte zugleich die älteste staatliche Raumbildung dar, die das Gebiet von Tirol unmittelbar betraf. Es begann die Zeit der friedlichen römischen Ausbreitung in den Alpen. Neben einer römischen Verwaltung brachte dies auch in den tiroler Raum Gewerbetreibende und Kaufleute. Dennoch war die römische Kolonisation Rätiens insgesamt bescheiden, das Siedlungsnetz, v. a. aus Poststationen und Kastellen bestehend, diente vorrangig zur Sicherung der nordwärts führenden Verkehrswege und der Alpenpässe. Orte, wie Veldidena/ Wilten, das den Zugang zum Brenner zu sperren hatte, Vipitenum/ Sterzing oder Matrejum/ Matrei, entstammen dieser Zeit. Bedeutend waren die in dieser Zeit entstandenen oder ausgebauten Verkehrswege durch die Alpen (siehe weiter unten). Durch den engen Wirkungsbereich rund um die römischen Stützpunkte konnten die Besatzer ihre Sprache und Lebensart den rätischen Stämmen nur begrenzt nahe bringen. Träger der lateinischen Sprache wurde die im 5. Jh. n. Chr. einsetzende Christianisierung. Zu dieser Zeit war die römische Vorherrschaft in Rätien durch die im 3. Jh. n. Chr. einsetzenden Völkerwanderungen bereits im Wanken begriffen.

2.5. Mittelalter

Die frühe Phase des Mittelalters war in den Alpen durch das Vordringen germanischer Stämme in ehemals römische Gebiete gekennzeichnet. Während die städtische Bevölkerung abwanderte, kam es zu einem Verharren der ländlichen mit ihren immer noch starken keltischen und illyrischen Elementen. In ihr kam es zu einem Weiterleben römischen und vorrömischen Kulturgutes, wie es sich in den Namen von Ortschaften und Gehöften oder der Kontinuität alter Bräuche zeigte. In der zweiten Hälfte des 6. Jh. rückten von Norden die Bajuwaren über Kufstein und den Seefelder Sattel ins Inntal und weiter über den Brenner ins Eisack- und Etschtal bis Bozen vor. Das Aufeinandertreffen der Alpenromanen und Bajuwaren in Tirol entbehrte jeglicher kämpferischer Handlungen und leitete eine friedliche Verdrängung des Alpenromanischen durch die Ausbreitung deutscher Elemente ein; wohl auch ein Grund, warum in Tirol so viele römische und vorrömische Siedlungsnamen bestehen blieben (Abb. 1). Das Land war schwach besiedelt, es bot sich genug freie Fläche an, die allerdings zumeist erst urbar gemacht werden musste. Ende des 10. Jh. war das gute Freiland so spärlich geworden, dass mit Rodungen und Trockenlegungen in großem Maßstab begonnen wurde (Abb. 2). Die Neulandgewinnung geschah meist auf kirchliche Initiative hin und wurde von Klöstern geleitet. Vom 11. bis zum 14. Jh. kam es zu zahlreichen Dorfgründungen in den Nebentälern sowie der Anlage von Einzelhöfen am Berg. Um 1300 war die Rodungsbesiedelung meistenorts beendet. Jedoch kam es unter Bevölkerungsdruck auch noch im 14. Jh. zur Erschließung schattseitiger Terrassen sowie zu Dauersiedlungen auf Voralmen und Bergwiesen, z. T. durch Teilung eines Urhofes in mehrere neue Höfe. Kennzeichen des hochmittelalterlichen Siedlungsausbaues war die Anlage von Viehhöfen in der obersten Siedlungsstufe, den sog. Schwaighöfen. Dies geschah vielfach in Bereichen, die bereits zu rätischer Zeit urbar gemacht worden waren, so dass wir teilweise eher von einer Nutzungsintensivierung als einer Neulandgewinnung sprechen sollten. Damit einher ging eine deutliche Intensivierung der Hochlagennutzung mit Höhepunkten im 13. und 14. Jh..

Im Westen Tirols unterlag die Besiedelung jedoch auch anderen Einflüssen. Dazu zählte zum einen das hochmittelalterliche Auftreten der Walser im Paznauntal (siehe unten), zum anderen die mittelalterliche Kolonisation des Außerferns aus dem alemannischen, genauer schwäbischen Raum (Abb. 1).

Allgemein kann für das ausklingende 14. Jh. festgestellt werden, dass die Besiedelung Tirols weitestgehend abgeschlossen und eine Ausdehnung nahezu der heutigen erreicht war.

2.6. Abriss des politischen Geschehens Tirols im Mittelalter

Die Besiedelungsgeschichte kommentiert sich neben dem reinen Prozess der Landnahme auch über die politischen Ereignisse der jeweiligen Zeit. Aufgrund der zu Beginn des 11. Jh. durch den König vorgenommene Vergabe von Herzogtümer und Grafschaften an Bischöfe, erhielt der Bischof von Brixen die Grafschaften im Inn-, Eisack- und Pustertal und jener von Trient Bozen und dem Vinschgau. Bedingt durch das kirchenrechtliche Verbot, Bluturteile selbst zu fällen, stellten die Geistlichen zur Verwaltung der Gebiete Grafen ein. Die Grafschaften Brixens gingen an das Geschlecht der Ardechser, jene des Bischofs von Trient an den Grafen von Tirol. Letzterer führte seinen Namen auf das Schloß Tyrol/ Tirol bei Meran zurück. Nach dem Aussterben der Ardechser wurden 1245 ihre Grafschaften mit jenen Tirols vereint, gleichsam die Geburtsstunde des tiroler Kerngebietes. In dem Bestreben eine Verbindung zwischen ihren österreichischen und schweizer Landen herzustellen, erhielten schließlich 1363 die Habsburger Tirol.


3. "Ötzi" – eine aufschlussreiche Quelle neolithischer Besiedelungsgeschichte

Der Fundort, der am 19. September 1991 entdeckten Gletscherleiche liegt in den Gletscherregionen des Ötztales in einer Seehöhe von 3210 m, genau 92,5 m neben der Staatsgrenze auf italienischem Hoheitsgebiet (Abb. 1). Die verbreitete Titulierung "der Mann vom Hauslabjoch" ist nicht ganz korrekt, da die Fundstelle nicht am Hauslabjoch, sondern am Tisenjoch liegt. Die 14 C Datierung ergab ein Alter von 3300 – 3200 v. Chr., fällt also ins Jungneolithikum (Abb. 2). Vieles lässt vermuten, dass Ötzis Heimatdorf südlich des Fundortes lag. Das 60 – 70 km entfernte Inntal würde einen deutlich längeren und schwierigeren Weg (siehe auch Kap. 2.1.) bedeuten, als dies bei dem 20 km entfernten und im Neolithikum intensiv erschlossenen Vinschgau der Fall wäre. Ein weiteres Indiz stellt die Fundübereinstimmung zwischen Ötzis Beil und jenen der in der östlichen Poebene beheimateten Remedello – Kultur dar, die sich im Endneolithikum auch bis in den Vinschgau ausbreitete. Zudem findet sich auf einem in Algund bei Meran, gut 35 km vom Tisenjoch entfernt, angetroffenen Bildstein eine exakte Abbildung von Ötzis Beil. Die Wirtschaftsweise stand damals auf zwei Beinen, Ackerbau und Viehzucht. Die Weiden lagen in den waldlosen, zum Teil weit vom Heimatort entfernten Hochregionen, deren karge Böden jedoch selbst für kleine Herden große Flächen von Nöten machte. Ötzis "Beruf" war somit mit hoher Wahrscheinlichkeit der eines Hirten.


4. Die Walser

Im Jahr 1320 siedelten sich die Walser, wahrscheinlich vom Montafon aus über das Zeinisjoch (1848 m) vorrückend, im hinteren Paznauntal an. Der Name des dortigen Dorfs Galtür (1583 m) leitet sich vom lateinischen "cultura" ab, ein Zeichen, dass hier schon früher Romanen siedelten. Die Walser drangen mit der Zeit talauswärts nach Mathon und Ischgl vor und trugen so zur Verdeutschung des Talstückes bei. Ihre Besiedlung blieb jedoch in der Regel auf die obersten Talböden und höheren Regionen begrenzt, da die unteren Regionen zumeist von Rätoromanen dicht besiedelt waren. Eine Ausdehnung der Siedlung war daher selten möglich, wurde die Fläche knapp musste ein Teil der Kolonie zur Suche nach freiem Land aufbrechen.


5. Dorfanlagen

Sowohl Rätoromanen als auch Bajuwaren zeichneten sich durch eine typische und vom anderen deutlich verschiedene Anlage der Dörfer aus. Bei den Rätoromanen fanden sich die eng aneinandergebauten Häuser entweder entlang einer Straße oder um einen Platz angeordnet. Lücken zwischen den Gebäuden waren zumeist durch Mauern oder Tore ausgefüllt, das Gassenwerk war schmal und winkelig, Hausgärten fehlten. Dieses Bild zeigen noch heute Orte wie Fendels oder Serfaus, beide im obersten Inntal gelegen. Signifikant ist der alte und fremde Klang der Namen. Die Einzelhöfe der Bajuwaren lagen hingegen weit zerstreut über die Hänge und Hochflächen. Häufig fehlte ein eigentliches Dorf, um die Kirche fanden sich nur wenige Häuser. In den dörflichen Ansiedlungen waren die Häuser weit auseinander, getrennt durch Hofräume oder Gärten. Diese Siedlungsform findet sich heute noch eher im Wipptal, Unterinntal, Pustertal, am Ritten, sowie im Schnalstal.


6. Wege und Straßen

Maßgeblich für die Besiedelung Tirols waren dessen Verkehrswege. In vorrömischer Zeit waren dies v. a. Karrenwege in den Tälern und Saumpfade über die Pässe. Die Römer bauten das vorhandene Wegenetz aus, wichtige Routen wurden zu großen Militärstraßen erweitert (Abb. 1). Dazu zählte besonders die Via Claudia Augusta, eine Militärstraße durch das Etschtal, über den Reschen und Fernpass nach Augsburg. Im 2. Jh. n. Chr. kam es zum Ausbau der Straße über den Brenner, die, da kürzer, ersterer bald den Rang ablief. In ihrer ursprünglichen Route lief sie nahe Bozen über den Ritten um der Eisackschlucht auszuweichen, die jedoch im 14. Jh. durch den Bau des "Kuntersweges" passierbar wurde. Es folgte ein Ausbau der Wege nach Westen, über den Fernpass nach Reutte und über Tannheim nach Lindau, die auch Teil der "Salzstraße" waren, auf der das Salz aus Hall in Tirol ins Schwabenland gebracht wurde.


7. Die natürlichen Voraussetzungen staatlicher Raumbildung des Passstaates Tirol

Tirol liegt in jenem Bereich der Alpen, der am breitesten ist, von Vorland zu Vorland sind es 250 km, und zugleich die tiefsten Übergänge aufweist. An der tiefsten Stelle, dem Brenner (1370 m), kann der Alpenhauptkamm in einem Auf- und Abstieg bewältigt und über das Inntal gleichsohlig verlassen werden. Weiters ergibt sich über das bis zur Hauptwasserscheide zurückgreifende Flusssystem von Eisack und Etsch ein günstiger Anmarschweg von Süden. Bezeichnenderweise bestand der Kern des tiroler Territoriums fast nur aus Gebieten, die zum Flußsystem von Inn und Etsch gehörten. Somit lassen sich als Elemente der natürlichen Voraussetzungen staatlicher Raumbildung des Passstaates Tirol die Durchgängigkeit und die einigende Wirkung von Pässen im Gebirgskörper, die Talschaften zu übergeordneten Räumen zusammenfügten, anführen.


8. Literaturverzeichnis

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© 1999 Alexander DORIC, Institut für Geographie und Raumforschung, Karl-Franzens-Universität Graz