Das Klima des Exkursionsraumes |
1.Gailtal / Lesachtal |
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Im Gegensatz zum Klagenfurter Becken liegt das Lesachtal über dem kalten Talbeckenklima. Es nimmt daher im Winter eine bevorzugte Lage über der winterlichen Hochnebeldecke ein. Ein weiterer entscheidender Klimafaktor ist die Nähe zum südlichen Alpenrand, es besteht eine gute Zugänglichkeit für niederschlagsbringende Luftströmungen aus Süden durch die Öffnung des Tagliamentotales in der äußersten Gebirgskulisse, dazu kommt die vergleichsweise große Nähe zum südlichen Alpenrand. |
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1.1. Niederschlag |
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Von allen Tallandschaften Kärntens weist das Gailtal
die höchsten Niederschlagsmengen, aber auch die höchste Niederschlagsdichte
(mittlere Niederschlagsmenge je Regentag) auf. Daneben nimmt dieses Gebiet
eine Sonderstellung innerhalb der österreichischen Alpenlandschaften
ein. Es verschiebt sich dort das Maximum der Niederschläge vom Sommer
in den Herbst, der niederschlagreichste Monat ist nicht mehr der Juli,
sondern der Oktober, fallweise auch der November. Im Sommer geht der Niederschlagsreichtum
und die Niederschlagshäufigkeit weitgehend mit den übrigen Landschaften
Österreichs konform und das herbstliche Niederschlagsmaximum ist
somit keinesfalls auf ein sommerliches Defizit zurückzuführen.
Obwohl das Gailtal geographisch als inneralpines Tal angesehen werden
muß, das vor allem im Süden von dem bedeutenden Gebirgszug
der Karnischen Alpen recht gut begrenzt wird, gehört es in Bezug
auf seine Niederschlagsstruktur zumindest randlich eindeutig in den Bereich
der Südalpen. |
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Tab. 1: Jahresgang des Niederschlages in mm für ausgewählte
Orte (1961 - 1990) |
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1.1.1. Niederschlagsstruktur in den einzelnen Jahreszeiten |
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Der Mengenüberschuß im Herbst entsteht nicht unbedingt aufgrund einer Zunahme der Niederschlagstage, sondern durch eine Zunahme der Dichte. |
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Tab. 2: Niederschlagsbereitschaft (Prozentanteil der Tage
mit >1mm Ni) und Niederschlagsdichte (durchschnittliche, pro Ni-Tag
gefallene Menge), Mittel 1948-65 |
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Während das Gailtal im Sommer fast nur Anteil
am mitteleuropäisch-alpinen Niederschlagsgeschehen hat, erhält
es in den anderen Jahreszeiten, insbesonders im Herbst und auch im Winter
durch Wetterlagen mit Südstau einen zusätzlichen Betrag. Dies
bedeutet, daß das Gailtal wenigsten randlich von der südalpinen
Niederschlagsstruktur beherrscht wird. Zu dieser zählen hohe Niederschlagsmengen
Niederschlagsdichten und auffallende Veränderlichkeit des Niederschlages
bei Neigung zu extremen Ereignissen. Die Niederschlagsintensität
dieser Südstaulagen ist im Herbst und im Winter durch die tiefe Lage
der Kondensationshöhe und den relativ hohen Wasserdampfgehalt im
Hauptstaugebiet, dem das Gailtal randlich noch angehört, ungleich
größer als im Sommer. Die Seltenheit der Südstaulagen
im Winter und die geringe Niederschlagswirksamkeit der gesamtalpinen Niederschlagslagen
sind aber nicht in der Lage, das Winterminimum aufzufüllen. |
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1.2. Temperatur |
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Trotz der großen Höhenlage - das alte Talniveau liegt zwischen 900 m im vorderen Talabschnitt und 1200 m im Bereich der Landesgrenze - ist das Lesachtal gegenüber dem Gailtal thermisch begünstigt. Zumindest sind hier die Winter milder und nebelärmer, was der Temperaturumkehr zuzuschreiben ist. Der im Winter häufig in den Niederungen des Gailtales lagernde Kaltluftsee dringt nicht über die Stufe von Wetzmann vor. Die Sommertemperaturen sind im Lesachtal wegen der Höhenlage dagegen geringer. Der Temperaturverlauf ist hier in der Höhe daher insgesamt ausgeglichener und etwas weniger stark kontinental geprägt. |
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Tab. 3: Temperaturwerte in °C für ausgewählte
Orte (1961 - 1990) |
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Die Jahresschwankung in Becken und in tieferen Lagen beträgt zwischen 20 - 24 K, worin sich eine starke Kontinentalität äußert, im Bergland hingegen beträgt die Jahresschwankung 14 - 20 K, dieses ist also maritim beeinflußt. |
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Tab. 4: Jahresgang der Temperatur in °C (1961-1990) |
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1.3. Sonnenscheindauer |
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Im Frühjahr weist das Gailtal mit Villach eine Sonnenscheindauer von über 50 % auf. Der Sommer ist in ganz Kärnten bevorzugt und weist einen ähnlich hohen Wert (50-60 %) auf. Im Herbst beginnt bereits die Ungunst der tieferen Lagen, wobei das Gailtal etwas begünstigt ist (50 %). Im Winter weist das Lesachtal, aufgrund der Lage über dem kalten Talbecken eine Sonnenscheindauer von über 50 % auf, in den Beckenlagen werden hingegen nur Werte um 30-40 % erreicht. |
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2. Südtirol |
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Im westlichen Pustertal, im südlichen Wipptal
und im Raum von Brixen kann man eine Doppelwelle im Jahresgang der relativen
Sonnenscheindauer beobachten. Hier liegen kräftige Maxima vom Juli
bis September sowie im Jänner, Februar und März. Die Ursachen
für des Hauptmaximum im Spätsommer und Frühherbst liegen
in der in Bezug auf den Sommer geringeren Konvektionsbewölkung. Das
Nebenmaximum entsteht durch die noch fehlende Konvektion im Spätwinter
und das vorherrschend stabile Hochdruckwetter. Die Minima fallen dagegen
einerseits von Oktober bis Dezember mit Schwerpunkt bei diesem, andererseits
in den Frühling und Frühsommer. Ersteres ist wohl durch die
Lage des Gebietes unterhalb der winterlichen Hochnebeldecke zu erklären.
Das Nebenminimum entsteht durch die zunehmende Konvektionsbewölkung
und zyklonale Wetterlagen im Frühling und Frühsommer. Aufgrund
des eben beschriebenen Jahresganges kann man dieses Gebiet zum sogenannten
Berglandtyp. Dazu zählen allgemein Orte in mittlerer Höhenlage
und inneralpine Tallandschaften. |
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Die aufgelisteten Werte der relativen Sonnenscheindauer in Tab. 5 wurden mit Hilfe der Beobachtung der Bewölkung geschätzt. |
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Tab. 5: Durchschnittliche relative Sonnenscheindauer
in Prozenten (1881 - 1914)
Quelle: Fliri F., 1975 |
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Der Vinschgau hat wahrscheinlich trotz der starken Abschattung durch die ihn umrahmenden Gebirgsketten schon an der Talsohle so viele Sonnenscheinstunden wie die oberitalienische Tiefebene, freilich mit einem ganz anderen, mehr ausgeglicheneren Jahresgang. Für den Sonnberg des Vinschgau wird man sogar rund 2400 Sonnenscheinstunden annehmen dürfen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich hier das sonnenscheinreichste Gebiet der Alpen überhaupt befindet, wenn man vom südlichsten Teil der französischen Westalpen absieht. |
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Das Pustertal tritt wohl nur wenig gegenüber dem
Vinschgau zurück und wahrscheinlich werden auch hier auf den sonnigen
hochgelegenen Terrassen da und dort 2000 Stunden überschritten. Ebenso
dürfen die Höhen um Bozen da und dort an die für den Vinschgauer
Sonnberg geschätzten Werte heranreichen, hier freilich in einem etwas
anderen Zusammenspiel von etwas mehr Bewölkung und einer zum Teil
überraschend geringen Horizontüberhöhung. Das Etschtal
um Bozen ist dem gegenüber um rund 200 Stunden benachteiligt, wozu
aber auch die Luftverschmutzung beiträgt. |
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Die mittleren Monats- und Jahressummen der tatsächlichen Sonnenscheindauer der oben besprochenen Gebiete werden in Tab. 6 dargestellt. Die angegebenen Werte beziehen sich auf ein durchschnittliches Relief. |
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Tab. 6: Mittlere Zahl der Stunden mit Sonnenschein, nur
geschätzte Werte (1931 - 1960) |
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2.2. Temperatur |
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Ausschlaggebend für die thermische Kontinentalität der tiefen Südtiroler Täler ist ihre gute Abschirmung nach außen. Das gesamte inneralpine Gebiet erscheint sowohl direkt (Strahlung) als auch indirekt (Schutz gegen Kaltluftadvektion, Luftmassenumwandung im Staugebiet, Kondensationswärme) durch den Schutz der Nord- und Südalpen begünstigt. Am augenfälligsten prägt sich diese Begünstigung in der Landschaft durch die Vegetation aus. Hier ist besonders im Raum um Bozen tatsächlich ein starker mediterraner Einschlag festzustellen, der durch die hohe Wärme, insbesondere aber durch die milden Winter ermöglicht wird. |
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2.2.1. Jahresschwankung |
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Wenn man die Jahresschwankung der Lufttemperatur anhand der Differenz von Juli- und Jännernormalwert betrachtet, nimmt diese mit zunehmender Höhe sehr regelmäßig ab. Auf gleiche Höhen bezogen besteht dabei die größte Schwankung und damit die größte thermische Kontinentalität im Raume der Zentralalpen, die geringste in den Randzonen. In den Zentralalpen beträgt der Unterschied von Juli und Jänner in 500 m Höhe rund 23K gegenüber weniger als 20K an den Rändern. |
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2.2.2. Tagesschwankung in den einzelnen Jahreszeiten |
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In den Gebirgslagen läßt eine starke Beeinflussung
des Klimas durch die Strahlung einen ausgeprägten Tagesgang der Lufttemperatur
erwarten, d.h. also eine größere Tagesschwankung. In den Niederungen,
vor allem in Becken oder Mulden, ist die aperiodische Tagesschwankung
(Differenz zwischen dem mittleren täglichen Maximum und dem mittleren
täglichen Minimum) groß und nimmt mit der Seehöhe ab. |
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2.3. Niederschlag |
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2.3.1. Jahresniederschlag |
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Gleich ob man von Norden oder Süden den Alpenraum von Tirol betritt, immer gelangt man durch eine niederschlagsreiche Randzone (Niederschlagsstaugebiet) in ein Gebiet, das sich vielfach auch noch in größeren Höhen als niederschlagsärmer erweist als sogar das tiefer gelegene Vorland. Ursachen für die hygrische Kontinentalität im Zentralalpengebiet sind die große Nord-Süd- Erstreckung der Alpen (ca. 240 km) bzw. die maximal möglich Entfernung von den Alpenrändern (über 110 km) und die enorme Abschirmung gegen das nördliche und südliche Alpenvorland durch hohe Berge (z.B. Ortler 3905m, Wildspitze 3774m). Die Karte des Jahresniederschlages bestätigt den Vinschgau als das niederschlagsärmste Gebiet auf der gesamten dargestellten Fläche. |
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Karte 1: Mittlere Niederschlagsmengen im Jahr in der Periode
1931 - 1960
Quelle: Fliri F., 1975 |
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2.3.2. Jahresgang |
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Die Verteilung der Niederschläge im Jahr spricht
dafür, daß an den Rändern und in den Zentralalpen in der
kälteren Jahreszeit bei überwiegend horizontaler Advektion und
größeren Windgeschwindigkeiten die Stauerscheinungen die Hauptrolle
spielen, während im Zentralraum von Südtirol der konvektiv bedingte
vertikale Feuchtetransport der wärmeren Jahreszeit in den Vordergrund
tritt. |
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Wenn man die jahreszeitliche Verteilung des Niederschlages
in Tirol betrachtet, kann man für einzelne Landschaften verschiedene
Typen beschreiben. |
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Tab. 7: Durchschnittliche Summen des Niederschlages in
mm in den Jahreszeiten und im Jahr (1931 - 1960) |
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3. Die "Eislöcher von Eppan" |
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Sie befinden sich innerhalb einer Mulde des postglazialen, etwa 0,5 km² großen, aus Bozener Quarzpophyr bestehenden Bergsturzgebietes der "Eppaner Gand" am Ostfuß des 985 m hohen Gandberges in rund 570 m Höhe. Ihr Vorkommen ist an eine funktionierende Luftzirkulation innerhalb der Bergsturzmasse gebunden, deren Richtungsweise sich im Jahresablauf umkehrt. |
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Im Winter wird Kaltluft in die unteren Öffnungen eingesaugt und entzieht der Blockhalde durch Erwärmung (Differenz der fühlbaren Wärme) und Verdunstung (latente Wärmer) Energie. Das führt zur Abkühlung wenigsten der unteren Teile der Blockhalde bis unter den Gefrierpunkt während der frühjährlichen Schneeschmelze kommt es durch Sickerwässer im Inneren und an den unteren Öffnungen zur Eisbildung. Da aber beim Gefrieren der Sickerwässer latente Wärme frei wird, bewirkt dieser Vorgang eine rasche Erwärmung bis zum Schmelzpunkt. Mit dem Erreichen des Nullpunktes endet auch der Eiszuwachs. Im Sommer kommt es an der oberen Öffnung zum Einströmen von wärmerer Umgebungsluft. Diese kühlt aus und sinkt ab. Die abgekühlte Luft strömt dann aus den unteren Öffnungen. Die auffallende Kälte dieser ausströmenden Luft ist die Folge ihrer Abkühlung am im Winter ausgekühlten Blockwerk bzw. des Verbrauchs von latenter Wärme bei der Schmelzung des Eises. |
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Tab. 8: Stichprobenmessungen an ausgewählten, besonders kalten Messpunkten der Eppaner Eislöcher, Temperaturwerte in °C |
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4. Engadin |
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Das Engadin nimmt in klimatologischer Hinsicht eine gewisse Sonderstellung ein. Diese ist in erster Linie bedingt durch seine Natur als Längstal mit südwest - nordöstlicher Richtung. Dazu kommt, daß es nicht durch einen Talschluß begrenzt ist, sondern an seinem oberen Ende, dem sogenannten Malojapaß, direkt zu dem tief eingeschnittenen Bergell abbricht. Weiters ist, wenigstens im Oberengadin sein ausgesprochener Charakter als Hochtal zu berücksichtigen. Diesen Charakter als Hochtal mit breitem Talgrund, auf dem die Dörfer liegen, hat das Oberengadin bis unterhalb Scanfs (1650m). Im Unterengadin schneidet sich der Inn in tiefe Schluchten ein. Die Dörfer liegen daher dort zum Großteil nicht auf dem Grund der schmalen Talsohle, sondern hoch über dem Fluß auf den sonnigen Terrassen des linksseitigen Talhanges. |
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4.1. Temperatur |
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Die Stationen des Engadin weisen von allen schweizerischen Stationen die relativ tiefsten Wintertemperaturen auf; die Abgeschlossenheit gegen die erwärmenden ozeanischen Luftströmungen bedingt ein heiteres und ruhiges Winterklima. Diese beiden Faktoren, Luftruhe und große Klarheit des Himmels, begünstigen die Entstehung tiefer Kältegrade in dem hochgelegenen Tal. So sinkt in dem zwischen Silser- und Silserplanersee gelegenen Sils-Maria (1810 m) das Januarmittel auf -8,1°C, in dem auf der zweiten Talstufe mit noch breiterem Talboden, dem die Seen fehlen, gelegenen Bever (1713 m) sogar auf -9,9°C. Auch das untere Engadin hat sehr tiefe Wintertemperaturen: Schuls (1243 m) hat ein Januarmittel von -6,0 °C. Auffallend hoch sind die Wintertemperaturen der höchsten Engadiner Station St. Moritz (1835m), Januarmittel -6,0°C. Ursachen dafür, sind die etwas erhöhte Lage des Ortes über dem kalten Talboden und seine Südexponiertheit. |
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Tab. 9: Monats- und Jahresmittel der Temperatur in °C
(1864 - 1900) |
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Im Sommer erwärmt sich das Engadin mit seiner
breiten Talsohle stark; die Julimittel liegen im Oberengadin um 11,5°C.
Es ergibt sich somit eine sehr große Jahresschwankung der Temperatur;
am größten in Bever, wo sie 21,7 K erreicht. Am kühlsten
erscheint im Sommer das im Nebental gelegene Pontresina (Juli 10,7°C).
Zernez erreicht im Juli bereits ein Mittel von 13,5°C und das Unterengadin
bereits 15,5°C. Die Jahresschwankung steigt hier wieder auf 21,5 K an. |
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Tab. 10: Anzahl der Frosttage (Tage an denen die Temperatur
unter 0°C sinkt) in den Monaten und im Jahr (1881 - 1900) |
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4.2. Bewölkung und tatsächliche Sonnenscheindauer |
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Die Jahresperiode der Bewölkung zeigt ein Hauptmaximum im Mai/Juni, ein weiteres weniger ausgesprochenes, im September/Oktober, die kleinste Bewölkung hat der Winter (Minimum im Januar). Das Maximum der mittleren tatsächlichen Sonnenscheindauer liegt in St. Moritz im Juli bei 229 Stunden. Das Minimum wird, in St. Moritz mit 84 Stunden im Dezember erreicht, d.h. das Oberengadin hat einen relativ freien Horizont. Somit zeigt sich auch hier im Jahresgang der Sonnenscheindauer der Berglandtyp. Im Gesamtjahr erreicht St. Moritz eine Anzahl von 1854 Sonnenscheinstunden. |
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Das Engadin besitzt wie der Vinschgau eine zentralalpine Lage und eine beträchtliche Abschirmung in alle Richtungen, zusätzlich ist das obere Inntal durch eine scharfe Knickung bei Martinsbruck vom unteren, österreichischen Teil abgeschlossen, oberhalb dieser Knickung, wo dem vom unteren Talende eindringende Regen der Zutritt verwehrt wird, ist die Regenmenge die minimalste im ganzen Tal; im Oberengadin nimmt sie wieder zu, da diese auch vom oberen Ende Regen über den Malojapaß erhält. |
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Tab. 11: Monatliche Niederschlagsmengen in mm (1881 -
1900) |
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Während das tirolerische Oberinntal als Beispiel
einer relativ trockenen, in den Niederschlagsverhältnissen aber vorwiegend
von Norden, Nordwesten und Westen her bestimmten Landschaft gelten kann,
finden wir im Engadin ein Übergangsgebiet zum südalpinen Typ.
Mit zunehmender Entfernung von der Malojaschwelle tritt ein Zurücktreten
der Frühjahrs- und Herbstniederschläge auf; dafür treten
die Sommerniederschläge im Unterengadin mehr hervor. Im Gegensatz
zu den übrigen Jahreszeiten bringt der Herbst und der Frühling,
aufgrund der dort vermehrt auftretenden Wetterlagen SW, S, TB und TSW,
dem Engadin als besonderes Zeichen südalpinen Klimaanteils zusätzliche
Niederschlagsmengen. Im Sommer treten vermehrt die Wetterlagen Vb, TK,
TR und NW auf, aufgrund dieser die Niederschläge vom nördlichen
Alpenrand durch das Montafon in das Untere Engadin gelangen. |
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4.4. Der Malojawind |
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Das Engadiner Hochtal ist zwar inmitten der Alpen gelegen,
doch stellt sich seine obere Talschwelle, von keinem abschließenden
Bergkranz geschützt, verhältnismäßig abrupt den über
den Südfuß der Alpen wehenden Winden entgegen. |
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5. Tiroler Inntal und Ötztal |
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Tab. 12: Durchschnittliche relative Sonnenscheindauer
in Prozenten (1931 - 1960) |
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Im Winter ist der Gebirgsraum von Tirol, hauptsächlich
dessen Südteil, ausgesprochen begünstigt gegenüber dem
Alpenvorland im Norden und Süden. In den Vorlandniederungen beschränkt
nämlich zusätzlich zu der bei tiefdruckbedingtem Schlechtwetter
allgemein verstärkten Bewölkung auch die in Verbindung mit Hochdruckwetter
besonders häufig entstehenden Hochnebeldecken den Sonnenschein. In
Nordtirol ist das Oberinntal mit 40-45 % Besonnung gegenüber dem
Unterinntal begünstigt. Gegen den Alpenhauptkamm hin steigen die
Werte jedoch allgemein auf rund 50 % an und in ähnlichen Größen
ist auch Osttirol besonnt. |
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Im mittleren Inntal weist der Jahresgang gerade noch eine Doppelwelle auf, wobei das Hauptmaximum eindeutig im September, das Nebenmaximum noch im März, das Hauptminimum von November bis Jänner und ein schwaches Nebenminimum im April auftritt. Gegen das Oberinntal hin und in den Ötztaler Alpen tritt eine Änderung insofern auf, als zwar der April noch über, der Oktober aber mehrfach unter dem Durchschnitt liegt. In Osttirol ist eine Doppelwelle im Jahresgang anzutreffen, indem das Hauptmaximum im Spätsommer und September, das Nebenmaximum im März liegt. Dieser Jahresgang beschreibt den Berglandtyp der Besonnung. |
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5.2. Temperatur |
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Tab. 13: Die Lufttemperatur in °C von ausgewählten
Stationen (1931 - 1960) |
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Am nördlichen Alpenrand kommt Frost im Mittel
an 120 bis 140 Tagen vor. Inntalaufwärts sinkt die Häufigkeit
leicht ab, wobei örtlich große Unterschiede auftreten. Am wenigsten
Frosttage weist Innsbruck mit rund 110 und Landeck mit rund 120 auf. Etwas
mehr kommen im Raum Ötztal-Imst sowie im Zillertal vor. |
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5.3. Niederschlag |
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5.3.1. Jahresgang |
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Vom nördlichen Gebirgsrand bis zum oberen Inntal nimmt der Niederschlag im Winter um 59 %, im Frühling um 66 %, im Sommer um 52 % und im Herbst um 50 % d.h. im Gesamtjahr um 56 % ab. Auch das Engadin bleibt in allen Jahreszeiten niederschlagsärmer als der oberbayrische Alpensaum, obwohl dieser um 1000 m tiefer liegt. |
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Tab. 14: Durchschnittliche monatliche Niederschlagssummen
in mm (1931 - 1960) |
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Im Winter bleibt der Niederschlag im Oberinntal und
im größten Teil von Osttirol noch unter der 150 mm. |
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5.3.2. Niederschlagshäufigkeit |
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Im mittleren Inntal beträgt die Zahl der Niederschlagstage
im Winter 20 bis 25, im Frühling 25 bis 30, im Sommer rund 40 und
im Herbst 25, wobei wieder die Sonderstellung des inneralpinen Raumes
hervortritt. |
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5.3.3. Schneedecke |
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Am 31. Oktober ist im Durchschnitt in Längenfeld im Ötztal (1179 m) öfter als in jedem dritten Jahre und in Innsbruck in jedem zehnten Jahr mit einer Schneedecke zu rechnen. Im Oberinntal bleibt die mittlere Häufigkeit einer Schneedecke von mindestens 1 cm (in der Periode von 1930/31 bis 1959/60) am 20. November meist um 30 %, am 20. Dezember ist die Schneehäufigkeit größer als 70 % und am 20. Jänner liegt die Häufigkeit in Innsbruck um 80 % und sie bleibt auch im Oberinntal und bis im Engadin in derselben Größe, ebenso ist die Schneehäufigkeit in Osttirol sehr hoch, sie liegt um 90 %. |
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