|
Bergstürze sind Fels- und Schuttbewegungen, die
mit hoher Geschwindigkeit aus Bergflanken niedergehen und im Ablagerungsgebiet
ein Volumen von über eine Million m³ besitzen oder eine Fläche
von über 0,1 km² bedecken. Kleinere Bergstürze werden als Felsstürze
bezeichnet.
Bergstürze sind das Endglied einer Steigerungsreihe,
die beim Steinschlag beginnt. Durch den fehlenden inneren Zusammenhalt
und das Vorhandensein durchgehender Trennflächen bewegt sich das
Gestein der Schwerkraft folgend rasch nach unten.
Am häufigsten begegnet man Bergstürzen in den
Nördlichen und Südlichen Kalkalpen, wo man eine Dichte von 0,65
bzw. 1,12 pro 1000 km² vorfindet. Diese entspricht in den Nördlichen
Kalkalpen einer Fläche von 0,38 %, in den Südlichen 0,43 %.
Daraus lässt sich leicht ableiten, dass zwar mehr Katastrophen im
Süden stattfanden, die größeren aber im Norden.
Betrachtet man die gesamten Alpen, kann man eine Abnahme
der Bergsturzdichte gegen die östlichen Ostalpen und gegen die südlichen
Westalpen feststellen, wohl wegen der in derselben Richtung abnehmenden
Reliefenergien. Am meisten betroffen sind dabei die Schweizer Kalkalpen,
die mit 1,69 % ihrer Fläche mit Bergstürzen respektive deren
Ablagerungen bedeckt sind. In den Dolomiten ist zwar die Felssturzdichte
erstaunlich hoch, es handelt sich dabei meist aber um kleinere Bewegungen.
Das Besondere an Bergstürzen sind einerseits die
Abbruchnische und andererseits die Akkumulationsfläche, die chaotisch
mit Gesteinstrümmern aller Größen und Formen übersät
ist. Auch nach Jahrtausenden erkennt man eine Tomalandschaft relativ leicht
im Landschaftsbild. Das Ablagerungsgebiet weist meist scharfe Grenzen
zu seiner Umgebung auf, und außerdem findet man ein kleinhügeliges
Relief vor. Dieses Relief spiegelt sich dann in einer großmaßstäbigen Karte durch eine unregelmäßige und scheinbar chaotische Isohypsenführung
wider.
Den größten Nachteil eines solchen Gebietes
stellt die äußerst eingeschränkte Nutzbarkeit dar; es
kann eigentlich darauf nur wenig rentable Forstwirtschaft betrieben werden
(schlechte Erreichbarkeit, langsamer Wuchs), oder man errichtet einen
Steinbruch oder eine Schottergrube.
Schwierig gestaltet sich oft die Angabe von Größe
(bezogen auf das Volumen) und Alter der Bergstürze. Sowohl die Ermittlung
des Hohlvolumens im Abbruchgebiet als auch die des Rauminhaltes der abgelagerten
Trümmermassen können teilweise nur geschätzt werden. In
erster Linie setzt die fluviatile Erosion den Trümmermassen zu, indem
sie diese immer weiter abbaut und verlagert.
Die größten Bergstürze bestehen durchwegs
aus Sedimentgestein (Kalk, Dolomit), weil dieses Gestein Spannungen länger
standhalten kann; bei zu großer Belastung geschieht demnach ein
umso größeres Ereignis.
Das Alter kann trotz neuester Datierungsmethoden oft
nur näherungsweise angegeben werden. Praktisch alle Bergstürze
ereigneten sich im Spät- und Postglazial (die meisten im Postglazial,
viele auch in historischer Zeit). Die Ursache liegt in der Eisfreiwerdung
der Täler, da nun den Bergflanken der nötige Druckausgleich
fehlte. Demnach sind bei fast allen Ereignissen die Konturen des Ablagerungsgebietes
gut feststellbar, da keine Ausräumung durch neuerliche Gletschervorstösse
stattfand.
Zur Flächenangabe wäre noch hinzuzufügen,
dass sich diese einerseits durch das Volumen, andererseits durch die Vorform
ergibt. Bei einem engen Talraum entwickelt sich ein mächtiger Bergsturzkörper
mit relativ kleiner Fläche, bei Talweitungen sind die Trümmer
flach gelagert und auf relativ großer Fläche verteilt. Insgesamt
findet man in den Alpen 14 Bergstürze, die mehr als 10 km² Fläche
aufweisen.
|