EXKURSIONSBERICHT
"SLOWENIEN"
20. 5. 2001 - 23. 5. 2001
Slowenien
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INHALTSVEREICHNIS
1. Exkursionstag
: Pohorje (Bachern) - Logarska Dolina (Logartal)
Maribor/Marburg
Pohorje/Bachern
Celje/Cilli
Savinska dolina/Sanntal
Logarska dolina/Logartal
Kamink/Stein
2. Exkursionstag:
Ljubljana (Laibach) - Bled (Veldes) - Wocheiner Tal
Ljubljana/Laibach
Kranj/Krainburg
Radovljica/Radmannsdorf
Bled/Veldes
Wocheiner Tal
Kropa
3. Exkursionstag: Karst - Primorje
Vrhnika/Oberlaibach: Karstquelle Mocilnik
Cerkniko/Zirknitzer Polje
Rakov kocjan
Postojna/Adelsberg Karst Koper/Capodistria Piran
Burg Socerb
4. Exkursionstag: Ptuj (Pettau) - Slovenske Gorice
(Windische Bühel)
Sticna/Sittich
Virtanj
Atomske Toplice
Ptujska Gora
Ptuj/Pettau Jeruzalem
Radenci
Gornja Radgona
Hinweis: Besonders sehenswerte Haltepunkte
der Exkursion, bzw. Ziele, die einen Abstecher meines Erachtens lohnen
würden, aber während der Exkursion aus Zeitgründen nicht
besucht werden konnten, habe ich im Text eingerahmt und grau markiert.
1. EXKURSIONSTAG: Graz
® entilj/Spielfeld ® Maribor/Marburg ® Slov. Konjice
® Rogla (Haltepunkt) ® Zrece (Fotostopp) ® Celje/Cilli ®
alec (Haltepunkt Mittagspause) ® empeter/St. Peter ®
Abzweigung Savinja-/Sann-Tal (Haltepunkt "Hopfenfeld") ®
Logarska Dolina/Logartal (Haltepunkt Parkplatz Slap/Wasserfall Rinka)
® Gornji Grad ® Kamnik/Stein ® Menges ® Ljubljana (Hotel)
Um 8.00 Uhr setzt sich der Exkursionsbus
vom Grazer Hauptbahnhof mit den diesmal vollzählig erschienenen Teilnehmern
in Richtung Grenzübergang entilj/Spielfeld in Bewegung und
passiert nach 15 Minuten Aufenthalt um 9 Uhr die slowenische Grenze. Nach
Überquerung des Flüsschens Pesnica/Pössnitz geht die Fahrt
auf der Stadt-Schnellstraße von Maribor/Marburg weiter in Richtung
Autobahn nach Celje/Cilli bzw. Ljubljana/Laibach.
Slowenien umfasst eine Fläche von 20 255 km² und hat 1991 1,98
Mio. Einwohner (entspricht etwa Niederösterreich + nördl. Burgenland).
Es ist der kleinste Nicht-Zwergstaat Europas, seine Wirtschaftsdaten entsprechen
etwa dem gesamteuropäischen Durchschnitt.
Obwohl Slowenien in Bezug auf Siedlungs- und Kulturgeschichte große
Ähnlichkeiten mit Österreich aufweist, bleibt es für viele
Österreicher noch immer ein wenig "der unbekannte Nachbar".
Das mag vielleicht zum Teil an dessen jugoslawischer Vergangenheit und
der zur slawischen Sprachfamilie gehörenden Sprache liegen. Kaum
ein Österreicher ist bereit, Slowenisch zu lernen, sondern erwartet
vielmehr, dass ohnehin jeder Slowene ein bisschen Deutsch kann.
In Slowenien ist ein starkes nationales Bewusstsein entwickelt und regionale
Identitäten wurzeln durchaus noch in den Monarchieländern, obwohl
diese schon lange keine administrative Funktion mehr besitzen. Das Land
hat nur seine 192 Gemeinden als zweite Verwaltungsebene unter dem Gesamtstaat,
Regionsbezeichnungen wie "Untersteiermark" gibt es nur inoffiziell.
Auf das noch vorhandene historische Bewusstsein könnte man bei einer
Neuorganisation zurückgreifen, die damit verbundenen Erinnerungen
an die deutsche Obrigkeit dürften sich aber als vorerst unüberwindliches
Hindernis erweisen.
Ethnisch ist Slowenien relativ homogen. Zu
Beginn des vorigen Jahrhunderts lebten viele Deutsche im heutigen Slowenien,
unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg dominierten die Slowenen mit 97%. Erst
kürzlich konnte man sich zu einer Anerkennung der deutschen Volksgruppe
entschließen. Für 1991 ergibt sich folgende Muttersprachen-Gliederung:
* Ungarisch: 8 500 im Prekmurje-Gebiet (= 0,4%)
* Italienisch: 3 000 = 0,15% (davon in Piran 1 170, in Izola 567)
* Deutsch: 745 = 0,04% (davon in Marburg 99). Österreichische Schätzungen
belaufen sich allerdings auf bis zu 2 500 (vgl. 1910: 106 317 = 9,6%)
In Maribor/Marburg ist kein Haltepunkt vorgesehen,
der Exkursionsleiter begnügt sich daher mit einigen kurzen Angaben
zur Stadtentwicklung, die im Vorbeifahren konsumiert werden:
Die Lage der Stadt an der Drava/Drau - Verkehrsgunst durch Talausgangslage
mit Zugang zum Alpeninneren - ist in etwa mit Graz zu vergleichen. Der
Altstadtkern aus dem 13. Jh., dessen Anbindung an das Drau-Ufer als vorbildlich
bezeichnet werden kann, zeigt den regelmäßigen Grundriss einer
mittelalterlichen Stadt. Der wirtschaftliche Aufschwung begann aber erst
mit dem Eisenbahnzeitalter und wurde in kommunistischer Zeit durch planmäßige
Industrialisierung (Grundstoffindustrie, Metallverarbeitung) fortgesetzt.
Die günstige verkehrsgeographische Lage hat diese Entwicklung zweifellos
beeinflusst. Da man aber kaum innovative Branchen förderte, ist die
Arbeitslosenquote noch überhöht, obwohl der Tertiärsektor
einen deutlich sichtbaren Aufschwung erlebt. Marburg ist heute auch eine
Kultur-, Theater- und Universitätsstadt mit ca. 10 000 Studenten
bei insgesamt 100 000 Einwohnern.
Geplant ist eine erweiterte Zusammenarbeit mit dem Nachbarn Steiermark
in Form einer EU-Regio "Nordöstliches Slowenien - Steiermark".
Eine Technologieachse zwischen Graz und Maribor/Marburg besteht schon.

Nach Maribor/Marburg verläuft die Route
vorerst in südlicher Richtung den östlichen Gebirgsrand des
Pohorje/Bachern bzw. den Westrand des Draufeldes entlang. Der Charakter
des Gebirgsrandes erinnert etwa an die Gegend von Hartberg, nur einige
Zehner Meter tiefer, was mehr Temperaturgunst bringt. Die Hänge tragen
Weinkulturen, die flacheren Lagen Hopfen.
Der topographisch geschulte Blick erfasst
in südöstlicher Richtung die von hier trapezförmige Donacka
gora/Donati Berg (881 m) sowie den pyramidenförmigen Boc (978 m)
in südwestlicher. Die beiden gehören zu den Südalpen (Bocko
pogorje/Weitensteiner Zug) mit vorherrschend Karbonatgestein, letzterer
ist ein Härtling aus Trias-Dolomit. Der Weitensteiner Zug (benannt
nach Vitanje/Weitenstein, östlich von Velenje) ist eine W-O verlaufende
Kalkkette, welche vom Bachern durch die Tiefenlinie der südsteirischen
Randfurche getrennt (Dravinja/Drann-Tal) und nach S zu durch Flusstäler
mehrfach durchbrochen ist. Der Weitensteiner Zug stellt ein beträchtliches
Verkehrshindernis dar. Bis hierher reichen auch submediterrane Elemente
der Vegetation, wie z. B. auf Sonnseiten bis 700/800 m die Hopfenbuche,
die weiter nördlich nur noch einzelne Enklaven, z. B. in der Weizklamm,
aufzuweisen hat.

Nach Slov. Bistrica/Windisch Feistritz verlässt
der Bus die Autobahn und folgt der Straße nach Slov. Konjice/Gonobitz,
Zrece/Rötschach und Rogla am Bachern, einem Wintertourismus-Zentrum.
Von Poljcane/Pöltschach (südl. v. Slov. Bistrica ) nach Slov.
Konjice führte bis in die 60er Jahre eine Schmalspurbahn, ein Indiz
für einen einst durch Hammerwerke prosperierenden Wirtschaftsstandort.
Heute prägt eher der Weinbau (zahlreiche Hinweise auf Buschenschanken/Vinotoc)
die Gegend um Slov. Konjice/Gonobitz. In der Umgebung des alten Marktortes
aus dem 13./14. Jh., der in jugoslawischer Zeit zur Stadt erhoben wurde,
fallen riesige Fluren auf, als Nachfolger sozialistisch gelenkter halbstaatlicher
Betriebe. Obstanlagen erreichen hier in der Untersteiermark nicht so hohe
Anteile wie in der Steiermark.
Nordwestlich von Slov. Konjice/Gonobitz
zweigen wir nach Zrece/Rötschach ab.

Eisenindustrie (Werkzeugfabrik) brachte
Zrece in jugoslawischer Zeit wirtschaftlichen Aufschwung. Im Zuge der
kommunistischen Industrialisierung war man bestrebt, aus Gründen
der Unabhängigkeit vom Ausland auch in peripheren Lagen wirtschaftliche
Impulse zu setzen. Die Spuren dieser polyzentralistischen Industrialisierung
sind in Slowenien auch heute noch allenthalben - wie eben auch hier in
Zrece - deutlich sichtbar. Hohe Transportkosten bzw. fehlende Synergie-Effekte
sowie veraltetes Maschinen-Material gefährden derzeit jedoch viele
Standorte. Gleichsam als Symbol dieser Entwicklung ist in Zrece eine Dampflokomotive
samt Personen- und dreiachsigem Güterwagon - in Betrieb von 1922
bis 1967 - wie ein Denkmal für längst Vergangenes zur Schau
gestellt. Heute verdankt der Ort seine Bekanntheit einer Therme, deren
Entstehung wohl mit der nahen periadriatischen Naht zusammenhängt.
Nördlich von Zrece gelangt man ins Ski- und Wandergebiet
Rogla am Pohorje/Bachern, dessen höchster Punkt am Crni vrh/Schwarzkogel
(1 543 m) - in östlicher Richtung unweit von Slovenj Gradec/Windischgraz
- liegt. Die Rogla an sich (1 517 m) liegt unter der Waldgrenze, war nie
vergletschert und hat breite Kämme mit großflächigen Fichtenarealen
und einer Moorlandschaft. Holzstege ermöglichen deren Begehung. Almwirtschaft
wird auf kleineren Lichtungen (= Planje) betrieben, mit Waldweide, ohne
Hütten und Ställe (vgl. Teichalm). Urlaub am Bauernhof kann
gebucht werden. Obwohl die Schneesicherheit nur bedingt gegeben ist, gibt
es 10 Liftanlagen und zahlreiche Loipen.
Ca. 1 km östlich des Hotel Planja - auf dem Gipfel der Rogla - steht
eine Aussichtswarte, von der aus man bei günstigem Wetter weit über
das Bachern-Gebirge hinausblicken kann. Wenn mehr als 30 Personen die
obere Plattform zugleich betreten wollen, wird es eng.
Das Bachern-Gebiet war ab dem 15./16. Jh. ein Zentrum der Glasindustrie,
auf der Basis von Wasserkraft, Holzkohle und Quarzsand. Die steirischen
Orte St. Vinzenz und Glashütten im Koralmgebiet waren Ausläufer
dieses Zentrums. Das Holz wurde zu den Produktionsstätten in Bächen
und Riesen gedriftet und in Rechen aufgefangen. Seit Anfang des 20. Jh.
ist die Glasindustrie abgekommen und durch Forstwirtschaft ersetzt worden.
3 touristische Zentren sind am Bachern anzutreffen:
* Mariborsko Pohorje/Marburger Bachern im E
* Rogla in der Mitte
* Velika Kopa im W
Die Zahl der Übernachtungen ist gering, am höchsten noch im
Bereich Rogla wegen der Kombination Ski - Therme, sonst dominiert der
Ausflugstourismus. Die Errichtung eines Naturschutzgebietes ist derzeit
im Werden. Diesbezüglich gibt es in Slowenien noch viel nachzuholen,
da ja bisher nur der Triglav-Nationalpark ein großes, zusammenhängendes
Gebiet schützt.
Der Pohorje/Bachern besteht aus dem Kristallin des Steirischen Randgebirges:
Gneise und Glimmerschiefer bilden den Rahmen des Gebirges, in dessen Zentrum
Plutonite (Tiefengesteine von Granodiorit bis Granit) typisch sind. Granitintrusionen
sind auf die Lage an der periadriatischen Naht (pannonisches Becken ?
südsteirische Randfurche ? zwischen nördlichen und südlichen
Karawanken ? Gailtal bzw. Lesachtal ? Pustertal ? Bruneck ? Jaufenpass
? Judicarien- und Insubrische Linie ? Veltlin ? Poebene) zurückzuführen:
Krustenteile wurden nach E verschoben, Tiefengesteine (= Granit) sind
hochgequollen (z.B.: Eisenkappeler, Brixener, Meraner Granit, Rieserferner-Gruppe,
Adamello-Gruppe, Bergell). Die Wirtschaft nutzt dieses Gestein für
die Gewinnung von Quarzsand und Bausteinen. Die Rogla reicht nicht in
die Granite hinein, sondern gehört noch zum Kristallin. Östlich
von Slovenj Gradec lagern Vulkanite aus dem Tertiär.
Nach einem etwa einstündigen Spaziergang
(10.15 Uhr - 11.17 Uhr) vom Parkplatz nahe dem Hotel Planja zur Rogla-Warte
setzen wir die Fahrt in Richtung Becken von Cilli/Celjska kotlina fort.
Unterwegs - nahe der Abzweigung nach Vitanje auf Höhe Bukovlje -
liegt an einer Engstelle (= Durchbruchstal) an der südsteirischen
Randfurche ein Dolomit-Steinbruch. Diese Furche benutzten schon die Römer,
um von Virunum nach Poetovia/Ptuj/Pettau zu gelangen. Erst das Eisenbahnzeitalter
bewirkte eine Verlagerung des Verkehrs in die Drau-Talung. Die Exkursionsroute
passiert den Weitensteiner Zug entlang der Straße über Vojnik,
die Autobahn durchteuft ihn ca. 10 km östlich (2 Autobahntunnel).
Gleichsam als Überleitung zum Becken von Cilli ist das nördlich
davon liegende tertiäre Hügelland von Socka anzusehen, während
im S das Save-Bergland eine optisch scharfe Begrenzung bildet, wodurch
sich insgesamt eine asymmetrische morphologische Struktur ergibt. Das
Landschaftsbild ist geprägt von kleinparzelliertem Privatbesitz,

denn nur 10 ha durften in kommunistischer
Zeit privat bewirtschaftet werden. Bestimmende Elemente sind weiters der
Hopfenanbau bzw. starke Zersiedelung. Unter den landwirtschaftlichen Gebäuden
fallen besonders die Kosolci [sprich: kosouzi] (Singular: Kosolec) auf.
Es handelt sich dabei um ein- bis zweireihige mehrere Meter hohe Holz-Gestänge
mit Giebeldächern (= Doblar, -i), die über ihren praktischen
Nutzen der Heu- und Getreidetrocknung oder als Geräteschuppen hinaus
durchaus Symbolcharakter für die Regionen Krain und Stajerska erlangt
haben.

Nach einer etwa fünfminütigen Autobahnfahrt
benützt der Bus die Abfahrt Richtung alec/Sachsenfeld, wobei
der nach S gerichtete Blick des Beobachters die markante Erhebung des
Gozdnik (1090 m) bemerkt.

Die etwa eineinhalbstündige Mittagspause
(12.30 Uhr - 14 Uhr) ist beendet, weiter geht die Fahrt in Richtung Savinska
dolina/Sanntal, welches westlich von Sempeter - aus NW kommend - ins Becken
von Cilli mündet. Auf der Fahrt von alec nach Sempeter ist
linker Hand - also südlich - die Terrassenkante der Sann deutlich
erkennbar.
Bei Sempeter lohnt sich ein Abstecher zum Archäologiepark mit römischer
Nekropole/ Rimska nekropola.
Hier verlief eine der wichtigsten Römerstraßen (Bernsteinstraße
von der Ostsee über Carnuntum und Savaria nach Rom) als NW-SE-Achse,
an welcher die drei größten Städte des heutigen Slowenien
liegen: Emona/Ljubljana/Laibach, Celeia/Celje/Cilli und Poetovia/Ptuj/
Pettau.
Ein Haltepunkt - am Rande einer ausgedehnten Hopfenkultur,etwa
an der Einmündung des Sanntales ins Becken von Cilli nahe Braslovce
gelegen - ist so gewählt, dass ein Rundblick folgende Orientierungspunkte
erfassen kann:
im S die markanten Kalk- und Dolomitberge des Posavsko hribovje/Save-Berglandes,
im N der Urslja gora/Ursulaberg bzw. rechts davon die 2-türmige Wallfahrtskirche
von Sveti Kri auf der Gora Oljka,
im NW die plateauartigen Ausläufer der Sanntaler Alpen sowie
im NE Bachern und Weitensteiner Zug.
Der Hopfen ist die Kulturpflanze dieser Region, wo der Schotteranteil
des Bodens relativ hoch ist. In alec gibt es sogar ein Hopfen-Forschungsinstitut,
ein Museum und ein Festival. Etwa 4% der Welternte werden gegenwärtig
in Slowenien produziert. 1985 waren für Jugoslawien 3 345 ha Hopfen-Anbaufläche
ausgewiesen, bei sicherlich überwiegender Dominanz Sloweniens. Produziert
werden derzeit 5 000 t (vgl. in A: 184 ha, 270 t), die fast zur Gänze
exportiert werden (95%), da es nur in Lasko/Tüffer - südlich
von Cilli - und in Ljubljana/Laibach je eine Großbrauerei gibt.
Der Selbstversorgungsgrad beträgt unglaubliche 1 100 %!

Seit 1788 in Ilz angebaut, blieb der Hopfen
später in der Steiermark nur auf den Raum Leutschach beschränkt,
von wo er mit der Südbahn überallhin transportiert wurde.
In der Nähe dieses Haltepunktes liegt das Dorf Braslovce, das sich
um die Auszeichnung als schönstes Dorf Sloweniens beworben hat.

Etwas weiter talaufwärts, dort wo die
Straße aus dem Sanntal nach Sostanj/Schönstein bzw. (Titovo)
Velenje/Wöllan abzweigt, wird man an die Schattenseiten der slowenischen
Industrialisierungsphase erinnert: an das Kraftwerk in Sostanj, wo in
der Nähe abgebaute schwefelreiche Kohle (Lignit) verfeuert wird,
was Umweltschäden größeren Ausmaßes zur Folge hatte
bzw. hat. Die SO2-Emissionen erreichen das Ausmaß derer von ganz
Österreich und haben Waldschäden u.a. am Bachern und auf der
Remschnigg-Alm bewirkt. Das Kraftwerk besitzt eine installierte Leistung
von 745 MW und erzeugt fast ein Viertel des in Slowenien erzeugten Stroms.
Der im Kraftwerk erzeugte Strom (700 Megawatt/J. = 1/5 - 1/6 der gesamtslowenischen
Produktion) wird jedoch auch im nahe gelegenen Parade-Industriebetrieb
Sloweniens, dem Gorenje-Werk in Velenje, dringend benötigt.
Sann-aufwärts folgen sodann Talweitungen und -engen (z.B. Mozirje/Prassberg,
Mozirje ? Nazarje) wegen der kleinräumig wechselnden geologischen
Struktur (Kalke, Schiefer, Vulkanite) in rascher Abfolge aufeinander.
Die Sann diente früher auch als Transportweg für die Forstwirtschaft;
bis zur Donau transportierten die Flößer die Baumstämme.
Heute ziehen Freizeitsportler das Wildwasserpaddeln auf der Sann vor.
Des Öfteren ist der Hinweis "Rent a Kajak" zu lesen.
Ab Nizka - westlich von Nazarje - gibt es keine Hopfenkulturen mehr.
Von Gruovlje aus gesehen taucht in nordwestlicher Richtung die Ruduha
(2 062 m) auf, mit ihrer charakteristischen, von hier aus jedoch nicht
voll zur Geltung kommenden asymmetrischen Form: steile N-Seite, flache
S-Seite. In diesem Berg befinden sich sehenswerte Eishöhlen.
Ab Ljubno/Lauffen, auf einer fluvioglazialen Terrasse angelegt, war die
Sann flößbar. Episodisch hohe Niederschlagsmengen bewirkten
aber schon seit jeher eine beachtliche Variabilität der Wasserführung.
1998 gab es bei Luce/Leutsch ein Katastrophen-Hochwasser, ausgelöst
durch einen Erdrutsch, der einen Seitenbach verlegte, bis der Stausee
seinen Damm durchbrach... Anschließend folgt - in Verbindung mit
dem periadriatischen Lineament - eine breite Zone von andesitischen Gesteinen
(vor Luce aufgeschlossen) in Wechsellage mit Brekzien, deren Kompaktheit
eine Talenge bewirkt. Vulkanische Zyklen traten am Ostrand der Alpen im
Mio-, Plio- und Pleistozän auf, deren letzter im Altpleistozän
endete (siehe Stradner Kogel, Riegersburg), besonders häufig an der
periadriatischen Naht. Nach Luce werden die Andesite von Karbonatgesteinen
(Kalken, Dolomiten) abgelöst, die Ursache für die Verlängerung
der Talenge sind. Ein schroffer Felsturm auf der linken Talseite, die
Igla, ist markanter Zeuge der lokalen geologischen Bedingungen. Die Straße
ins obere Sanntal bis Solcava/Sulzbach) besteht seit 1894. Nach Kärnten
gab es hier aber keine leistungsfähige Verbindung und erst seit dem
Jahr 2000 gibt es eine gut ausgebaute Straße über den Pavlicevo
sedlo (Paulitschsattel, 1 339 m), mit einem internationalen Grenzübergang.
Mit dem Robanov kot treffen wir auf die Ausmündung des ersten, von
einer Moräne zum Haupttal hin abgeriegelten kaltzeitlich vergletscherten
Tales, welches zum geplanten Naturpark "Steiner Alpen" gehört.
Von hier aus erreicht der Blick die Oleva in den Karawanken, an
deren Abhängen sich die höchsten Siedlungslagen Sloweniens (Hof
Bukovnik, 1 327 m) befinden.
Dolomite und Schiefer dominieren eine Landschaft, deren Entwässerung
zwar nach S erfolgt, aber nach N orientiert ist; eine Folge einer Anzapfung
von S her. Die Einsenkung der Becken (z. B. Cilli) hat die Entwässerung
an sich gezogen und Talknicke entstehen lassen.
Oberhalb (westlich) von Solcava/Sulzbach zweigt eine Straße in die
Logarska dolina/Logartal ab. Hier bietet sich dem Reisenden ein prachtvoller
Blick in einen der wohl eindrucksvollsten Talschlüsse der Südalpen:
Ojstrica (2 350 m), Planjava (2 394 m), Steiner Sattel/Kamniko sedlo
(1 903 m), Brana (2 252 m), Koroka Rinka (mit 2 433 m der höchste
Berg der Untersteiermark) u.a.m. bilden ein sehenswertes Gebirgs-Panorama.
Die Steiner Alpen hatten eine Lokalvergletscherung ohne Verbindung zum
inneralpinen Eisstromnetz.
Die Sann entspringt im Rinka Wasserfall/Slap Rinka, zu dem die Exkursionsteilnehmer
vom Parkplatz "Logartal" wandern (ca. 20 Minuten Gehzeit). Von
hier aus könnte man noch in ca. 45 Minuten die Frischauf Hütte/Frischaufov
dom (1 385 m) erreichen. Der Grazer Alpinist Johannes Frischauf hat entscheidend
an der Erschließung der Sanntaler = Steiner Alpen mitgewirkt (Wegmarkierungen,
erste Publikation über die Steiner Alpen von 1870, Impulse für
Namensgebungen). Im 19. Jh. war auch der Alpinismus in gewisser Weise
von deutschnationalem Gedankengut infiziert. Der Deutschnationale Eduard
Richter hatte anlässlich der Herausgabe einer Monographie über
die Erschließung der Alpen auch Frischauf zur Mitarbeit eingeladen,
der jedoch die ideologischen Vorgaben ablehnte. Beinahe skurril mutet
in diesem Zusammenhang der Streit an, ob es "Steiner" oder "Sanntaler"
Alpen heißen müsse: Slowenien führte den Doppelnamen ein,
in Österreich setzte sich schließlich der Name "Steiner
Alpen" durch.
Das Logartal ist ein typisches Trogtal mit fluviatiler Aufschüttung,
in dem noch 4 landwirtschaftliche Betriebe existieren, auf denen insgesamt
30 Personen leben. Eine Interessengemeinschaft der Einheimischen setzt
sich für ein professionelles Marketing (Logo, Verkehrsleitsystem,
touristische Schulungen) ein.

Nach ungefähr einstündigem Aufenthalt
verlässt der Bus wieder das Logartal Sanntal-abwärts. Nach Ljubno
wählen wir aber die Route über Gornji Grad/Oberberg, die durch
eine Mittelgebirgslandschaft führt, welche zu den Ausläufern
der Steiner Alpen gehört.
Das Benediktinerkloster von Gornji Grad wurde im 12. Jh. gegründet.

Die Kirche - mit Bildern des österreichischen
Barockmalers Martin Johann Schmidt, genannt "Kremser Schmidt"
(1718 - 1801) - war lange Zeit der Sommersitz der Laibacher Bischöfe,
die einst auch Holzwirtschaft betrieben. Waldnutzung gehört aber
auch heute noch zu den dominierenden Wirtschaftsformen Sloweniens, denn
>52% des Landes sind waldbedeckt, damit liegt Slowenien in der Rangfolge
der Waldbedeckung in Europa an dritter Stelle, hinter Finnland und Schweden
(Österreich 39%). Die größten zusammenhängenden Waldgebiete
Sloweniens liegen bei Kocevje/Gottschee, wo auch Bären leben.
Vorbei an der Wallfahrtskirche Nova tifta fahren wir über den
902 m hohen Crnivec-Sattel Richtung Kamnik/Stein.

Die topographische Ungunst dieses Gebietes
zeigt sich an der Zunahme der Waldfläche und der hohen Zahl von Nebenerwerbsbauern.
Der Crnivec-Sattel ist der Übergang von der Region tajerska
(Untersteiermark) nach Gorenjska (= Oberkrain); zu unterscheiden sind
Gorenjska/Oberkrain nördl., Notranjska/Innerkrain südwestl.,
Dolenjska/Unterkrain südöstlich von Laibach. Die Bela Krajina/Weiße
Krain liegt im äußersten S Sloweniens, südlich von Novo
Mesto, dem Hauptort der Unterkrain.
Das wenige Kilometer westlich des Sattels ungefähr N-S verlaufende
Tal der Kamniska Bistrica/Steiner Feistritz folgt einer Tiefenlinie entlang
der Steiner Alpen.
Kamnik, am Kreuzungspunkt dieser Tiefenlinie
mit dem Richtung Cilli verlaufenden Tuhinjska dolina, einem im Mittelalter
bedeutenden Verkehrsweg, gelegen, war Passfußort der dortigen Talwasserscheide.
Eine sehenswerte mittelalterliche Altstadt und 2 Burgberge lohnen einen
Abstecher in jedem Fall.
Der wirtschaftliche Aufstieg der Stadt basierte auf Kleineisenwerken (Sensen-,
Hammerwerke), die Eisen aus der Oberkrain verarbeiteten und das lokale
Wasserkraft-Angebot nutzten. In weiterer Folge entwickelte sich auch eine
Textilindustrie, eine Stichbahn nach Laibach wurde gebaut.
Während der Fahrt noch einmal den Rundblick
auf Triglav im E und Krim im S von Laibach genießend nähern
wir uns der slowenischen Hauptstadt und treffen um 19.30 Uhr im Laibacher
M-Hotel ein.


2. EXKURSIONSTAG: Ljubljana ® Ljubljana Hauptbahnhof
(Haltepunkt) ® Preeren-Denkmal (Haltepunkt) ® Burg von Ljubljana
(Haltepunkt "Burgturm") ® Slovenska cesta nahe "Wolkenkratzer"
(Mittagspause) ® Radovljica (Haltepunkt) ® Bled/Veldes (Haltepunkt:
Aussichtspunkt Straa) ® Studor (Fotostopp Kosolci-Gruppe) ®
Ribcev Laz am Bohinjsko jezero/Wocheiner See (Fotostopp bei Johannes-Kapelle)
® Kropa (Haltepunkt) ® Kranj/Krainburg ® Ljubljana (M-Hotel)
Um 8.35 Uhr fahren wir mit dem Exkursionsbus
zum Hauptbahnhof von Laibach, der in ausgezeichneter Weise renoviert wurde
und in vorbildlichem hygienischen Zustand ist, schon aus diesen Gründen
lohnt sich ein Rundgang durch das Gebäude.
Gegenüber dem Bahnhofseingang steht das Gebäude einer Versicherung,
welches der slowenische Vorzeige-Architekt Joe Plecnik in einer
am Jugendstil angelehnten Architektur entwarf. Insgesamt aber ist die
gründerzeitliche Bebauung in Laibach eher spärlich vertreten;
die meisten und schönsten Beispiele befinden sich im Bereich zwischen
Bahnhof und Stadtzentrum.
Zu Fuß begeben wir uns durch die Mikloiceva cesta in Richtung
Stadtkern.

Das Preeren-Denkmal am Preeren
Trg/Platz ist wohl der geeignetste Ort, um über die Leistungen des
slowenischen National-Dichters France Preeren zu sprechen.
Geboren am 3.12.1800 in Vrba bei Bled in der Oberkrain, von Beruf Notar,
gilt er als der größte (romantische) Lyriker Sloweniens und
Schöpfer der modernen slowenischen Literatursprache. Er starb am
8.2.1849 in Kranj. Sein Todestag ist in Slowenien ein Feiertag und wird
als Teil des slowenischen Nationalverständnisses zelebriert.
Der Preeren Trg/Platz liegt unmittelbar an der Ljubljanica,
die an dieser Stelle von 3 Plecnik-Brücken/Tromostovje überspannt
wird.
In weiterer Folge begeben wir uns zum Marktplatz, der von eindrucksvollen
Kolonnaden Plecniks flankiert wird und wo die bekannte Drachen-Brücke
zu bewundern ist.

Der Mythos von einem Drachen, dem Wappentier
Laibachs, hat seinen realen Hintergrund in lästigen und bisweilen
Furcht einflößenden Sumpfgebieten (Laibacher Moor südlich
des Burgberges), die man bestrebt war trockenzulegen. Schon zur Monarchie-Zeit
plante man die Meliorierung des Moores, worin die Ljubljanica mit ½
m auf 20 km ein äußerst geringes Gefälle aufweist.
Für die Mühen der Bezwingung des Burgberges - auf paläozoischer
Schieferzone, von E kommend, zu den Julischen Voralpen hin auslaufend
- wird man mit einem prachtvollen Rundblick auf die Stadt, das
Laibacher Becken und dessen Gebirgsumrahmung belohnt:

* gegen N auf die Steiner Alpen (Grintavec,
2 558 m; Planjava Ojstrica sowie auf die fluvioglaziale Terrassenlandschaft
des Ljubljansko polje/Laibacher Feldes
* gegen E auf das Save-Bergland und
* gegen S auf das Laibacher Moor, das einst größte Moor Österreichs
(heute ist es das Ibmer Moos), mit ältesten Siedlungsspuren; dahinter
erkennbar das Dinarische Gebirgssystem
* gegen W und NW auf die Julischen Voralpen
Im Laibacher Becken leben etwa 490 000 Menschen,
in der Hauptstadt selbst rund 270 000. Die Stadterweiterung orientierte
sich aufgrund des Moores eher gegen N. Die Stadt liegt - wie erwähnt
- am Schnittpunkt dreier Regionen: Innerkrain (SW), Unterkrain (SE) und
Oberkrain (N).
Das Laibacher Becken muss als inneralpines Becken mit klimatischer Ungunstsituation
und daraus folgender problematischer Lufthygiene fertig werden: 140 Nebeltage
im Jahresdurchschnitt sind Beweis dafür. Im Vergleich zu Maribor
gibt es, was die Luftgütesituation emissionsseitig etwas verbessert,
wenig Industrie.
Die Entwicklung Laibachs im Mittelalter (zur Römerzeit Emona genannt)
ging von der Straße um den Burgberg aus, der älteste Kern reicht
vom Mestni trg/Stadtplatz bis zum Dom. Jenseits der Ljubljanica erfolgte
parallel dazu eine zeilenförmige Erweiterung. Das daran anschließende
Gründerzeitviertel ist - im Vergleich zu Marburg - nur klein.
Die Entwicklung zur Großstadt setzt nach dem 1. Wk. ein, gefördert
von der Hauptstadtrolle und nicht zuletzt von Plecnik-Bauten. Wie üblich
wächst die Stadt auch hier entlang der Ausfallstraßen ins Umland
und von 1948 bis 1980 verdoppelt sich die Einwohnerzahl. Jüngste
Entwicklung ist die Entleerung der City (1961 - 1991: -35% Bewohner),
während die Gesamtstadt um 60% zulegen konnte.
Nach einem ca. einstündigen Aufenthalt im Burgareal begeben wir uns
auf leicht begehbaren Spazierwegen wieder hinunter in die Altstadt, wo
von 11 Uhr bis 13.30 Uhr Zeit für Einkäufe und Mittagessen gewährt
wird.
Die für 13.30 Uhr vereinbarte Abfahrt
des Busses verzögert sich leider um 10 Minuten, da einige Exkursions-Teilnehmer
das Fahrzeug auf dem weitläufigen Bahnhof-Vorplatz erst mit Hilfe
des Chronisten finden können. Schließlich fahren wir aber doch
noch auf der Wienerstraße nach N zur Ringautobahn, einem Teil der
gerade in Ausbau befindlichen Slowenien-Transversale in NW-SE-Richtung,
entgegen der kommunistischen NW-SE-Orientierung. Der Karawanken-Tunnel
wurde noch vor der Wende gebaut.
Über eine kompliziert strukturierte fluvioglaziale Aufschüttungslandschaft
aus Terrassen (Save-Bett oft 150 m tiefer als Terrassenrand) geht die
Fahrt Richtung Kranj/Krainburg, 4.-größte Stadt Sloweniens
und Hauptort der Gorenjska/Oberkrain, auf einem Terrassensporn im Mündungszwiesel
zwischen Sava/Save und Kokra/Kanker. Die Kokra schneidet sich schluchtartig
ein und hat dadurch einen Sporn herausmodelliert, auf dem die Altstadt
liegt. Kranj ist eine Messestadt sowie ein bedeutender Schulstandort mit
Uni-Fakultät und noch immer relativ hohem Anteil des Sekundärsektors
in der Nachfolge historischen Eisen-Gewerbes.

In der Umgebung von Naklo gibt es wieder
zahlreiche Kosolci. In der Nähe mündet die Trika
Bistrica/Neumarktler Feistritz, deren Schotter von Karbonatgesteinen dominiert
sind. Wenn solche Schotter verfestigt sind, kann es zu Karsterscheinungen
(Dolinen und Karstschlote auf älteren Terrassen) kommen.
Vorbei am Wallfahrtsort Brezje erreichen wir um 14.25 Uhr den Busbahnhof
von Radovljica/Radmannsdorf.

Das malerische Städtchen aus dem 11.
Jh. auf einer kleinen Anhöhe über der Save (Würmmoräne:
mehrere Hügel mit Wald im Stadtgebiet) lebt von der Kleineisenindustrie
und einer offenbar florierenden Imkerei (Biene im Ortswappen, Bienenmuseum).
Im Ortskern stehen einige Häuser mit schönen Malereien.
Auf der Weiterfahrt nach Bled (ab 15 Uhr) sind weit gespannte Schotterflächen
zwischen Moränenrücken zu beobachten. Bei Radovljica/Radmannsdorf
vereinigen sich die Sava Dolinka/Wurzener Save und Sava Bohinjka/Wocheiner
Save.
In Bled/Veldes (nach der Sava-Dolinka-Straße) stoßen wir auf
einen Moränenkörper aus dem ausgehenden Würm, der den Blejsko
jezero/Veldeser See umschließt.
Um 15.30 Uhr erreichen wir bei leichtem Regen den Aussichtspunkt Straa
(646 m). Von hier genießt man eine - bei schönem Wetter - herrliche
Aussicht auf die gegenüberliegende Burg Bled und auf den See (2 120
m lang, 500 m breit und 30,6 m Maximaltiefe).
Bled nimmt die 3. Stelle im slowenischen Tourismus ein, nur der Küstenort
Portoro und die Therme Cate weisen höhere Übernachtungszahlen
auf.
Bled ist ein alter, schon während der Monarchie geschätzter
Tourismusort u.a. für Wallfahrer, ausgestattet auch mit Heilquellen,
die hier am Kreuzungspunkt der Save-Störung - verläuft parallel
zur periadriatischen Naht - mit einem ganzen Störungsbündel
austreten.
1855 machte der Schweizer Arzt Rikli mit seiner Naturheilmethode (Wasser,
Luft, Sonne) Veldes berühmt. 1870 folgte ein weiterer Impuls durch
die Bahnlinie Laibach - Tarvis und 1906 kam die Wocheiner Bahn dazu (Karawankentunnel
? Jesenice/Assling ? Wocheiner Tunnel ? Soca-Tal ? Nova Gorica/Görz
? Triest). Infolgedessen entwickelte sich der Ort zu einem Nobelkurort
der Monarchie, vergleichbar mit Meran, Bad Ischl oder dem Semmering. Nach
dem 2. Wk. brachte Titos Sommerresidenz einen neuen Aufschwung und 1999
registrierte man 333 137 Übernachtungen. (Vgl. dazu auch: Potoro
900 000, Izola und Krajnska Gora je 300 000, Ramsau 800 000.) 6 - 7 Mio.
Übernachtungen zählte man zuletzt in ganz Slowenien (= wie NÖ,
knapp 1/3 weniger als die Stmk.). Obwohl es gewisse Probleme mit der Wasserhygiene
gibt, da noch keine Ringkanalisation besteht, der natürliche Wasseraustausch
nur sehr langsam vor sich geht und es im Frühjahr manchmal zu einer
Algenblüte kommt, wird im Sommer im See gebadet (Maximaltemperatur
24°). Von diesen Nachteilen sind aber die hier häufig stattfindenden
Rudersport-Veranstaltungen nicht betroffen.
Ungefähr nach einer Dreiviertelstunde begeben wir uns wieder zu dem
vor dem Golfhotel wartenden Bus und fahren das Südufer entlang Richtung
Bohinj/Wochein und Bohinjsko jezero/Wocheiner See.

Die Wochein ist zwischen den beiden Karstplateaus
Pokljuka im NW und Jelovica im SE eingeschnitten. Der nördliche Tal-Ast
(= oberes Tal) sowie der südliche (= unteres Tal) sind jeweils glazial
erweitert. Die Exkursionsroute folgt dem oberen Talverlauf, wo zahlreiche
Kosolci (z.B. bei Cenjica) die Landschaft prägen. Nebenerwerbsbauern
und Auspendler sind für dieses Gebiet typisch. Von der Pokljuka führt
der einfachste Anstieg auf den Triglav, die klassische Route beginnt aber
in der Wochein.
Von Srednji vas aus genießt man einen tollen Blick auf den klassischen
Trogtalquerschnitt des Wocheiner Tales, die Kosolci bei Studor sind es
sicherlich ebenso wert, fotografiert zu werden. Wer länger Zeit hat,
sich in diesem Gebiet aufzuhalten, dem seien die vielen Wandermöglichkeiten
- etwa auf die aussichtsreiche Rudnica (946 m) an der südlichen Talseite
empfohlen. Von Ukanc im SW des Sees führt eine Seilschwebebahn hinauf
zum Wintersportgebiet "Vogel".
Um etwa 17 Uhr passieren wir Stara Fuina/Althammer, dessen Name
auf ehemalige Schmelzöfen und Schmieden zurückgeht. Es liegt
an einer Spätglazialmoräne, die vor ca. 15000 Jahren rund um
den späteren See abgelagert wurde. Sie entspricht einem spätglazialen
Rückzugsstand, als das alpine Eisstromnetz schon zerfallen war.
In Ribcev Laz kann man eines der malerischsten Motive Sloweniens bewundern:
die Johanneskirche nahe einer Brücke über die an dieser Stelle
den See verlassende Wocheiner Save. Hier betritt man auch den Boden des
Triglav-Nationalparks, ein seit 1981 ausgewiesenes Schutzgebiet
von 848 km2 Fläche.

In der Region Gorenjska/Oberkrain (2 000
km², D = 90) waren 1991 55% im II. und 38% der Erwerbstätigen
im III. Sektor beschäftigt. Die Einkommen lagen unter dem Landesdurchschnitt.
Die Aussichten sind jedoch gut, da die Fremdenverkehrsintensität
zunimmt. Das Grundstoffindustrie-Kombinat in Jesenice ist weitgehend stillgelegt,
die Zahl der Auspendler hoch. Aufgrund der einst starken Arbeitsmigration
leben auch heute noch viele Nicht-Slowenen (Serben, Bosnier, Mazedonier)
in Jesenice.
Während der Fahrt über Lesce nach
Kropa ist Richtung N der Stol/Hochstuhl (2 236 m), der höchste Berg
der Karawanken, zu sehen. Unmittelbar nach dem Zusammenfluss der beiden
Quellflüsse der Save überquert die Straße Richtung Kropa
die Save und benützt einen würmzeitlichen Schmelzwasserdurchbruch
quer durch einen Moränenkörper (zurückblickend sieht man
die Stirnmoräne von Radovljica). Im weiteren Verlauf folgt die Straße
einer Umfließungsrinne (bei Kamna Gorica). Das Sacktal von Kropa
ist durch eine Karstquelle oberhalb des Ortes entstanden. Während
der Hochblüte der alten Hammerwerke-Siedlung waren hier bis zu 18
Schmieden in Betrieb. Der älteste Schmelzofen stammt aus dem 13.
Jh., der letzte wurde Ende des 19. Jh. stillgelegt. Mit Hilfe von schweren
wassergetriebenen Hämmern ("Narren") schmiedete man etwa
500 Jahre lang kleine Eisenstücke, die in kleineren Schmieden zu
Eisenstangen und in einer Nagelschmiede zu Nägeln weiter-verarbeitet
wurden. Ein Rundgang durch die Siedlung (18 Uhr bis 18.30 Uhr) zeigt viel
erhaltenswerte alte Bausubstanz, die z. T. aber knapp vor dem Verfall
steht. Gelegentlich sind aber auch gute Ergebnisse von Renovierungsarbeiten
zu sehen.
Nach dem Rundgang in Kropa fahren wir über Podnart, Gobovce, Podbrezje
Richtung Kranj/Krainburg. Bei Bistrica benützt die Straße eine
niedrigere Terrassenflur, bei Naklo eine höhere (möglicherweise
aus der Risszeit stammend). Vorbei an Kranj, über das Sorko
polje (nach dem Fluss Sora benannt) - nach W erfasst der Blick die Umrisse
der ebenfalls sehenswerten Stadt kofja Loka/Bischoflack - erreichen
wir um 19.30 Uhr wohlbehalten das M-Hotel in Laibach.

3. EXKURSIONSTAG: Ljubljana ® Vrhnika/Oberlaibach:
Karstquelle Mocilnik (Haltepunkt) ® Logatec ® Unec ® Dolenja
vas ® Velika Karlovica (Haltepunkt) ® Rakov kocjan (Haltepunkte
Mali narovni most/Kleine Naturbrücke und Veli narovni most/Große
Naturbrücke) ® Postojna ® Kozina ® Riana ®
Izola ® Portoro ® Piran (Haltepunkt Turm auf Stadtmauer
/ Mittagspause) ® Koper (Haltepunkt) ® Crni Kal ® Burg Socerb
(Haltepunkt) ® Ljubljana (M-Hotel)
Pünktlich um 8 Uhr wird der Bus gestartet
und trotz Fahrerwechsel sicher durch die ienska cesta in Richtung
Ljubljansko barje/Laibacher Moor gelenkt.
Das Laibacher Becken gliedert sich in das Ljubljansko polje/Laibacher
Feld im N (mit Moränen im obersten, nordwestlichen Teil) und das
Ljubljansko barje/Laibacher Moor (bis ins Holozän abgesenkt) im S.
Durch die Absenkung wurden älterpleistozäne Sedimente im Untergrund
zugeschüttet. Der Übergang zwischen Bergland und Moorboden ist
als scharfe Grenze ausgebildet. Das Moor präsentiert sich als System
verschiedener Ökotope mit unterschiedlichen Entstehungsbedingungen.
Durch Drainagierung konnten mehrere, z. T. junge Siedlungen angelegt werden.
Torfabbau im großen Stil gibt es seit dem 19. Jh., als in einem
Musterhof Torfnutzung für landwirtschaftliche Zwecke erprobt wurde.
Große bautechnische Probleme ergaben sich wegen der mangelnden Stabilität
des Untergrundes beim Bau der Südbahn von Laibach -Karst -Triest.
Das Moor wird von der Ljubljanica/dem Laibach durchflossen, der
am Rande des Becken aus Karstquellen bei Vrhnika/Oberlaibach entspringt.
Um 8.55 Uhr erreichen wir die Autobahn-Ausfahrt nach Vrhnika, das sich
als Straßensiedlung an der Karststraße von Laibach nach Triest
und Passfußort vor dem Anstieg zur Karstlandschaft entwickelt hat.

Die Karstquelle Mocilnik entspringt in einem Sacktal und gehört zu
einer Reihe von Karstquellen zwischen Vrhnika und Borovnica.
Während der Auffahrt zur Hochkarstlandschaft der Inner- und Unterkrain
wird die Verbreitung von Karsterscheinungen in Slowenien in ihrer Gesamtheit
besprochen. Der dinarische Karst ist an sehr reine Kreidekalke gebunden,
die - dem Dinarischen System entsprechend - von NW-SE streichen.
Als nächste größere Ortschaft begegnet uns Logatec, in
einem typischen Polje gelegen, das zur NW-SE angeordneten Innerkrainer
Poljentreppe gehört (Logatec, Planina, Cerknica u.a.m.). Oberflächengewässer
verschwinden plötzlich in Flussschwinden (vgl. Logacica in
Logatec). Die Logacica kann als Teilstück der Ljubljanica,
des Flusses mit 7 Namen, aufgefasst werden: Stren, Cerknicica,
Unica, Logacica, Ljubljanica, Pivka, Rak. Man hat das Wasser mit
Farbstoff markiert und so die Zusammenhänge herausgefunden.
In Poljen kommt es des Öfteren auch zur Bildung von Kaltluftseen.
So wurde im Babno-Polje mit -37° C das absolute Temperatur-Minimum
Sloweniens gemessen. Das Jahresmittel liegt dort in nur 750 m Seehöhe
bei niedrigen +4°C.
Zur Entstehung eines Polje kann es dann kommen, wenn nichtkalkige (z.B.
tonige) Sedimente Klüfte verstopfen. Die Kalklösung (korrosive
Wirkung) erfolgt nun seitlich, das Polje erweitert sich also am Rand.
Bei Schneeschmelze und/oder hohen Niederschlägen, wenn die Ponore
das Wasser nicht vollständig abführen können, kommt es
häufig zur Überflutung (Inundation) der Poljeböden (siehe
Cerkniko jezero/Zirknitzer See).

Von der Straße aus, die am westlichen Rand des Planinsko Polje entlangführt,
kann man die Mäanderschleifen der Unica gut erkennen (Augehölze).
Weiters fällt auf, dass am Poljenrand Ackerbau, im Inneren des Poljes
aber Grünlandwirtschaft betrieben wird. Insgesamt ist die Innerkrain
waldreich und weniger für die Landwirtschaft geeignet.
Die nächste Siedlung - Unec - liegt in einer abflusslosen Karsthohlform.
Über Rakek fahren wir zum Cerkniko/Zirknitzer Polje, das bisweilen
von einem See bedeckt ist, der bei Erreichen seiner Maximalgröße
(22 km²) der größte See Sloweniens ist, und zwar dann,
wenn die Ponore allzu reichliche Niederschläge nicht mehr aufnehmen
können. Zu Ostern 2001 hatte er ca. 18 km². Der See ist schon
in der berühmten römischen Streifenkarte "Tabula Peutingeriana"
aus dem 4. Jh. eingetragen (Abschrift in der Wiener Hofbibliothek aus
dem 12. Jh.). Bis zum Ende des 17.Jh. hatten schon 42 Autoren über
den See geschrieben. In der Zwischenkriegszeit wollten ihn die Italiener
trockenlegen, die Jugoslawen planten einen Freizeitsee. Die Siedlung Cerknica/Zirknitz
ist auf einer Anhöhe angelegt und somit von den schwankenden Seeständen
nicht betroffen.
Über Dolenja vas gelangt man auf einem gut befahrbaren Schotterweg
ungefähr bis zur Flussschwinde Velika Karlovica. Von diesem Standort
aus ist das Polje bzw. der See gut zu überblicken. Am 22.5.2001 war
jedoch nur ein ganz kleiner Rest zu erspähen.
Um 10.30 Uhr erreichen wir unser nächstes
Ziel: die Naturbrücken von Rakov kocjan.

Nahe der "Mali naravni most/Kleinen
Naturbrücke" wagen wir den Abstieg in eine Einsturzdoline, die
zum System der Zelke jame/Höhlen gehört. Nach einer halben
Stunde folgen wir ein Stück dem oberirdischen Lauf des Rak-Baches
und gelangen zur "Veliki naravni most/Großen Naturbrücke",
über die eine Straße führt, die auch von Reisebussen befahren
werden kann. Die beiden Naturbrücken verdanken ihre Entstehung dem
abschnittweisen Einsturz des Höhlendaches der lokalen Höhlensysteme.
Von der "Veliki naravni most/Großen Naturbrücke"
gibt es einen Weg zum Rak-Bach hinunter. An einem Brückenpfeiler
hat man die Höhe des Hochwassers von Anfang November 2000 markiert.
Vom (geschätzt) 10 m hohen Durchlass blieb damals nichts frei! Über
ein kurzes steiles Wegstück ist auch noch die Tkalca jama zu erreichen.
Auf der Weiterfahrt Richtung Postojna/Adelsberg
begegnet einem zuerst noch die teilweise verfallene Kirche von Sveti Kancijan/St.
Kanzian. Die Postojnska vrata/Adelsberger Pforte ist mit 600 m einer der
niedrigsten Übergänge über das Dinarische System. In Postojna
gibt es ein Institut für Karstforschung (Symbol "Grottenolm"),
das sich natürlich ganz besonders mit der Erforschung der Postojnske
jame beschäftigt. Die Höhlen sind seit dem 19. Jh. erschlossen.
Die Stadt liegt am Rand des Pivka kotlina/Poik-Beckens, das einem
Polje ähnelt. Phänologisch ist es - trotz seiner südlichen
Lage - in etwa mit Bruck/Leoben vergleichbar. Dies ist durch die relativ
große Höhenlage (um 550 m) erklärbar. Die z. T. hohe Umrahmung
des Beckens wird gebildet von: Nanos im NW (1 209 m), Hruica im
N (1 020 m), Bukovec im NE (701 m), Javorniki im SE (1 269 m) und Ravnik
im SW (832 m).
Im niedrigen Hügelland des Beckens liegt die Wasserscheide zwischen
Pivka-Ljubljanica (82%), Vipava (15%) und Reka (3% der oberirdischen Wassermenge
der Pivka kotlina).
Der Nanos ist als Aussichtsberg zu empfehlen, von Razdrto aus ist die
Vojkova koca/Hütte zu Fuß in 1½ Stunden erreichbar.
Ungefähr auf Höhe des Autobahn-Knotens Razdrto sieht man durch
die in Richtung NW verlaufende Senke der Vipavska dolina/des Wippachtales
bis zu den dicht bewaldeten Mittelgebirgsrücken (Gipfel aber waldfrei)
des Trnovski gozd/Ternovaner Waldes. Gegen N zu schweift der Blick zur
Landstufe der Hruica/Birnbaumer Wald (mit dem Nanos als südlichem
Eckpfeiler), die über ein niedriges Flysch-Hügelland aufragt.
Auf dem Hochkarst des Ternovaner und Birnbaumer Waldes kommen Eisansammlungen
in Schachthöhlen vor. Der Karstwasserspiegel liegt in 300 - 400 m
Höhe (Gipfel 1 400 m). Die Eisansammlungen wurden auf bergmännische
Art abgebaut und haben so eine wirtschaftliche Rolle auch als Exportgut
gespielt. Weiters finden sich bis zu 100 m tiefe Dolinen mit Vegetationsumkehr.
Geologisch sind Ternovaner Wald und Hruica Stufen des nach S hin
überschobenen südalpinen Deckensystems, das hier vom dinarischen
System abgelöst wird.
Beim Becken von Senocece hat man den "locus typicus" aller Karstlandschaften
erreicht: die Landschaft Kras/Karst/Carso. Mit diesem ursprünglich
also eine Landschaft bezeichnenden Begriff assoziiert man eine kahle Landschaft,
die der Karst 1850, als man die Südbahn baute, auch noch tatsächlich
war. Das akute Wasserproblem für die Bahnbauer (und die Versorgung
der Großstadt Triest) veranlasste die Freigabe finanzieller Mittel
zur Wasserprospektion sowie für die Karstforschung. Zusätzlich
war der Bahnbau durch starke Schneefälle und Verwehungen behindert.
Heute sind Schneefälle in dieser Gegend eher selten, der vorhandene
Wald ist jung.
Wirtschaftlich profitieren die Karstlandschaften zwar von einer guten
Verkehrslage, aber der III. Sektor ist noch schwach und der II. ziemlich
bedeutend. Wichtig sind die Holzressourcen.
Eine Fahrt auf der neuen Autobahn Richtung
Koper liefert Karbonatgestein-Aufschlüsse in Serie und bei Divaca
kann man - je nach persönlicher Neigung - Abstecher zu den kocjanske
jame/St. Kanzianer Grotten mit der Schwinde der Reka oder zum Gestüt
Lipica (Urheimat der "Lipizzaner") machen.

Ungefähr auf Höhe des heutigen
Autobahn-Endes bei Kozina erstreckt sich in südöstlicher Richtung
die markante Landstufe der Cicarija, die ihre Fortsetzung auf den Inseln
Cres und Loinj findet. Submediterraner Buschwald, Aufforstungen
von Schwarzkiefern und verbuschte Felder bestimmen hier das Landschaftsbild.
Nach dem Talübergang Glincica, der erosiv in die Karstrandstufe
eingeschnitten ist, ist der Karstrand bald erreicht. Ins Primorje oder
Primorska hinunter muss ein Höhenunterschied von 400 m überwunden
werden.
Dem Reisenden bieten sich hier eine Fülle von hervorragenden Aussichtspunkten
(z.B. Bergdorf Tinjan, Burg Socerb, Crni kal), von denen bei guten Sichtverhältnissen
die Buchten von Triest und Koper zu überblicken sind.
Die Überschiebungsstirn der Karstrandkante geht über in ein
reich gegliedertes Flysch-Bergland mit oberirdischer Entwässerung
und entsprechender Zerschneidung. In Slowenien bildet der Flysch eine
Steilküste, was eine Besonderheit darstellt. Ab der Karstkante tauchen
immer mehr mediterrane Elemente auf, wie Ginster, Feigenbaum, Zypressen
(z.B. bei Riana). Das Hinterland der Küste zeigt deutliche
Anzeichen von Litoralisation und Peripherisierung: verfallene Häuser,
verwilderte Kulturlandschaft. Bis etwa zur Mitte des 20. Jh. gab es noch
reichlich Mischnutzung, seither schreitet die Entleerung des Hinterlandes
dramatisch voran.
Der Hafen von Koper/Capodistria ist der Aufsteiger
gegenüber seinen Konkurrenten Triest und Rijeka.

Schwemmlandböden - in 3 Jahrhunderten hat die Riana
2 km Sedimentvortrag geschafft - sind gut nutzbar, der Hafen ist daher
nicht so beengt und infolgedessen haben sich viele Unternehmen (100 in
der Freihandelszone des Hafens) angesiedelt. Die östlich gelegene
Kuppe Srmin war - wie die Erhebung mit der Altstadt - im Mittelalter noch
eine Insel und ist erst spät landfest geworden. Heute ist die Sedimentierung
wegen des höheren Waldbestandes im Hinterland weit geringer. Gegen
N hin ist die Bucht von einem Sandsteinkliff begrenzt. Dazu wirkte sich
auch der Bau einer Eisenbahn ins Hinterland positiv aus. Die Entwicklungszahlen
des Jahresumschlages sprechen für sich:
1960: 0,1 Mio. t
1970: 2
1990: 5,5
1991: 4,4
1998: 8
Nach der Wende erreichte der Jahresumschlag 8 Mio. t (vgl.
Rijeka 15, Triest 20). Ursprünglich auf einer Insel gelegen, ist
die Altstadt von Koper seit dem 18. Jh. mit dem Festland verbunden. Im
Zuge der damaligen Landgewinnungsaktivitäten hat man die Lagune künstlich
verlandet. Auf dem festländischen Teil von Koper wurden nach dem
2. Wk. zahlreiche Wohnungen errichtet.
Trotz dieser Aufwärtsentwicklung des Hafens ist die Beschäftigtensituation
im gesamten slowenischen Küstenland überwiegend zum III. Sektor
(Tourismus, Handel, Bildung) orientiert (60%), 34% arbeiten im II. und
6% im I. Die Pkw-Dichte ist mit 425 deutlich höher als in Gesamt-Slowenien
(350). Auch die Zahl der Arbeitslosen ist hier mit 7,5% niedriger als
in ganz Slowenien (9,2%). Das Bevölkerungswachstum beträgt 3,4%.
In Zukunft könnte der in Aussicht gestellte Plan einer EU-Regio Koper
- Görz - Triest weitere Vorteile bringen.
Die Altstadt birgt eine Fülle von sehenswerten Gebäuden: ein
venezianischer Brunnen von 1666 oder der Titov trg (mit Kathedrale und
venezianischem Gebäude-Ensemble) sind nur wenige Beispiele eines
viel größeren Angebotes. Zweifellos wäre auch der Hafen
- wenn ausreichend Zeit vorhanden - einen Besuch wert.
Nach diesen Seitenblicken auf Koper und dem
Genuss prachtvoller Ausblicke auf Izola und Portoroc (1. Hotel 1910; heute
900 000 Übernachtungen/J.) ist die alte venezianische Hafenstadt
Piran um ca. 13 Uhr erreicht. Die Besteigung eines Turmes auf der
Stadtmauer ermöglicht einen lohnenden Rundblick auf die spornartig
ins Meer ragende Altstadt, wo der neu gestaltete Hauptplatz (= Tartini-Platz)
ein auffallender Orientierungspunkt ist. Oberhalb davon liegt die St.-Georgs-Kirche
mit ihrem ummauerten Kirchplatz, von dem aus man z.B. direkt auf die Uferlinie
darunter hinabsehen kann.

Der nördliche Teil Istriens hat ja (nicht
nur in diesem Jh.) eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Vor dem 2.
Weltkrieg gehörte er zu Italien, danach zum Freistaat Triest (heute
geschützte Italienisch sprechende Minderheit), danach zum kommunistischen
Tito-Jugoslawien. Die unklaren Verhältnisse konnten erst 1975 vertraglich
eindeutig geregelt werden, aber selbst heute noch gibt es Rechtsstreitigkeiten
zwischen Italienern und Slowenen über ungeklärte Besitzverhältnisse
(vgl. ORF, Ö1, "Ambiente"-Sendung über das Primorje
sowie "Radiokolleg"-Serie über Slowenien).
Die Grenze zu Slowenien wird subjektiv als sehr markante Trennung empfunden.
Um 16.20 Uhr sind Mittagspause, Begehung der malerischen Altstadt-Gassen
von Piran und der Aufstieg zur Parkplatz-Anhöhe beendet und die Exkursions-Mannschaft
findet sich wieder vollzählig zur Weiterfahrt ein.
Eine halbe Stunde (16.30 Uhr bis 17 Uhr)
wird noch für die Salzgärten und die Flysch-Steilküste
in der Bucht des Kurortes Strunjan (Salzschlamm, Heilkima) "geopfert",
bevor es weiter nach Koper geht, wo von 17.20 Uhr bis 18 Uhr eine kurze
Begehung der Altstadt erfolgt.
Auf der Rückfahrt nach Laibach machen
wir bei Crni kal noch einen Abstecher zur Burg Socerb, die übrigens
auch am gut markierten slowenischen Weitwanderweg Nr.1 - Slowenische Berg-Transversale
von Marburg nach Koper - liegt. Die schmale, aber gut asphaltierte Auffahrt
zur Burg ist von zahlreichen Flaumeichen, Hopfenbuchen, Mannaeschen oder
verbuschten Feldern gesäumt. Die Burg selbst liegt unmittelbar an
der Karstkante in einer Höhe von 420 m.
Für die Enttäuschung über
das an diesem Tag leider nur für eine geschlossene Gesellschaft zur
Verfügung stehende Burg-Restaurant entschädigt ein letzter,
dafür aber umso schönerer Blick auf die - einem Tuche ähnlich
- sich ausbreitende, plötzlich aber steil zur Küstenebene abfallende
und sich auf diese Weise ihren Bewunderern gleichsam entziehende Karstrandstirn.
Sie können sich jedoch an weiter entfernten Attraktionen dafür
schadlos halten, indem sie den für diesen Tag verloren scheinenden
Kampf der Großstadt Triest gegen die zahllosen sich zu Dunst verdichtenden
Wassertröpfchen mitansehen. Wie um ihre Macht zu beweisen stellt
sie ein riesiges Erdöl-Tanklager ins Bild, aber als Gewinner dieses
ungleichen Wettstreits erweisen sich letztlich überraschenderweise
Dörfer wie Osp, Tinjan oder San Dorligo della Valle, denen sonst
auf Grund ihrer Kleinheit kaum Aufmerksamkeit zuteil wird. Sie befriedigen
durch ihre topographische Nähe den Wunsch nach optischen Anhaltspunkten
und präsentieren sich als willige und willkommene Beute den unaufhörlich
jagenden Blicken der Beobachter.
Aufgrund der ausgiebigst genossenen zahlreichen
Aussichtspunkte erfolgt die Rückkunft im M-Hotel in Laibach an diesem
Tag erst um 20.30 Uhr.

4. EXKURSIONSTAG: Ljubljana
(M-Hotel) ® Grosuplje ® Kloster Sticna/Sittich (Haltepunkt) ®
Trebnje ® Mirna-Tal ® Mokronog ® Trcice ® Sevnica
® entvid bei Planina (Haltepunkt) ® Lesicno ® Virtanj
(Fotostopp) ® Golobinjek ® Atomske Toplice ® Rogaka
Slatina ® Rogatec ® Tlake (Fotostopp Donacka Gora/Donatiberg)
® Majperk ® Ptujska Gora/Pettauberg ® Ptuj/Pettau (Haltepunkt
/ Mittagspause) ® Ormo ® Jeruzalem, Ortsteil Veliane
(Haltepunkt Taverna Jeruzalem) ® Ljutomer/Luttenberg ® Radenci
® Gornja Radgona/Oberradkersburg ® Graz
Um 8.04 Uhr beginnt das Programm des letzten
Exkursionstages mit der Fahrt zum Kloster Sticna, wenige Kilometer
südöstlich von Laibach.

Letzte Blicke verabschieden die Laibacher
Altstadt, bevor wir das Laibacher Moor in südöstlicher Richtung
entlangfahren: Im SW erhebt sich der Krim (1 107 m), der Laibacher Hausberg,
leicht zu erkennen an seinem Sendemasten. Eine Siedlungszeile wagt sich
noch ins Moor hinein, den unsicheren Boden dem nahen Sporn des Save-Berglandes
vorziehend. Schließlich verlässt die Autobahn das Laibacher
Becken in Richtung der Viertelshauptstadt Novo mesto (Hauptort
der Unterkrain), die moderne Industriebetriebe (Renault-Werk, Pharma-Firma
Krka) vorzuweisen hat. Kurz danach streift sie das Polje von Grosuplje
im N; hier befinden wir uns bereits ca. 100 - 150 m über dem Laibacher
Moor. Bei Vinja Gora geht es - wieder in einem Karstabschnitt -
sogar auf 450 m hinauf. Bis Novo mesto reichen die Kreide-Jura-Kalke mit
abflusslosen Senken. Hier in der "Suha Krajina" ( = "Trockene
Krain") herrscht trotz hoher Niederschläge edaphische Trockenheit.
Im Großen und Ganzen ist die Unterkrain aber aufgrund der geringen
Höhenlage eine besser durchsiedelte Landschaft als die Innerkrain.
Bei Ivancna Gorica - in einer poljenartigen Erweiterung gelegen - folgen
wir einer nach N zum Kloster Sticna abzweigenden Straße.

Das von 1132 - 1156 erbaute Zisterzienser-Kloster wurde von Rein aus gegründet,
in der 2. Hälfte des 15. Jh. von den Türken zerstört und
1784 aufgelöst. 1898 wurde es von Mehrerau aus renoviert. Sticna
(= Sittich) war als Kristallisationspunkt der Landnahme vorgesehen. Wir
halten uns ca. eine halbe Stunde (8.45 Uhr - 9.15 Uhr) in der Anlage auf
und bestaunen die Architektur und künstlerische Ausgestaltung des
Kreuzganges.
Anschließend geht es wieder zurück nach Ivancna Gorica, wo
etwas östlich - bei Vir pri Sticni - in einer Karstquelle der erste
Grottenolm entdeckt wurde.
Bei Trebnje zweigen wir in die Mirna-Furche Richtung Sevnica ab.
Im N liegt das Posavske hribovje/Save-Bergland, im S das Dinarische Gebirgssystem
mit Kocevski rog; dazwischen dient die, 300 - 600 m überragte, breite
Senkungszone der Suha Krajina als Durchgangsweg vom slowenischen in den
kroatischen Zentralraum, da das Savetal wegen seiner Enge erst spät
erschlossen wurde.
Seit 1908 bzw. 1938 verbindet eine Eisenbahn Trebnje und Mirna mit dem
Tertiärbecken von Sevnica, wo Kohle gefördert wurde. Zwischen
Mokronog und Trice breitet sich vor uns eine typische Unterkrainer
Landschaft aus, mit zahlreichen Weilern, Bergkirchen und abwechslungsreicher
landwirtschaftlicher Kulturlandschaft.
Das untere Mirnatal ist ein Engtalabschnitt mit Gesteinswechsel von Trias
zur Kreide. Hier befinden wir uns in der 1. Wölbungszone des Save-Berglandes,
das aus mehreren parallelen Wölbungszonen (auch Save-Falten genannt,
z.B. Laibacher Burgberg) und Tiefenlinien besteht. Die Gipfel bestehen
aus Trias-Kalken oder Trias-Dolomiten. Die Täler (Save, Sann, Mirna)
brechen aber quer durch und zeichnen sich durch häufigen Wechsel
von Engtalabschnitten und Talweitungen aus.
Gegenüber dem Zusammenfluss von Mirna und Save liegt Sevnica/Lichtenwald,
angelegt auf einem mächtigen Terrassenkörper der Save (bei Botanj
zu einer Terrassentreppe modelliert). Die Stadt, ein kleines Regionalzentrum
und Bahnknotenpunkt, liegt unmittelbar an der Grenze von Unterkrain zur
tajerska, die genau in der Mitte der Save verläuft.
Der Weinbau der Posavski rajon/Save-Region ist nicht auf großen
Flächen landschafts-bestimmend, aber als Teil einer abwechslungsreichen
Kulturlandschaft kleinflächig von Bedeutung.
Nördlich erhebt sich die für Wanderungen gut erschlossene 948
m hohe Lisca. Die Reise in Richtung Planina und entvid pri Planini
führt durch entlegene Passivräume, die in Slowenien ungefähr
zwei Drittel der Gesamtfläche ausmachen. Bei entvid beginnt
das Tertiär (mergeliges Alttertiär) mit sanfteren Landschaftsformen,
nur selten unterbrochen von einer Steilstufe aus Miozän-Kalken.
Oberhalb von entvid (Haltepunkt von 10.45 Uhr bis 11.15 Uhr) tritt
mitgefaltetes Tertiär auf, einzelne Tertiärstreifen reichen
weit ins Save-Bergland hinein. Von hier aus reicht der Blick weit nach
N ins Becken von Cilli, zum Bachern, Boc und Weitensteiner Zug, im E bis
zum Hausberg von Varadin, der Ivancica (1 059 m). Zagreb ist
von hier aus nur 1½ Stunden entfernt. Grenznähe und schwach
entwickelte grenzüberschreitende Beziehungen geben diesem Gebiet
der Region Kozjansko außerordentlich periphere Wesenszüge.
Kroatien hat hier sogar noch einen kleinen Alpenanteil.
Über Lesicno fahren wir Richtung Virtanj,
einer Region mit Weinbau, Buschenschänken (Vinotoc) und gemischten
Kulturen. Für die Vermarktung der bodenständigen Produkte dient
hier - wie in vielen anderen Gebieten Sloweniens - eine der slowenischen
Weinstraßen ("Vinska touristicna cesta").

Nach einem Fotostopp führt die Route
weiter über Sela nach Golobinjek und Imeno, wo die Sotla (= Grenzfluss
zu Kroatien) Sporne im Anstehenden durchbricht (Blick auf Grad Podcetrtek/Burg
Windisch-Landsberg). Wenige Kilometer weiter nördlich passieren wir
das moderne Thermalbad Atomske Toplice mit Wellness-Schwerpunkt. Defizite
bestehen noch in Bezug auf Vernetzung mit dem Umland, z. B. durch Rad-
und Wanderwege.
Um 12.05 Uhr fahren wir durch Rogaka Slatina/Rohitsch-Sauerbrunn,
stark an Bad Gleichenberg erinnernd, eine multifunktionale Siedlung mit
Glasfabrik, 11 Hotels mit 1 500 Betten und 250 000 Übernachtungen
(= 9. Platz in Slowenien, vgl. Bad Gleichenberg: 230 000) und Kurverwaltung
(1980: 1 180 Beschäftigte / 1995: 795). 1 000 Personen finden noch
im Umfeld des Kurbetriebes Beschäftigung. Die erste Nennung (Mineralwasser)
geht auf die Mitte des 12. Jh. zurück. 1803 wurden die Quellen von
der steirischen Landesregierung übernommen, 1810 erste Trinkkuren
angeboten, 1837 - 1847 das erste Hotel errichtet und 1908 die Donat-Quelle
erschlossen. Mehrere Heilbäder sind an Thermenlinien beiderseits
des Weitensteiner Zuges (Horst) angeordnet.

Wenige Minuten später erreichen wir Rogatec/Robitsch (1900: 500 Einwohner,
1961: 1 660, 1991: 4 900), wo wir Richtung N (Ptujska Gora) abzweigen.
Nach etwa 4 km (bei Tlake) ragt östlich der Straße der markante,
von hier aus kegelförmige Donacka Gora/Donatiberg (881 m)
auf, ein Härtling aus Leithakalk und miozänen Konglomeraten,
durch Jungtektonik aufgewölbt (Fotostopp). Die N-Seite trägt
Buchen-Urwald, die S-Seite Flaumeichen und Hopfenbuchen.
Anschließend führt die Straße durch das niedere Bergland
der Haloze/Kollos (= am N-Rand des Weitensteiner Zuges, meist Mergel und
Sandsteine) und erreicht bei Breg das Tal der Dravinja/Drann. Sie entspringt
auf der Rogla, fließt nördlich des Weitensteiner Zuges entlang
und mündet südöstlich von Ptuj in die Drau.
Vom nahen Majperk aus überwindet die Straße einen kleinen
Anstieg auf das Savinsko/Dranntaler Hügelland (= Tertiär-Riedel),
wo die gotische Wehrkirche Ptujska Gora/Maria Neustift mit dem berühmten
Cillier Altar und einer Schutzmantelmadonna weithin sichtbar thront. Auch
die Aussicht von hier auf das Draufeld, Pettauer Feld und den Bachern
sowie die Windischen Bühel lohnt einen Abstecher zweifellos.
Die fluvioglaziale Aufschüttungsfläche des Dravsko polje (Pettauer
Feld) trägt großblockige landwirtschaftliche Fluren, deren
Böden aber ziemlich steinig sind, weil Kalk aus den S-Alpen in den
Sedimenten stark vertreten ist. Große Teile des Feldes sind erst
seit dem vorigen Jh. kultiviert, vorher handelte es sich weithin um extensives
Weideland.
Zwischen Ptujska Gora und Ptuj liegt die Aluminium-Hütte von Kidricevo,
mit Strom versorgt durch das 1968 erbaute Kraftwerk Zlatolicje. Bei Marburg
wird das Wasser von der Drau ausgeleitet, fließt durch einen Kanal,
wird an einer Gefällsstufe bei Zlatolicje abgearbeitet und bei Ptuj
wieder eingespeist. Die Kraftwerke Zlatolicje und Formin verfügen
jeweils über eine installierte Leistung, die etwa 50% - 75% eines
durchschnittlichen österreichischen Donaukraftwerkes entspricht.
In Slowenien wird Strom zu je einem Drittel aus Dampf-, Wasser- und Atomkraft
erzeugt.
Nach dem Passieren von Zgornja Hajdina (Oberhaiden) und Spodnja Hajdina
(Unterhaiden) treffen wir um etwa 13 Uhr in Ptuj/Pettau ein, das am Übergang
von würmzeitlichen Terrassen zur Austufe in Burgfußlage liegt.
Die Mittagspause - mit Möglichkeit individuell gestalteter Stadtrundgänge
- dauert bis 15.20 Uhr.
Da der Chronist etwas ausgiebiger zu Mittag speiste als der Exkursionsleiter,
verloren sich die beiden für kurze Zeit aus den Augen bzw. Ohren.
Um eine Lücke im Bericht und Proteste seitens der Leserschaft zu
vermeiden, wurden die folgenden Angaben über Ptuj dem Slowenien Reiseführer,
Verlag Mladinska knjiga, Ljubljana 1999, S. 202-210, entnommen:
Funde in der Preernova ulica/Preerenstraße beweisen,
dass die Gegend um Ptuj einer der ältesten kontinuierlichen Siedlungsräume
Sloweniens ist. Der prähistorische Name Poetovio wurde von den Römern
übernommen, die am rechten Drauufer ein Legionslager und eine zivile
Siedlung anlegten, während am linken Ufer die ältere Siedlung
der "Ureinwohner" bestehen blieb. Die wirtschaftliche Prosperität
dieser Zeit ist aufs Engste mit der Bernsteinstraße verbunden, die
hier am Nordufer der Drau entlang führte.
Das mittelalterliche Ptuj entwickelte sich am Fuße des Grajski gric/Schlossberges/
Burghügels, auf dem um 1125 der Salzburger Erzbischof Konrad I. ein
neues Schloss erbauen ließ. Wegen der strategisch günstigen
Verkehrs- und Handelslage blieb die Stadt bis ins 15. Jh. eines der wichtigsten
Salzburger Besitztümer. 1376 erhielt sie das Stadtstatut in Form
einer umfangreichen Rechtsniederschrift.
Mitte des 16. Jh. wurde Ptuj von den Habsburgern übernommen,
wegen der Türkengefahr umfangreich befestigt (Basteianlagen, Drau-Turm,
neue Schlossbefestigung) und erhielt das Aussehen einer typischen Renaissancestadt.

Nach dem Ende der Bedrohung durch die Türken entwickelte sich Ptuj
im 18. Jh. zu einer provinziellen Ackerbürgerstadt und als im 19.
Jh. die Eisenbahn durch Marburg trassiert wurde, sank die wirtschaftliche
Bedeutung der Stadt noch weiter. Im 20. Jh. dominierten deutsche Kaufleute
und Handwerker das Wirtschaftsleben der Region, die Rivalität zwischen
der deutschen und slowenischen Volksgruppe nahm zu. Nach der Gründung
des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen 1918 (1929 Jugoslawien)
sowie durch die Ereignisse im und nach dem 2. Weltkrieg wurde wie überall
in Slowenien der deutschen Volksgruppe die Existenzmöglichkeit genommen.
In den 90er Jahren des 20. Jh. - nach der so genannten Wende - trat man
sowohl von österreichischer als auch slowenischer Seite der Aufarbeitung
dieses heiklen Kapitels der gemeinsamen Geschichte zaghaft näher.
Eine Stadterkundung, die, wie in unserem Fall, zeitlich auf ein bis zwei
Stunden begrenzt ist, könnte z. B. am Mestni trg/Stadtplatz beginnen,
vielleicht vor dem Rathaus, welches nach Plänen des Grazer Architekten
M. Ferstl d. J. 1906-1907 auf spätgotischen Fundamenten erbaut wurde.

Vom Stadtplatz gelangt man durch die Murkova
ulica/Murkostraße ins Stadtzentrum. Sie ist ein Teil der alten Handelsstraße,
die durch Ptuj führte, verbindet den älteren oberen mit dem
jüngeren unteren Teil der mittelalterlichen Stadt und mündet
in den dreieckigen Slovenski trg/Slowenischen Platz. Bis zum 12. Jh. bildete
er den östlichen, naturgemäß befestigten Teil der Stadt.
Der Stadtturm - in seiner heutigen Gestalt aus dem 16. Jh. - ist das zentrale
Gebäude des Platzes. An seinem Sockel ließ ein Stadtkurat im
19. Jh. römische Grab- und Gedenksteine anbringen und schuf so das
erste slowenische Freilicht-museum. Wenige Meter westlich vor dem Stadtturm
steht das Orpheus-Denkmal, ein aus einem Stück gemeißelter
5 m hoher römischer Grabstein aus dem 2. Jh., mit Orpheus-Szenen
als Reliefdarstellung. Die Cerkev Sv. Jurij/St.-Georgs-Kirche dürfte
an der Stelle einer frühchristlichen Basilika aus dem 4. Jh. errichtet
worden sein und weist Bauelemente von der Romanik (12. Jh.) bis zum Barock
(17. Jh.) auf. Das Alte Rathaus (Nr. 6) und das Ljutomer-Haus (Nr. 5)
sind sehenswerte Beispiele bürgerlicher Renaissance-Architektur.
Vom Slowenischen Platz führt die Preerenstraße, das Rückgrat
der mittelalterlichen Stadt, nach W. Sie hatte einst die Funktion einer
Marktstraße: teils Durchgangsstraße, teils Marktplatz. Besonders
auffallend das Bratonic-Haus (Nr. 4), an dem spätromanische Bauteile
freigelegt wurden und dessen Erdgeschoß im Biedermeierstil umgebaut
ist.
Die Preerenstraße mündet im W - nach dem mächtigen
Gebäude des Mali grad/Kleinen Schlosses - in den Muzejski trg/Museumsplatz
mit Parkanlage und Dominikanerkloster. Von hier führt ein mit "Draunockerln"
gepflasterter Weg hinauf zum Schlosskomplex, wo bereits seit Ende des
3. Jt. v. Chr. Siedlungsspuren nachzuweisen sind. Durch das mächtige
Karlsportal betritt man den unteren Schlosshof und gelangt durch das Renaissance-Portal
aus Marmor in den Innenhof, der von den Arkadengängen dreier Schlosstrakte
umgeben ist. Einen ausgezeichneten Blick auf Ptuj bzw. das Pettauer Feld
und dessen Hügel- bzw. Gebirgsumrahmung genießt man von der
Ummauerung des unteren Schlosshofes. Der älteste Teil des Schlosses,
der entlegene Westturm, stammt aus dem 10. Jh. und gilt als ältester
Profanbau Sloweniens. Das Zentralgebäude wurde im 12. Jh. unter Erzbischof
Konrad I. begonnen; das heutige Schloss ist das Ergebnis zahlreicher Bauphasen
bis Ende des 17. Jh. und beherbergt u.a. das Regionalmuseum, eine Sammlung
alter Musikinstrumente und eine Schlosskapelle. In einem ehemaligen Kornspeicher
sind eine ethnologische und eine weinkundliche Sammlung untergebracht.
Vom Burgberg kann man auf verschiedenen Wegen bzw. Gassen wieder in die
Altsadt hinuntergehen, z. B. über Na gradu/Am Schloss, Raiceva ulica
und Mikloiceva ulica zurück zum Ausgangspunkt Mestni trg.
Von Ptuj aus fahren wir nach E Richtung Ormo
an der kroatischen Grenze. Im Bereich Ptuj, Ormo und Ljutomer gibt
es nur wenig Industrie (8 500 Beschäftigte).
Der Osten Sloweniens gilt mit 35% Ackerlandanteil (vgl. 15% in Gesamt-Slowenien)
als Kornkammer des Landes. Von St. Johann im Saggautal (Kreuzberg = höchste
Erhebung mit 633 m) über die Südsteirische Weinstraße
bis hierher reichen die Slovenske gorice/ Windischen Bühel.

Im W sind sie stark von Leithakalken durchsetzt.
Bei Ormo biegen wir nach N Richtung Ljutomer ab, beinahe parallel
zur Eisenbahnlinie nach Murska Sobota fahrend.
Nach wenigen Kilometern zweigt eine Weinstraße nach Jeruzalem ab.
Der Name soll auf Kreuzritter zurückgehen, die es 1095/98 angeblich
vorgezogen haben sollen, auf den Kreuzzug zu verzichten und in dieser
schönen Gegend zu bleiben. Von 16 - 17 Uhr folgen wir ein wenig diesem
Vorbild und nehmen in der Taverna "Jeruzalem" eine kleine Jause
ein.
Von Jeruzalem schlängelt sich die Weinstraße in zahlreichen
Windungen nach Ljutomer/ Luttenberg hinab. Die Salzburger Gründung
- für diese Gegend typisch - wurde später eine Vorauer Pfarrei,
erhielt 1265 das Marktrecht und wurde in jugoslawischer Zeit zur Stadt
erhoben. In der Landwirtschaft dieser Region spielt Zuckerrübenanbau
eine bedeutende Rolle.

Von Luttenberg geht es weiter durchs Mursko Polje/Murfeld, ungefähr
Mur-parallel nach Gornja Radgona/Oberradkersburg. Im Zentrum des Feldes
erstreckt sich eine breite Auwaldzone, in Zukunft als Schutzzone vorgesehen.
Bei Verej/Wernsee ist noch eine alte Babicev mlin/Flussmühle
in Betrieb. Die Mur bildet die Grenze zwischen Untersteiermark und Prekmurje.
Die Thermen von Banovci oder Moravci wurden im Zuge der Prospektion von
Erdöl entdeckt, das in Lendava auch gefördert wird. Um 17.45
Uhr fährt der Exkursionsbus durch den Kurort Radenci/Radein,
dessen Mineralwasser 1902 sogar vom Kaiser in Wien und vom Papst im Vatikan
getrunken wurde. Mit 100 000 - 120 000 Übernachtungen (40% Ausländeranteil)
liegt Radenci in Slowenien am 15. Platz.
Im Zusammenhang mit dem Weinbaugebiet um Radenci hat Max Kleinoschegg
in Radkersburg eine Sektkellerei gegründet - noch heute hat die Sekterzeugung
hier eine große Bedeutung. Gornja Radgona/Oberradkersburg, dessen
ältester Kern - eine Burgfußsiedlung - auf einem Tertiärsporn
liegt, lebt heute in hohem Maße vom Einkaufstourismus. Nach dem
2. Weltkrieg zur Stadt erhoben, musste es 1991 im Unabhängigkeitskampf
schwere Schäden hinnehmen. Heute ist davon nichts mehr zu sehen und
beim Radkersburger Brückenfest wird die Freundschaft zwischen den
beiden Nachbarstaaten immer wieder erneuert. Für die Zukunft ist
die "Doppelstadt" als Mittelpunkt einer EU-Regio vorgesehen.
In Bad Radkersburg gibt es noch 200 Personen mit slowenischer Muttersprache.
Nachdem wir um ca. 18 Uhr die Grenzbrücke
passiert hatten, wurde die Exkursion offiziell für abgeschlossen
erklärt.

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