EXKURSIONSBERICHT
"SLOWENIEN"
20. 5. 2001 - 23. 5. 2001

Slowenien Exkursion als pdf downloaden

INHALTSVEREICHNIS

1. Exkursionstag : Pohorje (Bachern) - Logarska Dolina (Logartal)
Maribor/Marburg
Pohorje/Bachern
Celje/Cilli
Savinska dolina/Sanntal
Logarska dolina/Logartal
Kamink/Stein

2. Exkursionstag: Ljubljana (Laibach) - Bled (Veldes) - Wocheiner Tal
Ljubljana/Laibach
Kranj/Krainburg
Radovljica/Radmannsdorf
Bled/Veldes
Wocheiner Tal
Kropa


3. Exkursionstag: Karst - Primorje
Vrhnika/Oberlaibach: Karstquelle Mocilnik
Cerkniško/Zirknitzer Polje
Rakov Škocjan
Postojna/Adelsberg
Karst Koper/Capodistria Piran
Burg Socerb


4. Exkursionstag: Ptuj (Pettau) - Slovenske Gorice (Windische Bühel)
Sticna/Sittich
Virštanj
Atomske Toplice
Ptujska Gora
Ptuj/Pettau Jeruzalem
Radenci
Gornja Radgona

Hinweis: Besonders sehenswerte Haltepunkte der Exkursion, bzw. Ziele, die einen Abstecher meines Erachtens lohnen würden, aber während der Exkursion aus Zeitgründen nicht besucht werden konnten, habe ich im Text eingerahmt und grau markiert.

1. EXKURSIONSTAG: Graz ® Šentilj/Spielfeld ® Maribor/Marburg ® Slov. Konjice ® Rogla (Haltepunkt) ® Zrece (Fotostopp) ® Celje/Cilli ® Žalec (Haltepunkt Mittagspause) ® Šempeter/St. Peter ® Abzweigung Savinja-/Sann-Tal (Haltepunkt "Hopfenfeld") ® Logarska Dolina/Logartal (Haltepunkt Parkplatz Slap/Wasserfall Rinka) ® Gornji Grad ® Kamnik/Stein ® Menges ® Ljubljana (Hotel)

Um 8.00 Uhr setzt sich der Exkursionsbus vom Grazer Hauptbahnhof mit den diesmal vollzählig erschienenen Teilnehmern in Richtung Grenzübergang Šentilj/Spielfeld in Bewegung und passiert nach 15 Minuten Aufenthalt um 9 Uhr die slowenische Grenze. Nach Überquerung des Flüsschens Pesnica/Pössnitz geht die Fahrt auf der Stadt-Schnellstraße von Maribor/Marburg weiter in Richtung Autobahn nach Celje/Cilli bzw. Ljubljana/Laibach.
Slowenien umfasst eine Fläche von 20 255 km² und hat 1991 1,98 Mio. Einwohner (entspricht etwa Niederösterreich + nördl. Burgenland). Es ist der kleinste Nicht-Zwergstaat Europas, seine Wirtschaftsdaten entsprechen etwa dem gesamteuropäischen Durchschnitt.
Obwohl Slowenien in Bezug auf Siedlungs- und Kulturgeschichte große Ähnlichkeiten mit Österreich aufweist, bleibt es für viele Österreicher noch immer ein wenig "der unbekannte Nachbar". Das mag vielleicht zum Teil an dessen jugoslawischer Vergangenheit und der zur slawischen Sprachfamilie gehörenden Sprache liegen. Kaum ein Österreicher ist bereit, Slowenisch zu lernen, sondern erwartet vielmehr, dass ohnehin jeder Slowene ein bisschen Deutsch kann.
In Slowenien ist ein starkes nationales Bewusstsein entwickelt und regionale Identitäten wurzeln durchaus noch in den Monarchieländern, obwohl diese schon lange keine administrative Funktion mehr besitzen. Das Land hat nur seine 192 Gemeinden als zweite Verwaltungsebene unter dem Gesamtstaat, Regionsbezeichnungen wie "Untersteiermark" gibt es nur inoffiziell. Auf das noch vorhandene historische Bewusstsein könnte man bei einer Neuorganisation zurückgreifen, die damit verbundenen Erinnerungen an die deutsche Obrigkeit dürften sich aber als vorerst unüberwindliches Hindernis erweisen.

Ethnisch ist Slowenien relativ homogen. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts lebten viele Deutsche im heutigen Slowenien, unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg dominierten die Slowenen mit 97%. Erst kürzlich konnte man sich zu einer Anerkennung der deutschen Volksgruppe entschließen. Für 1991 ergibt sich folgende Muttersprachen-Gliederung:
* Ungarisch: 8 500 im Prekmurje-Gebiet (= 0,4%)
* Italienisch: 3 000 = 0,15% (davon in Piran 1 170, in Izola 567)
* Deutsch: 745 = 0,04% (davon in Marburg 99). Österreichische Schätzungen belaufen sich allerdings auf bis zu 2 500 (vgl. 1910: 106 317 = 9,6%)

In Maribor/Marburg ist kein Haltepunkt vorgesehen, der Exkursionsleiter begnügt sich daher mit einigen kurzen Angaben zur Stadtentwicklung, die im Vorbeifahren konsumiert werden:
Die Lage der Stadt an der Drava/Drau - Verkehrsgunst durch Talausgangslage mit Zugang zum Alpeninneren - ist in etwa mit Graz zu vergleichen. Der Altstadtkern aus dem 13. Jh., dessen Anbindung an das Drau-Ufer als vorbildlich bezeichnet werden kann, zeigt den regelmäßigen Grundriss einer mittelalterlichen Stadt. Der wirtschaftliche Aufschwung begann aber erst mit dem Eisenbahnzeitalter und wurde in kommunistischer Zeit durch planmäßige Industrialisierung (Grundstoffindustrie, Metallverarbeitung) fortgesetzt. Die günstige verkehrsgeographische Lage hat diese Entwicklung zweifellos beeinflusst. Da man aber kaum innovative Branchen förderte, ist die Arbeitslosenquote noch überhöht, obwohl der Tertiärsektor einen deutlich sichtbaren Aufschwung erlebt. Marburg ist heute auch eine Kultur-, Theater- und Universitätsstadt mit ca. 10 000 Studenten bei insgesamt 100 000 Einwohnern.
Geplant ist eine erweiterte Zusammenarbeit mit dem Nachbarn Steiermark in Form einer EU-Regio "Nordöstliches Slowenien - Steiermark". Eine Technologieachse zwischen Graz und Maribor/Marburg besteht schon.

Nach Maribor/Marburg verläuft die Route vorerst in südlicher Richtung den östlichen Gebirgsrand des Pohorje/Bachern bzw. den Westrand des Draufeldes entlang. Der Charakter des Gebirgsrandes erinnert etwa an die Gegend von Hartberg, nur einige Zehner Meter tiefer, was mehr Temperaturgunst bringt. Die Hänge tragen Weinkulturen, die flacheren Lagen Hopfen.

Der topographisch geschulte Blick erfasst in südöstlicher Richtung die von hier trapezförmige Donacka gora/Donati Berg (881 m) sowie den pyramidenförmigen Boc (978 m) in südwestlicher. Die beiden gehören zu den Südalpen (Bocko pogorje/Weitensteiner Zug) mit vorherrschend Karbonatgestein, letzterer ist ein Härtling aus Trias-Dolomit. Der Weitensteiner Zug (benannt nach Vitanje/Weitenstein, östlich von Velenje) ist eine W-O verlaufende Kalkkette, welche vom Bachern durch die Tiefenlinie der südsteirischen Randfurche getrennt (Dravinja/Drann-Tal) und nach S zu durch Flusstäler mehrfach durchbrochen ist. Der Weitensteiner Zug stellt ein beträchtliches Verkehrshindernis dar. Bis hierher reichen auch submediterrane Elemente der Vegetation, wie z. B. auf Sonnseiten bis 700/800 m die Hopfenbuche, die weiter nördlich nur noch einzelne Enklaven, z. B. in der Weizklamm, aufzuweisen hat.

Nach Slov. Bistrica/Windisch Feistritz verlässt der Bus die Autobahn und folgt der Straße nach Slov. Konjice/Gonobitz, Zrece/Rötschach und Rogla am Bachern, einem Wintertourismus-Zentrum.
Von Poljcane/Pöltschach (südl. v. Slov. Bistrica ) nach Slov. Konjice führte bis in die 60er Jahre eine Schmalspurbahn, ein Indiz für einen einst durch Hammerwerke prosperierenden Wirtschaftsstandort. Heute prägt eher der Weinbau (zahlreiche Hinweise auf Buschenschanken/Vinotoc) die Gegend um Slov. Konjice/Gonobitz. In der Umgebung des alten Marktortes aus dem 13./14. Jh., der in jugoslawischer Zeit zur Stadt erhoben wurde, fallen riesige Fluren auf, als Nachfolger sozialistisch gelenkter halbstaatlicher Betriebe. Obstanlagen erreichen hier in der Untersteiermark nicht so hohe Anteile wie in der Steiermark.

Nordwestlich von Slov. Konjice/Gonobitz zweigen wir nach Zrece/Rötschach ab.

Eisenindustrie (Werkzeugfabrik) brachte Zrece in jugoslawischer Zeit wirtschaftlichen Aufschwung. Im Zuge der kommunistischen Industrialisierung war man bestrebt, aus Gründen der Unabhängigkeit vom Ausland auch in peripheren Lagen wirtschaftliche Impulse zu setzen. Die Spuren dieser polyzentralistischen Industrialisierung sind in Slowenien auch heute noch allenthalben - wie eben auch hier in Zrece - deutlich sichtbar. Hohe Transportkosten bzw. fehlende Synergie-Effekte sowie veraltetes Maschinen-Material gefährden derzeit jedoch viele Standorte. Gleichsam als Symbol dieser Entwicklung ist in Zrece eine Dampflokomotive samt Personen- und dreiachsigem Güterwagon - in Betrieb von 1922 bis 1967 - wie ein Denkmal für längst Vergangenes zur Schau gestellt. Heute verdankt der Ort seine Bekanntheit einer Therme, deren Entstehung wohl mit der nahen periadriatischen Naht zusammenhängt.

Nördlich von Zrece gelangt man ins Ski- und Wandergebiet Rogla am Pohorje/Bachern, dessen höchster Punkt am Crni vrh/Schwarzkogel (1 543 m) - in östlicher Richtung unweit von Slovenj Gradec/Windischgraz - liegt. Die Rogla an sich (1 517 m) liegt unter der Waldgrenze, war nie vergletschert und hat breite Kämme mit großflächigen Fichtenarealen und einer Moorlandschaft. Holzstege ermöglichen deren Begehung. Almwirtschaft wird auf kleineren Lichtungen (= Planje) betrieben, mit Waldweide, ohne Hütten und Ställe (vgl. Teichalm). Urlaub am Bauernhof kann gebucht werden. Obwohl die Schneesicherheit nur bedingt gegeben ist, gibt es 10 Liftanlagen und zahlreiche Loipen.
Ca. 1 km östlich des Hotel Planja - auf dem Gipfel der Rogla - steht eine Aussichtswarte, von der aus man bei günstigem Wetter weit über das Bachern-Gebirge hinausblicken kann. Wenn mehr als 30 Personen die obere Plattform zugleich betreten wollen, wird es eng.
Das Bachern-Gebiet war ab dem 15./16. Jh. ein Zentrum der Glasindustrie, auf der Basis von Wasserkraft, Holzkohle und Quarzsand. Die steirischen Orte St. Vinzenz und Glashütten im Koralmgebiet waren Ausläufer dieses Zentrums. Das Holz wurde zu den Produktionsstätten in Bächen und Riesen gedriftet und in Rechen aufgefangen. Seit Anfang des 20. Jh. ist die Glasindustrie abgekommen und durch Forstwirtschaft ersetzt worden.
3 touristische Zentren sind am Bachern anzutreffen:
* Mariborsko Pohorje/Marburger Bachern im E
* Rogla in der Mitte
* Velika Kopa im W
Die Zahl der Übernachtungen ist gering, am höchsten noch im Bereich Rogla wegen der Kombination Ski - Therme, sonst dominiert der Ausflugstourismus. Die Errichtung eines Naturschutzgebietes ist derzeit im Werden. Diesbezüglich gibt es in Slowenien noch viel nachzuholen, da ja bisher nur der Triglav-Nationalpark ein großes, zusammenhängendes Gebiet schützt.
Der Pohorje/Bachern besteht aus dem Kristallin des Steirischen Randgebirges: Gneise und Glimmerschiefer bilden den Rahmen des Gebirges, in dessen Zentrum Plutonite (Tiefengesteine von Granodiorit bis Granit) typisch sind. Granitintrusionen sind auf die Lage an der periadriatischen Naht (pannonisches Becken ? südsteirische Randfurche ? zwischen nördlichen und südlichen Karawanken ? Gailtal bzw. Lesachtal ? Pustertal ? Bruneck ? Jaufenpass ? Judicarien- und Insubrische Linie ? Veltlin ? Poebene) zurückzuführen: Krustenteile wurden nach E verschoben, Tiefengesteine (= Granit) sind hochgequollen (z.B.: Eisenkappeler, Brixener, Meraner Granit, Rieserferner-Gruppe, Adamello-Gruppe, Bergell). Die Wirtschaft nutzt dieses Gestein für die Gewinnung von Quarzsand und Bausteinen. Die Rogla reicht nicht in die Granite hinein, sondern gehört noch zum Kristallin. Östlich von Slovenj Gradec lagern Vulkanite aus dem Tertiär.

Nach einem etwa einstündigen Spaziergang (10.15 Uhr - 11.17 Uhr) vom Parkplatz nahe dem Hotel Planja zur Rogla-Warte setzen wir die Fahrt in Richtung Becken von Cilli/Celjska kotlina fort. Unterwegs - nahe der Abzweigung nach Vitanje auf Höhe Bukovlje - liegt an einer Engstelle (= Durchbruchstal) an der südsteirischen Randfurche ein Dolomit-Steinbruch. Diese Furche benutzten schon die Römer, um von Virunum nach Poetovia/Ptuj/Pettau zu gelangen. Erst das Eisenbahnzeitalter bewirkte eine Verlagerung des Verkehrs in die Drau-Talung. Die Exkursionsroute passiert den Weitensteiner Zug entlang der Straße über Vojnik, die Autobahn durchteuft ihn ca. 10 km östlich (2 Autobahntunnel).
Gleichsam als Überleitung zum Becken von Cilli ist das nördlich davon liegende tertiäre Hügelland von Socka anzusehen, während im S das Save-Bergland eine optisch scharfe Begrenzung bildet, wodurch sich insgesamt eine asymmetrische morphologische Struktur ergibt. Das Landschaftsbild ist geprägt von kleinparzelliertem Privatbesitz,

denn nur 10 ha durften in kommunistischer Zeit privat bewirtschaftet werden. Bestimmende Elemente sind weiters der Hopfenanbau bzw. starke Zersiedelung. Unter den landwirtschaftlichen Gebäuden fallen besonders die Kosolci [sprich: kosouzi] (Singular: Kosolec) auf. Es handelt sich dabei um ein- bis zweireihige mehrere Meter hohe Holz-Gestänge mit Giebeldächern (= Doblar, -i), die über ihren praktischen Nutzen der Heu- und Getreidetrocknung oder als Geräteschuppen hinaus durchaus Symbolcharakter für die Regionen Krain und Stajerska erlangt haben.

Nach einer etwa fünfminütigen Autobahnfahrt benützt der Bus die Abfahrt Richtung Žalec/Sachsenfeld, wobei der nach S gerichtete Blick des Beobachters die markante Erhebung des Gozdnik (1090 m) bemerkt.


Die etwa eineinhalbstündige Mittagspause (12.30 Uhr - 14 Uhr) ist beendet, weiter geht die Fahrt in Richtung Savinska dolina/Sanntal, welches westlich von Sempeter - aus NW kommend - ins Becken von Cilli mündet. Auf der Fahrt von Žalec nach Sempeter ist linker Hand - also südlich - die Terrassenkante der Sann deutlich erkennbar.
Bei Sempeter lohnt sich ein Abstecher zum Archäologiepark mit römischer Nekropole/ Rimska nekropola.
Hier verlief eine der wichtigsten Römerstraßen (Bernsteinstraße von der Ostsee über Carnuntum und Savaria nach Rom) als NW-SE-Achse, an welcher die drei größten Städte des heutigen Slowenien liegen: Emona/Ljubljana/Laibach, Celeia/Celje/Cilli und Poetovia/Ptuj/ Pettau.

Ein Haltepunkt - am Rande einer ausgedehnten Hopfenkultur,
etwa an der Einmündung des Sanntales ins Becken von Cilli nahe Braslovce gelegen - ist so gewählt, dass ein Rundblick folgende Orientierungspunkte erfassen kann:
im S die markanten Kalk- und Dolomitberge des Posavsko hribovje/Save-Berglandes,
im N der Urslja gora/Ursulaberg bzw. rechts davon die 2-türmige Wallfahrtskirche von Sveti Križ auf der Gora Oljka,
im NW die plateauartigen Ausläufer der Sanntaler Alpen sowie
im NE Bachern und Weitensteiner Zug.
Der Hopfen ist die Kulturpflanze dieser Region, wo der Schotteranteil des Bodens relativ hoch ist. In Žalec gibt es sogar ein Hopfen-Forschungsinstitut, ein Museum und ein Festival. Etwa 4% der Welternte werden gegenwärtig in Slowenien produziert. 1985 waren für Jugoslawien 3 345 ha Hopfen-Anbaufläche ausgewiesen, bei sicherlich überwiegender Dominanz Sloweniens. Produziert werden derzeit 5 000 t (vgl. in A: 184 ha, 270 t), die fast zur Gänze exportiert werden (95%), da es nur in Lasko/Tüffer - südlich von Cilli - und in Ljubljana/Laibach je eine Großbrauerei gibt. Der Selbstversorgungsgrad beträgt unglaubliche 1 100 %!

Seit 1788 in Ilz angebaut, blieb der Hopfen später in der Steiermark nur auf den Raum Leutschach beschränkt, von wo er mit der Südbahn überallhin transportiert wurde.
In der Nähe dieses Haltepunktes liegt das Dorf Braslovce, das sich um die Auszeichnung als schönstes Dorf Sloweniens beworben hat.

Etwas weiter talaufwärts, dort wo die Straße aus dem Sanntal nach Sostanj/Schönstein bzw. (Titovo) Velenje/Wöllan abzweigt, wird man an die Schattenseiten der slowenischen Industrialisierungsphase erinnert: an das Kraftwerk in Sostanj, wo in der Nähe abgebaute schwefelreiche Kohle (Lignit) verfeuert wird, was Umweltschäden größeren Ausmaßes zur Folge hatte bzw. hat. Die SO2-Emissionen erreichen das Ausmaß derer von ganz Österreich und haben Waldschäden u.a. am Bachern und auf der Remschnigg-Alm bewirkt. Das Kraftwerk besitzt eine installierte Leistung von 745 MW und erzeugt fast ein Viertel des in Slowenien erzeugten Stroms.
Der im Kraftwerk erzeugte Strom (700 Megawatt/J. = 1/5 - 1/6 der gesamtslowenischen Produktion) wird jedoch auch im nahe gelegenen Parade-Industriebetrieb Sloweniens, dem Gorenje-Werk in Velenje, dringend benötigt.
Sann-aufwärts folgen sodann Talweitungen und -engen (z.B. Mozirje/Prassberg, Mozirje ? Nazarje) wegen der kleinräumig wechselnden geologischen Struktur (Kalke, Schiefer, Vulkanite) in rascher Abfolge aufeinander. Die Sann diente früher auch als Transportweg für die Forstwirtschaft; bis zur Donau transportierten die Flößer die Baumstämme.
Heute ziehen Freizeitsportler das Wildwasserpaddeln auf der Sann vor. Des Öfteren ist der Hinweis "Rent a Kajak" zu lesen.
Ab Nizka - westlich von Nazarje - gibt es keine Hopfenkulturen mehr.
Von Grušovlje aus gesehen taucht in nordwestlicher Richtung die Ruduha (2 062 m) auf, mit ihrer charakteristischen, von hier aus jedoch nicht voll zur Geltung kommenden asymmetrischen Form: steile N-Seite, flache S-Seite. In diesem Berg befinden sich sehenswerte Eishöhlen.
Ab Ljubno/Lauffen, auf einer fluvioglazialen Terrasse angelegt, war die Sann flößbar. Episodisch hohe Niederschlagsmengen bewirkten aber schon seit jeher eine beachtliche Variabilität der Wasserführung. 1998 gab es bei Luce/Leutsch ein Katastrophen-Hochwasser, ausgelöst durch einen Erdrutsch, der einen Seitenbach verlegte, bis der Stausee seinen Damm durchbrach... Anschließend folgt - in Verbindung mit dem periadriatischen Lineament - eine breite Zone von andesitischen Gesteinen (vor Luce aufgeschlossen) in Wechsellage mit Brekzien, deren Kompaktheit eine Talenge bewirkt. Vulkanische Zyklen traten am Ostrand der Alpen im Mio-, Plio- und Pleistozän auf, deren letzter im Altpleistozän endete (siehe Stradner Kogel, Riegersburg), besonders häufig an der periadriatischen Naht. Nach Luce werden die Andesite von Karbonatgesteinen (Kalken, Dolomiten) abgelöst, die Ursache für die Verlängerung der Talenge sind. Ein schroffer Felsturm auf der linken Talseite, die Igla, ist markanter Zeuge der lokalen geologischen Bedingungen. Die Straße ins obere Sanntal bis Solcava/Sulzbach) besteht seit 1894. Nach Kärnten gab es hier aber keine leistungsfähige Verbindung und erst seit dem Jahr 2000 gibt es eine gut ausgebaute Straße über den Pavlicevo sedlo (Paulitschsattel, 1 339 m), mit einem internationalen Grenzübergang. Mit dem Robanov kot treffen wir auf die Ausmündung des ersten, von einer Moräne zum Haupttal hin abgeriegelten kaltzeitlich vergletscherten Tales, welches zum geplanten Naturpark "Steiner Alpen" gehört.
Von hier aus erreicht der Blick die Olševa in den Karawanken, an deren Abhängen sich die höchsten Siedlungslagen Sloweniens (Hof Bukovnik, 1 327 m) befinden.
Dolomite und Schiefer dominieren eine Landschaft, deren Entwässerung zwar nach S erfolgt, aber nach N orientiert ist; eine Folge einer Anzapfung von S her. Die Einsenkung der Becken (z. B. Cilli) hat die Entwässerung an sich gezogen und Talknicke entstehen lassen.
Oberhalb (westlich) von Solcava/Sulzbach zweigt eine Straße in die Logarska dolina/Logartal ab. Hier bietet sich dem Reisenden ein prachtvoller Blick in einen der wohl eindrucksvollsten Talschlüsse der Südalpen: Ojstrica (2 350 m), Planjava (2 394 m), Steiner Sattel/Kamniško sedlo (1 903 m), Brana (2 252 m), Koroška Rinka (mit 2 433 m der höchste Berg der Untersteiermark) u.a.m. bilden ein sehenswertes Gebirgs-Panorama. Die Steiner Alpen hatten eine Lokalvergletscherung ohne Verbindung zum inneralpinen Eisstromnetz.
Die Sann entspringt im Rinka Wasserfall/Slap Rinka, zu dem die Exkursionsteilnehmer vom Parkplatz "Logartal" wandern (ca. 20 Minuten Gehzeit). Von hier aus könnte man noch in ca. 45 Minuten die Frischauf Hütte/Frischaufov dom (1 385 m) erreichen. Der Grazer Alpinist Johannes Frischauf hat entscheidend an der Erschließung der Sanntaler = Steiner Alpen mitgewirkt (Wegmarkierungen, erste Publikation über die Steiner Alpen von 1870, Impulse für Namensgebungen). Im 19. Jh. war auch der Alpinismus in gewisser Weise von deutschnationalem Gedankengut infiziert. Der Deutschnationale Eduard Richter hatte anlässlich der Herausgabe einer Monographie über die Erschließung der Alpen auch Frischauf zur Mitarbeit eingeladen, der jedoch die ideologischen Vorgaben ablehnte. Beinahe skurril mutet in diesem Zusammenhang der Streit an, ob es "Steiner" oder "Sanntaler" Alpen heißen müsse: Slowenien führte den Doppelnamen ein, in Österreich setzte sich schließlich der Name "Steiner Alpen" durch.
Das Logartal ist ein typisches Trogtal mit fluviatiler Aufschüttung, in dem noch 4 landwirtschaftliche Betriebe existieren, auf denen insgesamt 30 Personen leben. Eine Interessengemeinschaft der Einheimischen setzt sich für ein professionelles Marketing (Logo, Verkehrsleitsystem, touristische Schulungen) ein.

Nach ungefähr einstündigem Aufenthalt verlässt der Bus wieder das Logartal Sanntal-abwärts. Nach Ljubno wählen wir aber die Route über Gornji Grad/Oberberg, die durch eine Mittelgebirgslandschaft führt, welche zu den Ausläufern der Steiner Alpen gehört.
Das Benediktinerkloster von Gornji Grad wurde im 12. Jh. gegründet.

Die Kirche - mit Bildern des österreichischen Barockmalers Martin Johann Schmidt, genannt "Kremser Schmidt" (1718 - 1801) - war lange Zeit der Sommersitz der Laibacher Bischöfe, die einst auch Holzwirtschaft betrieben. Waldnutzung gehört aber auch heute noch zu den dominierenden Wirtschaftsformen Sloweniens, denn >52% des Landes sind waldbedeckt, damit liegt Slowenien in der Rangfolge der Waldbedeckung in Europa an dritter Stelle, hinter Finnland und Schweden (Österreich 39%). Die größten zusammenhängenden Waldgebiete Sloweniens liegen bei Kocevje/Gottschee, wo auch Bären leben.
Vorbei an der Wallfahrtskirche Nova Štifta fahren wir über den 902 m hohen Crnivec-Sattel Richtung Kamnik/Stein.

Die topographische Ungunst dieses Gebietes zeigt sich an der Zunahme der Waldfläche und der hohen Zahl von Nebenerwerbsbauern. Der Crnivec-Sattel ist der Übergang von der Region Štajerska (Untersteiermark) nach Gorenjska (= Oberkrain); zu unterscheiden sind Gorenjska/Oberkrain nördl., Notranjska/Innerkrain südwestl., Dolenjska/Unterkrain südöstlich von Laibach. Die Bela Krajina/Weiße Krain liegt im äußersten S Sloweniens, südlich von Novo Mesto, dem Hauptort der Unterkrain.
Das wenige Kilometer westlich des Sattels ungefähr N-S verlaufende Tal der Kamniska Bistrica/Steiner Feistritz folgt einer Tiefenlinie entlang der Steiner Alpen.

Kamnik, am Kreuzungspunkt dieser Tiefenlinie mit dem Richtung Cilli verlaufenden Tuhinjska dolina, einem im Mittelalter bedeutenden Verkehrsweg, gelegen, war Passfußort der dortigen Talwasserscheide. Eine sehenswerte mittelalterliche Altstadt und 2 Burgberge lohnen einen Abstecher in jedem Fall.
Der wirtschaftliche Aufstieg der Stadt basierte auf Kleineisenwerken (Sensen-, Hammerwerke), die Eisen aus der Oberkrain verarbeiteten und das lokale Wasserkraft-Angebot nutzten. In weiterer Folge entwickelte sich auch eine Textilindustrie, eine Stichbahn nach Laibach wurde gebaut.

Während der Fahrt noch einmal den Rundblick auf Triglav im E und Krim im S von Laibach genießend nähern wir uns der slowenischen Hauptstadt und treffen um 19.30 Uhr im Laibacher M-Hotel ein.

Anfang
2. EXKURSIONSTAG: Ljubljana ® Ljubljana Hauptbahnhof (Haltepunkt) ® Prešeren-Denkmal (Haltepunkt) ® Burg von Ljubljana (Haltepunkt "Burgturm") ® Slovenska cesta nahe "Wolkenkratzer" (Mittagspause) ® Radovljica (Haltepunkt) ® Bled/Veldes (Haltepunkt: Aussichtspunkt Straža) ® Studor (Fotostopp Kosolci-Gruppe) ® Ribcev Laz am Bohinjsko jezero/Wocheiner See (Fotostopp bei Johannes-Kapelle) ® Kropa (Haltepunkt) ® Kranj/Krainburg ® Ljubljana (M-Hotel)

Um 8.35 Uhr fahren wir mit dem Exkursionsbus zum Hauptbahnhof von Laibach, der in ausgezeichneter Weise renoviert wurde und in vorbildlichem hygienischen Zustand ist, schon aus diesen Gründen lohnt sich ein Rundgang durch das Gebäude.
Gegenüber dem Bahnhofseingang steht das Gebäude einer Versicherung, welches der slowenische Vorzeige-Architekt Joše Plecnik in einer am Jugendstil angelehnten Architektur entwarf. Insgesamt aber ist die gründerzeitliche Bebauung in Laibach eher spärlich vertreten; die meisten und schönsten Beispiele befinden sich im Bereich zwischen Bahnhof und Stadtzentrum.
Zu Fuß begeben wir uns durch die Miklošiceva cesta in Richtung Stadtkern.

Das Prešeren-Denkmal am Prešeren Trg/Platz ist wohl der geeignetste Ort, um über die Leistungen des slowenischen National-Dichters France Prešeren zu sprechen. Geboren am 3.12.1800 in Vrba bei Bled in der Oberkrain, von Beruf Notar, gilt er als der größte (romantische) Lyriker Sloweniens und Schöpfer der modernen slowenischen Literatursprache. Er starb am 8.2.1849 in Kranj. Sein Todestag ist in Slowenien ein Feiertag und wird als Teil des slowenischen Nationalverständnisses zelebriert.
Der Prešeren Trg/Platz liegt unmittelbar an der Ljubljanica, die an dieser Stelle von 3 Plecnik-Brücken/Tromostovje überspannt wird.
In weiterer Folge begeben wir uns zum Marktplatz, der von eindrucksvollen Kolonnaden Plecniks flankiert wird und wo die bekannte Drachen-Brücke zu bewundern ist.

Der Mythos von einem Drachen, dem Wappentier Laibachs, hat seinen realen Hintergrund in lästigen und bisweilen Furcht einflößenden Sumpfgebieten (Laibacher Moor südlich des Burgberges), die man bestrebt war trockenzulegen. Schon zur Monarchie-Zeit plante man die Meliorierung des Moores, worin die Ljubljanica mit ½ m auf 20 km ein äußerst geringes Gefälle aufweist.
Für die Mühen der Bezwingung des Burgberges - auf paläozoischer Schieferzone, von E kommend, zu den Julischen Voralpen hin auslaufend - wird man mit einem prachtvollen Rundblick auf die Stadt, das Laibacher Becken und dessen Gebirgsumrahmung belohnt:

* gegen N auf die Steiner Alpen (Grintavec, 2 558 m; Planjava Ojstrica sowie auf die fluvioglaziale Terrassenlandschaft des Ljubljansko polje/Laibacher Feldes
* gegen E auf das Save-Bergland und
* gegen S auf das Laibacher Moor, das einst größte Moor Österreichs (heute ist es das Ibmer Moos), mit ältesten Siedlungsspuren; dahinter erkennbar das Dinarische Gebirgssystem
* gegen W und NW auf die Julischen Voralpen

Im Laibacher Becken leben etwa 490 000 Menschen, in der Hauptstadt selbst rund 270 000. Die Stadterweiterung orientierte sich aufgrund des Moores eher gegen N. Die Stadt liegt - wie erwähnt - am Schnittpunkt dreier Regionen: Innerkrain (SW), Unterkrain (SE) und Oberkrain (N).
Das Laibacher Becken muss als inneralpines Becken mit klimatischer Ungunstsituation und daraus folgender problematischer Lufthygiene fertig werden: 140 Nebeltage im Jahresdurchschnitt sind Beweis dafür. Im Vergleich zu Maribor gibt es, was die Luftgütesituation emissionsseitig etwas verbessert, wenig Industrie.
Die Entwicklung Laibachs im Mittelalter (zur Römerzeit Emona genannt) ging von der Straße um den Burgberg aus, der älteste Kern reicht vom Mestni trg/Stadtplatz bis zum Dom. Jenseits der Ljubljanica erfolgte parallel dazu eine zeilenförmige Erweiterung. Das daran anschließende Gründerzeitviertel ist - im Vergleich zu Marburg - nur klein.
Die Entwicklung zur Großstadt setzt nach dem 1. Wk. ein, gefördert von der Hauptstadtrolle und nicht zuletzt von Plecnik-Bauten. Wie üblich wächst die Stadt auch hier entlang der Ausfallstraßen ins Umland und von 1948 bis 1980 verdoppelt sich die Einwohnerzahl. Jüngste Entwicklung ist die Entleerung der City (1961 - 1991: -35% Bewohner), während die Gesamtstadt um 60% zulegen konnte.
Nach einem ca. einstündigen Aufenthalt im Burgareal begeben wir uns auf leicht begehbaren Spazierwegen wieder hinunter in die Altstadt, wo von 11 Uhr bis 13.30 Uhr Zeit für Einkäufe und Mittagessen gewährt wird.

Die für 13.30 Uhr vereinbarte Abfahrt des Busses verzögert sich leider um 10 Minuten, da einige Exkursions-Teilnehmer das Fahrzeug auf dem weitläufigen Bahnhof-Vorplatz erst mit Hilfe des Chronisten finden können. Schließlich fahren wir aber doch noch auf der Wienerstraße nach N zur Ringautobahn, einem Teil der gerade in Ausbau befindlichen Slowenien-Transversale in NW-SE-Richtung, entgegen der kommunistischen NW-SE-Orientierung. Der Karawanken-Tunnel wurde noch vor der Wende gebaut.
Über eine kompliziert strukturierte fluvioglaziale Aufschüttungslandschaft aus Terrassen (Save-Bett oft 150 m tiefer als Terrassenrand) geht die Fahrt Richtung Kranj/Krainburg, 4.-größte Stadt Sloweniens und Hauptort der Gorenjska/Oberkrain, auf einem Terrassensporn im Mündungszwiesel zwischen Sava/Save und Kokra/Kanker. Die Kokra schneidet sich schluchtartig ein und hat dadurch einen Sporn herausmodelliert, auf dem die Altstadt liegt. Kranj ist eine Messestadt sowie ein bedeutender Schulstandort mit Uni-Fakultät und noch immer relativ hohem Anteil des Sekundärsektors in der Nachfolge historischen Eisen-Gewerbes.

In der Umgebung von Naklo gibt es wieder zahlreiche Kosolci. In der Nähe mündet die Tržiška Bistrica/Neumarktler Feistritz, deren Schotter von Karbonatgesteinen dominiert sind. Wenn solche Schotter verfestigt sind, kann es zu Karsterscheinungen (Dolinen und Karstschlote auf älteren Terrassen) kommen.
Vorbei am Wallfahrtsort Brezje erreichen wir um 14.25 Uhr den Busbahnhof von Radovljica/Radmannsdorf.

Das malerische Städtchen aus dem 11. Jh. auf einer kleinen Anhöhe über der Save (Würmmoräne: mehrere Hügel mit Wald im Stadtgebiet) lebt von der Kleineisenindustrie und einer offenbar florierenden Imkerei (Biene im Ortswappen, Bienenmuseum). Im Ortskern stehen einige Häuser mit schönen Malereien.
Auf der Weiterfahrt nach Bled (ab 15 Uhr) sind weit gespannte Schotterflächen zwischen Moränenrücken zu beobachten. Bei Radovljica/Radmannsdorf vereinigen sich die Sava Dolinka/Wurzener Save und Sava Bohinjka/Wocheiner Save.
In Bled/Veldes (nach der Sava-Dolinka-Straße) stoßen wir auf einen Moränenkörper aus dem ausgehenden Würm, der den Blejsko jezero/Veldeser See umschließt.
Um 15.30 Uhr erreichen wir bei leichtem Regen den Aussichtspunkt Straža (646 m). Von hier genießt man eine - bei schönem Wetter - herrliche Aussicht auf die gegenüberliegende Burg Bled und auf den See (2 120 m lang, 500 m breit und 30,6 m Maximaltiefe).
Bled nimmt die 3. Stelle im slowenischen Tourismus ein, nur der Küstenort Portorož und die Therme Catež weisen höhere Übernachtungszahlen auf.
Bled ist ein alter, schon während der Monarchie geschätzter Tourismusort u.a. für Wallfahrer, ausgestattet auch mit Heilquellen, die hier am Kreuzungspunkt der Save-Störung - verläuft parallel zur periadriatischen Naht - mit einem ganzen Störungsbündel austreten.
1855 machte der Schweizer Arzt Rikli mit seiner Naturheilmethode (Wasser, Luft, Sonne) Veldes berühmt. 1870 folgte ein weiterer Impuls durch die Bahnlinie Laibach - Tarvis und 1906 kam die Wocheiner Bahn dazu (Karawankentunnel ? Jesenice/Assling ? Wocheiner Tunnel ? Soca-Tal ? Nova Gorica/Görz ? Triest). Infolgedessen entwickelte sich der Ort zu einem Nobelkurort der Monarchie, vergleichbar mit Meran, Bad Ischl oder dem Semmering. Nach dem 2. Wk. brachte Titos Sommerresidenz einen neuen Aufschwung und 1999 registrierte man 333 137 Übernachtungen. (Vgl. dazu auch: Potorož 900 000, Izola und Krajnska Gora je 300 000, Ramsau 800 000.) 6 - 7 Mio. Übernachtungen zählte man zuletzt in ganz Slowenien (= wie NÖ, knapp 1/3 weniger als die Stmk.). Obwohl es gewisse Probleme mit der Wasserhygiene gibt, da noch keine Ringkanalisation besteht, der natürliche Wasseraustausch nur sehr langsam vor sich geht und es im Frühjahr manchmal zu einer Algenblüte kommt, wird im Sommer im See gebadet (Maximaltemperatur 24°). Von diesen Nachteilen sind aber die hier häufig stattfindenden Rudersport-Veranstaltungen nicht betroffen.
Ungefähr nach einer Dreiviertelstunde begeben wir uns wieder zu dem vor dem Golfhotel wartenden Bus und fahren das Südufer entlang Richtung Bohinj/Wochein und Bohinjsko jezero/Wocheiner See.

Die Wochein ist zwischen den beiden Karstplateaus Pokljuka im NW und Jelovica im SE eingeschnitten. Der nördliche Tal-Ast (= oberes Tal) sowie der südliche (= unteres Tal) sind jeweils glazial erweitert. Die Exkursionsroute folgt dem oberen Talverlauf, wo zahlreiche Kosolci (z.B. bei Cešnjica) die Landschaft prägen. Nebenerwerbsbauern und Auspendler sind für dieses Gebiet typisch. Von der Pokljuka führt der einfachste Anstieg auf den Triglav, die klassische Route beginnt aber in der Wochein.
Von Srednji vas aus genießt man einen tollen Blick auf den klassischen Trogtalquerschnitt des Wocheiner Tales, die Kosolci bei Studor sind es sicherlich ebenso wert, fotografiert zu werden. Wer länger Zeit hat, sich in diesem Gebiet aufzuhalten, dem seien die vielen Wandermöglichkeiten - etwa auf die aussichtsreiche Rudnica (946 m) an der südlichen Talseite empfohlen. Von Ukanc im SW des Sees führt eine Seilschwebebahn hinauf zum Wintersportgebiet "Vogel".
Um etwa 17 Uhr passieren wir Stara Fužina/Althammer, dessen Name auf ehemalige Schmelzöfen und Schmieden zurückgeht. Es liegt an einer Spätglazialmoräne, die vor ca. 15000 Jahren rund um den späteren See abgelagert wurde. Sie entspricht einem spätglazialen Rückzugsstand, als das alpine Eisstromnetz schon zerfallen war.
In Ribcev Laz kann man eines der malerischsten Motive Sloweniens bewundern: die Johanneskirche nahe einer Brücke über die an dieser Stelle den See verlassende Wocheiner Save. Hier betritt man auch den Boden des Triglav-Nationalparks, ein seit 1981 ausgewiesenes Schutzgebiet von 848 km2 Fläche.

In der Region Gorenjska/Oberkrain (2 000 km², D = 90) waren 1991 55% im II. und 38% der Erwerbstätigen im III. Sektor beschäftigt. Die Einkommen lagen unter dem Landesdurchschnitt. Die Aussichten sind jedoch gut, da die Fremdenverkehrsintensität zunimmt. Das Grundstoffindustrie-Kombinat in Jesenice ist weitgehend stillgelegt, die Zahl der Auspendler hoch. Aufgrund der einst starken Arbeitsmigration leben auch heute noch viele Nicht-Slowenen (Serben, Bosnier, Mazedonier) in Jesenice.

Während der Fahrt über Lesce nach Kropa ist Richtung N der Stol/Hochstuhl (2 236 m), der höchste Berg der Karawanken, zu sehen. Unmittelbar nach dem Zusammenfluss der beiden Quellflüsse der Save überquert die Straße Richtung Kropa die Save und benützt einen würmzeitlichen Schmelzwasserdurchbruch quer durch einen Moränenkörper (zurückblickend sieht man die Stirnmoräne von Radovljica). Im weiteren Verlauf folgt die Straße einer Umfließungsrinne (bei Kamna Gorica). Das Sacktal von Kropa ist durch eine Karstquelle oberhalb des Ortes entstanden. Während der Hochblüte der alten Hammerwerke-Siedlung waren hier bis zu 18 Schmieden in Betrieb. Der älteste Schmelzofen stammt aus dem 13. Jh., der letzte wurde Ende des 19. Jh. stillgelegt. Mit Hilfe von schweren wassergetriebenen Hämmern ("Narren") schmiedete man etwa 500 Jahre lang kleine Eisenstücke, die in kleineren Schmieden zu Eisenstangen und in einer Nagelschmiede zu Nägeln weiter-verarbeitet wurden. Ein Rundgang durch die Siedlung (18 Uhr bis 18.30 Uhr) zeigt viel erhaltenswerte alte Bausubstanz, die z. T. aber knapp vor dem Verfall steht. Gelegentlich sind aber auch gute Ergebnisse von Renovierungsarbeiten zu sehen.
Nach dem Rundgang in Kropa fahren wir über Podnart, Gobovce, Podbrezje Richtung Kranj/Krainburg. Bei Bistrica benützt die Straße eine niedrigere Terrassenflur, bei Naklo eine höhere (möglicherweise aus der Risszeit stammend). Vorbei an Kranj, über das Sorško polje (nach dem Fluss Sora benannt) - nach W erfasst der Blick die Umrisse der ebenfalls sehenswerten Stadt Škofja Loka/Bischoflack - erreichen wir um 19.30 Uhr wohlbehalten das M-Hotel in Laibach.

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3. EXKURSIONSTAG: Ljubljana ® Vrhnika/Oberlaibach: Karstquelle Mocilnik (Haltepunkt) ® Logatec ® Unec ® Dolenja vas ® Velika Karlovica (Haltepunkt) ® Rakov Škocjan (Haltepunkte Mali narovni most/Kleine Naturbrücke und Veli narovni most/Große Naturbrücke) ® Postojna ® Kozina ® Rižana ® Izola ® Portorož ® Piran (Haltepunkt Turm auf Stadtmauer / Mittagspause) ® Koper (Haltepunkt) ® Crni Kal ® Burg Socerb (Haltepunkt) ® Ljubljana (M-Hotel)

Pünktlich um 8 Uhr wird der Bus gestartet und trotz Fahrerwechsel sicher durch die Šišenska cesta in Richtung Ljubljansko barje/Laibacher Moor gelenkt.
Das Laibacher Becken gliedert sich in das Ljubljansko polje/Laibacher Feld im N (mit Moränen im obersten, nordwestlichen Teil) und das Ljubljansko barje/Laibacher Moor (bis ins Holozän abgesenkt) im S. Durch die Absenkung wurden älterpleistozäne Sedimente im Untergrund zugeschüttet. Der Übergang zwischen Bergland und Moorboden ist als scharfe Grenze ausgebildet. Das Moor präsentiert sich als System verschiedener Ökotope mit unterschiedlichen Entstehungsbedingungen. Durch Drainagierung konnten mehrere, z. T. junge Siedlungen angelegt werden. Torfabbau im großen Stil gibt es seit dem 19. Jh., als in einem Musterhof Torfnutzung für landwirtschaftliche Zwecke erprobt wurde. Große bautechnische Probleme ergaben sich wegen der mangelnden Stabilität des Untergrundes beim Bau der Südbahn von Laibach -Karst -Triest.
Das Moor wird von der Ljubljanica/dem Laibach durchflossen, der am Rande des Becken aus Karstquellen bei Vrhnika/Oberlaibach entspringt. Um 8.55 Uhr erreichen wir die Autobahn-Ausfahrt nach Vrhnika, das sich als Straßensiedlung an der Karststraße von Laibach nach Triest und Passfußort vor dem Anstieg zur Karstlandschaft entwickelt hat.


Die Karstquelle Mocilnik entspringt in einem Sacktal und gehört zu einer Reihe von Karstquellen zwischen Vrhnika und Borovnica.
Während der Auffahrt zur Hochkarstlandschaft der Inner- und Unterkrain wird die Verbreitung von Karsterscheinungen in Slowenien in ihrer Gesamtheit besprochen. Der dinarische Karst ist an sehr reine Kreidekalke gebunden, die - dem Dinarischen System entsprechend - von NW-SE streichen.
Als nächste größere Ortschaft begegnet uns Logatec, in einem typischen Polje gelegen, das zur NW-SE angeordneten Innerkrainer Poljentreppe gehört (Logatec, Planina, Cerknica u.a.m.). Oberflächengewässer verschwinden plötzlich in Flussschwinden (vgl. Logašcica in Logatec). Die Logašcica kann als Teilstück der Ljubljanica, des Flusses mit 7 Namen, aufgefasst werden: Stržen, Cerknišcica, Unica, Logašcica, Ljubljanica, Pivka, Rak. Man hat das Wasser mit Farbstoff markiert und so die Zusammenhänge herausgefunden.
In Poljen kommt es des Öfteren auch zur Bildung von Kaltluftseen. So wurde im Babno-Polje mit -37° C das absolute Temperatur-Minimum Sloweniens gemessen. Das Jahresmittel liegt dort in nur 750 m Seehöhe bei niedrigen +4°C.
Zur Entstehung eines Polje kann es dann kommen, wenn nichtkalkige (z.B. tonige) Sedimente Klüfte verstopfen. Die Kalklösung (korrosive Wirkung) erfolgt nun seitlich, das Polje erweitert sich also am Rand. Bei Schneeschmelze und/oder hohen Niederschlägen, wenn die Ponore das Wasser nicht vollständig abführen können, kommt es häufig zur Überflutung (Inundation) der Poljeböden (siehe Cerkniško jezero/Zirknitzer See).


Von der Straße aus, die am westlichen Rand des Planinsko Polje entlangführt, kann man die Mäanderschleifen der Unica gut erkennen (Augehölze). Weiters fällt auf, dass am Poljenrand Ackerbau, im Inneren des Poljes aber Grünlandwirtschaft betrieben wird. Insgesamt ist die Innerkrain waldreich und weniger für die Landwirtschaft geeignet.
Die nächste Siedlung - Unec - liegt in einer abflusslosen Karsthohlform.
Über Rakek fahren wir zum Cerkniško/Zirknitzer Polje, das bisweilen von einem See bedeckt ist, der bei Erreichen seiner Maximalgröße (22 km²) der größte See Sloweniens ist, und zwar dann, wenn die Ponore allzu reichliche Niederschläge nicht mehr aufnehmen können. Zu Ostern 2001 hatte er ca. 18 km². Der See ist schon in der berühmten römischen Streifenkarte "Tabula Peutingeriana" aus dem 4. Jh. eingetragen (Abschrift in der Wiener Hofbibliothek aus dem 12. Jh.). Bis zum Ende des 17.Jh. hatten schon 42 Autoren über den See geschrieben. In der Zwischenkriegszeit wollten ihn die Italiener trockenlegen, die Jugoslawen planten einen Freizeitsee. Die Siedlung Cerknica/Zirknitz ist auf einer Anhöhe angelegt und somit von den schwankenden Seeständen nicht betroffen.
Über Dolenja vas gelangt man auf einem gut befahrbaren Schotterweg ungefähr bis zur Flussschwinde Velika Karlovica. Von diesem Standort aus ist das Polje bzw. der See gut zu überblicken. Am 22.5.2001 war jedoch nur ein ganz kleiner Rest zu erspähen.

Um 10.30 Uhr erreichen wir unser nächstes Ziel: die Naturbrücken von Rakov Škocjan.

Nahe der "Mali naravni most/Kleinen Naturbrücke" wagen wir den Abstieg in eine Einsturzdoline, die zum System der Zelške jame/Höhlen gehört. Nach einer halben Stunde folgen wir ein Stück dem oberirdischen Lauf des Rak-Baches und gelangen zur "Veliki naravni most/Großen Naturbrücke", über die eine Straße führt, die auch von Reisebussen befahren werden kann. Die beiden Naturbrücken verdanken ihre Entstehung dem abschnittweisen Einsturz des Höhlendaches der lokalen Höhlensysteme. Von der "Veliki naravni most/Großen Naturbrücke" gibt es einen Weg zum Rak-Bach hinunter. An einem Brückenpfeiler hat man die Höhe des Hochwassers von Anfang November 2000 markiert. Vom (geschätzt) 10 m hohen Durchlass blieb damals nichts frei! Über ein kurzes steiles Wegstück ist auch noch die Tkalca jama zu erreichen.

Auf der Weiterfahrt Richtung Postojna/Adelsberg begegnet einem zuerst noch die teilweise verfallene Kirche von Sveti Kancijan/St. Kanzian. Die Postojnska vrata/Adelsberger Pforte ist mit 600 m einer der niedrigsten Übergänge über das Dinarische System. In Postojna gibt es ein Institut für Karstforschung (Symbol "Grottenolm"), das sich natürlich ganz besonders mit der Erforschung der Postojnske jame beschäftigt. Die Höhlen sind seit dem 19. Jh. erschlossen. Die Stadt liegt am Rand des Pivška kotlina/Poik-Beckens, das einem Polje ähnelt. Phänologisch ist es - trotz seiner südlichen Lage - in etwa mit Bruck/Leoben vergleichbar. Dies ist durch die relativ große Höhenlage (um 550 m) erklärbar. Die z. T. hohe Umrahmung des Beckens wird gebildet von: Nanos im NW (1 209 m), Hrušica im N (1 020 m), Bukovec im NE (701 m), Javorniki im SE (1 269 m) und Ravnik im SW (832 m).
Im niedrigen Hügelland des Beckens liegt die Wasserscheide zwischen Pivka-Ljubljanica (82%), Vipava (15%) und Reka (3% der oberirdischen Wassermenge der Pivška kotlina).
Der Nanos ist als Aussichtsberg zu empfehlen, von Razdrto aus ist die Vojkova koca/Hütte zu Fuß in 1½ Stunden erreichbar.
Ungefähr auf Höhe des Autobahn-Knotens Razdrto sieht man durch die in Richtung NW verlaufende Senke der Vipavska dolina/des Wippachtales bis zu den dicht bewaldeten Mittelgebirgsrücken (Gipfel aber waldfrei) des Trnovski gozd/Ternovaner Waldes. Gegen N zu schweift der Blick zur Landstufe der Hrušica/Birnbaumer Wald (mit dem Nanos als südlichem Eckpfeiler), die über ein niedriges Flysch-Hügelland aufragt. Auf dem Hochkarst des Ternovaner und Birnbaumer Waldes kommen Eisansammlungen in Schachthöhlen vor. Der Karstwasserspiegel liegt in 300 - 400 m Höhe (Gipfel 1 400 m). Die Eisansammlungen wurden auf bergmännische Art abgebaut und haben so eine wirtschaftliche Rolle auch als Exportgut gespielt. Weiters finden sich bis zu 100 m tiefe Dolinen mit Vegetationsumkehr. Geologisch sind Ternovaner Wald und Hrušica Stufen des nach S hin überschobenen südalpinen Deckensystems, das hier vom dinarischen System abgelöst wird.
Beim Becken von Senocece hat man den "locus typicus" aller Karstlandschaften erreicht: die Landschaft Kras/Karst/Carso. Mit diesem ursprünglich also eine Landschaft bezeichnenden Begriff assoziiert man eine kahle Landschaft, die der Karst 1850, als man die Südbahn baute, auch noch tatsächlich war. Das akute Wasserproblem für die Bahnbauer (und die Versorgung der Großstadt Triest) veranlasste die Freigabe finanzieller Mittel zur Wasserprospektion sowie für die Karstforschung. Zusätzlich war der Bahnbau durch starke Schneefälle und Verwehungen behindert. Heute sind Schneefälle in dieser Gegend eher selten, der vorhandene Wald ist jung.
Wirtschaftlich profitieren die Karstlandschaften zwar von einer guten Verkehrslage, aber der III. Sektor ist noch schwach und der II. ziemlich bedeutend. Wichtig sind die Holzressourcen.

Eine Fahrt auf der neuen Autobahn Richtung Koper liefert Karbonatgestein-Aufschlüsse in Serie und bei Divaca kann man - je nach persönlicher Neigung - Abstecher zu den Škocjanske jame/St. Kanzianer Grotten mit der Schwinde der Reka oder zum Gestüt Lipica (Urheimat der "Lipizzaner") machen.

Ungefähr auf Höhe des heutigen Autobahn-Endes bei Kozina erstreckt sich in südöstlicher Richtung die markante Landstufe der Cicarija, die ihre Fortsetzung auf den Inseln Cres und Lošinj findet. Submediterraner Buschwald, Aufforstungen von Schwarzkiefern und verbuschte Felder bestimmen hier das Landschaftsbild. Nach dem Talübergang Glinšcica, der erosiv in die Karstrandstufe eingeschnitten ist, ist der Karstrand bald erreicht. Ins Primorje oder Primorska hinunter muss ein Höhenunterschied von 400 m überwunden werden.
Dem Reisenden bieten sich hier eine Fülle von hervorragenden Aussichtspunkten (z.B. Bergdorf Tinjan, Burg Socerb, Crni kal), von denen bei guten Sichtverhältnissen die Buchten von Triest und Koper zu überblicken sind.
Die Überschiebungsstirn der Karstrandkante geht über in ein reich gegliedertes Flysch-Bergland mit oberirdischer Entwässerung und entsprechender Zerschneidung. In Slowenien bildet der Flysch eine Steilküste, was eine Besonderheit darstellt. Ab der Karstkante tauchen immer mehr mediterrane Elemente auf, wie Ginster, Feigenbaum, Zypressen (z.B. bei Rižana). Das Hinterland der Küste zeigt deutliche Anzeichen von Litoralisation und Peripherisierung: verfallene Häuser, verwilderte Kulturlandschaft. Bis etwa zur Mitte des 20. Jh. gab es noch reichlich Mischnutzung, seither schreitet die Entleerung des Hinterlandes dramatisch voran.

Der Hafen von Koper/Capodistria ist der Aufsteiger gegenüber seinen Konkurrenten Triest und Rijeka.

Schwemmlandböden - in 3 Jahrhunderten hat die Rižana 2 km Sedimentvortrag geschafft - sind gut nutzbar, der Hafen ist daher nicht so beengt und infolgedessen haben sich viele Unternehmen (100 in der Freihandelszone des Hafens) angesiedelt. Die östlich gelegene Kuppe Srmin war - wie die Erhebung mit der Altstadt - im Mittelalter noch eine Insel und ist erst spät landfest geworden. Heute ist die Sedimentierung wegen des höheren Waldbestandes im Hinterland weit geringer. Gegen N hin ist die Bucht von einem Sandsteinkliff begrenzt. Dazu wirkte sich auch der Bau einer Eisenbahn ins Hinterland positiv aus. Die Entwicklungszahlen des Jahresumschlages sprechen für sich:


1960: 0,1 Mio. t
1970: 2
1990: 5,5
1991: 4,4
1998: 8

Nach der Wende erreichte der Jahresumschlag 8 Mio. t (vgl. Rijeka 15, Triest 20). Ursprünglich auf einer Insel gelegen, ist die Altstadt von Koper seit dem 18. Jh. mit dem Festland verbunden. Im Zuge der damaligen Landgewinnungsaktivitäten hat man die Lagune künstlich verlandet. Auf dem festländischen Teil von Koper wurden nach dem 2. Wk. zahlreiche Wohnungen errichtet.
Trotz dieser Aufwärtsentwicklung des Hafens ist die Beschäftigtensituation im gesamten slowenischen Küstenland überwiegend zum III. Sektor (Tourismus, Handel, Bildung) orientiert (60%), 34% arbeiten im II. und 6% im I. Die Pkw-Dichte ist mit 425 deutlich höher als in Gesamt-Slowenien (350). Auch die Zahl der Arbeitslosen ist hier mit 7,5% niedriger als in ganz Slowenien (9,2%). Das Bevölkerungswachstum beträgt 3,4%. In Zukunft könnte der in Aussicht gestellte Plan einer EU-Regio Koper - Görz - Triest weitere Vorteile bringen.
Die Altstadt birgt eine Fülle von sehenswerten Gebäuden: ein venezianischer Brunnen von 1666 oder der Titov trg (mit Kathedrale und venezianischem Gebäude-Ensemble) sind nur wenige Beispiele eines viel größeren Angebotes. Zweifellos wäre auch der Hafen - wenn ausreichend Zeit vorhanden - einen Besuch wert.

Nach diesen Seitenblicken auf Koper und dem Genuss prachtvoller Ausblicke auf Izola und Portoroc (1. Hotel 1910; heute 900 000 Übernachtungen/J.) ist die alte venezianische Hafenstadt Piran um ca. 13 Uhr erreicht. Die Besteigung eines Turmes auf der Stadtmauer ermöglicht einen lohnenden Rundblick auf die spornartig ins Meer ragende Altstadt, wo der neu gestaltete Hauptplatz (= Tartini-Platz) ein auffallender Orientierungspunkt ist. Oberhalb davon liegt die St.-Georgs-Kirche mit ihrem ummauerten Kirchplatz, von dem aus man z.B. direkt auf die Uferlinie darunter hinabsehen kann.

Der nördliche Teil Istriens hat ja (nicht nur in diesem Jh.) eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Vor dem 2. Weltkrieg gehörte er zu Italien, danach zum Freistaat Triest (heute geschützte Italienisch sprechende Minderheit), danach zum kommunistischen Tito-Jugoslawien. Die unklaren Verhältnisse konnten erst 1975 vertraglich eindeutig geregelt werden, aber selbst heute noch gibt es Rechtsstreitigkeiten zwischen Italienern und Slowenen über ungeklärte Besitzverhältnisse (vgl. ORF, Ö1, "Ambiente"-Sendung über das Primorje sowie "Radiokolleg"-Serie über Slowenien).
Die Grenze zu Slowenien wird subjektiv als sehr markante Trennung empfunden.
Um 16.20 Uhr sind Mittagspause, Begehung der malerischen Altstadt-Gassen von Piran und der Aufstieg zur Parkplatz-Anhöhe beendet und die Exkursions-Mannschaft findet sich wieder vollzählig zur Weiterfahrt ein.

Eine halbe Stunde (16.30 Uhr bis 17 Uhr) wird noch für die Salzgärten und die Flysch-Steilküste in der Bucht des Kurortes Strunjan (Salzschlamm, Heilkima) "geopfert", bevor es weiter nach Koper geht, wo von 17.20 Uhr bis 18 Uhr eine kurze Begehung der Altstadt erfolgt.

Auf der Rückfahrt nach Laibach machen wir bei Crni kal noch einen Abstecher zur Burg Socerb, die übrigens auch am gut markierten slowenischen Weitwanderweg Nr.1 - Slowenische Berg-Transversale von Marburg nach Koper - liegt. Die schmale, aber gut asphaltierte Auffahrt zur Burg ist von zahlreichen Flaumeichen, Hopfenbuchen, Mannaeschen oder verbuschten Feldern gesäumt. Die Burg selbst liegt unmittelbar an der Karstkante in einer Höhe von 420 m.

Für die Enttäuschung über das an diesem Tag leider nur für eine geschlossene Gesellschaft zur Verfügung stehende Burg-Restaurant entschädigt ein letzter, dafür aber umso schönerer Blick auf die - einem Tuche ähnlich - sich ausbreitende, plötzlich aber steil zur Küstenebene abfallende und sich auf diese Weise ihren Bewunderern gleichsam entziehende Karstrandstirn. Sie können sich jedoch an weiter entfernten Attraktionen dafür schadlos halten, indem sie den für diesen Tag verloren scheinenden Kampf der Großstadt Triest gegen die zahllosen sich zu Dunst verdichtenden Wassertröpfchen mitansehen. Wie um ihre Macht zu beweisen stellt sie ein riesiges Erdöl-Tanklager ins Bild, aber als Gewinner dieses ungleichen Wettstreits erweisen sich letztlich überraschenderweise Dörfer wie Osp, Tinjan oder San Dorligo della Valle, denen sonst auf Grund ihrer Kleinheit kaum Aufmerksamkeit zuteil wird. Sie befriedigen durch ihre topographische Nähe den Wunsch nach optischen Anhaltspunkten und präsentieren sich als willige und willkommene Beute den unaufhörlich jagenden Blicken der Beobachter.

Aufgrund der ausgiebigst genossenen zahlreichen Aussichtspunkte erfolgt die Rückkunft im M-Hotel in Laibach an diesem Tag erst um 20.30 Uhr.

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4. EXKURSIONSTAG: Ljubljana (M-Hotel) ® Grosuplje ® Kloster Sticna/Sittich (Haltepunkt) ® Trebnje ® Mirna-Tal ® Mokronog ® Trcišce ® Sevnica ® Šentvid bei Planina (Haltepunkt) ® Lesicno ® Virštanj (Fotostopp) ® Golobinjek ® Atomske Toplice ® Rogaška Slatina ® Rogatec ® Tlake (Fotostopp Donacka Gora/Donatiberg) ® Majšperk ® Ptujska Gora/Pettauberg ® Ptuj/Pettau (Haltepunkt / Mittagspause) ® Ormož ® Jeruzalem, Ortsteil Veližane (Haltepunkt Taverna Jeruzalem) ® Ljutomer/Luttenberg ® Radenci ® Gornja Radgona/Oberradkersburg ® Graz

Um 8.04 Uhr beginnt das Programm des letzten Exkursionstages mit der Fahrt zum Kloster Sticna, wenige Kilometer südöstlich von Laibach.

Letzte Blicke verabschieden die Laibacher Altstadt, bevor wir das Laibacher Moor in südöstlicher Richtung entlangfahren: Im SW erhebt sich der Krim (1 107 m), der Laibacher Hausberg, leicht zu erkennen an seinem Sendemasten. Eine Siedlungszeile wagt sich noch ins Moor hinein, den unsicheren Boden dem nahen Sporn des Save-Berglandes vorziehend. Schließlich verlässt die Autobahn das Laibacher Becken in Richtung der Viertelshauptstadt Novo mesto (Hauptort der Unterkrain), die moderne Industriebetriebe (Renault-Werk, Pharma-Firma Krka) vorzuweisen hat. Kurz danach streift sie das Polje von Grosuplje im N; hier befinden wir uns bereits ca. 100 - 150 m über dem Laibacher Moor. Bei Višnja Gora geht es - wieder in einem Karstabschnitt - sogar auf 450 m hinauf. Bis Novo mesto reichen die Kreide-Jura-Kalke mit abflusslosen Senken. Hier in der "Suha Krajina" ( = "Trockene Krain") herrscht trotz hoher Niederschläge edaphische Trockenheit. Im Großen und Ganzen ist die Unterkrain aber aufgrund der geringen Höhenlage eine besser durchsiedelte Landschaft als die Innerkrain.
Bei Ivancna Gorica - in einer poljenartigen Erweiterung gelegen - folgen wir einer nach N zum Kloster Sticna abzweigenden Straße.


Das von 1132 - 1156 erbaute Zisterzienser-Kloster wurde von Rein aus gegründet, in der 2. Hälfte des 15. Jh. von den Türken zerstört und 1784 aufgelöst. 1898 wurde es von Mehrerau aus renoviert. Sticna (= Sittich) war als Kristallisationspunkt der Landnahme vorgesehen. Wir halten uns ca. eine halbe Stunde (8.45 Uhr - 9.15 Uhr) in der Anlage auf und bestaunen die Architektur und künstlerische Ausgestaltung des Kreuzganges.
Anschließend geht es wieder zurück nach Ivancna Gorica, wo etwas östlich - bei Vir pri Sticni - in einer Karstquelle der erste Grottenolm entdeckt wurde.
Bei Trebnje zweigen wir in die Mirna-Furche Richtung Sevnica ab.
Im N liegt das Posavske hribovje/Save-Bergland, im S das Dinarische Gebirgssystem mit Kocevski rog; dazwischen dient die, 300 - 600 m überragte, breite Senkungszone der Suha Krajina als Durchgangsweg vom slowenischen in den kroatischen Zentralraum, da das Savetal wegen seiner Enge erst spät erschlossen wurde.
Seit 1908 bzw. 1938 verbindet eine Eisenbahn Trebnje und Mirna mit dem Tertiärbecken von Sevnica, wo Kohle gefördert wurde. Zwischen Mokronog und Tržišce breitet sich vor uns eine typische Unterkrainer Landschaft aus, mit zahlreichen Weilern, Bergkirchen und abwechslungsreicher landwirtschaftlicher Kulturlandschaft.
Das untere Mirnatal ist ein Engtalabschnitt mit Gesteinswechsel von Trias zur Kreide. Hier befinden wir uns in der 1. Wölbungszone des Save-Berglandes, das aus mehreren parallelen Wölbungszonen (auch Save-Falten genannt, z.B. Laibacher Burgberg) und Tiefenlinien besteht. Die Gipfel bestehen aus Trias-Kalken oder Trias-Dolomiten. Die Täler (Save, Sann, Mirna) brechen aber quer durch und zeichnen sich durch häufigen Wechsel von Engtalabschnitten und Talweitungen aus.
Gegenüber dem Zusammenfluss von Mirna und Save liegt Sevnica/Lichtenwald, angelegt auf einem mächtigen Terrassenkörper der Save (bei Boštanj zu einer Terrassentreppe modelliert). Die Stadt, ein kleines Regionalzentrum und Bahnknotenpunkt, liegt unmittelbar an der Grenze von Unterkrain zur Štajerska, die genau in der Mitte der Save verläuft.
Der Weinbau der Posavski rajon/Save-Region ist nicht auf großen Flächen landschafts-bestimmend, aber als Teil einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft kleinflächig von Bedeutung.
Nördlich erhebt sich die für Wanderungen gut erschlossene 948 m hohe Lisca. Die Reise in Richtung Planina und Šentvid pri Planini führt durch entlegene Passivräume, die in Slowenien ungefähr zwei Drittel der Gesamtfläche ausmachen. Bei Šentvid beginnt das Tertiär (mergeliges Alttertiär) mit sanfteren Landschaftsformen, nur selten unterbrochen von einer Steilstufe aus Miozän-Kalken.
Oberhalb von Šentvid (Haltepunkt von 10.45 Uhr bis 11.15 Uhr) tritt mitgefaltetes Tertiär auf, einzelne Tertiärstreifen reichen weit ins Save-Bergland hinein. Von hier aus reicht der Blick weit nach N ins Becken von Cilli, zum Bachern, Boc und Weitensteiner Zug, im E bis zum Hausberg von Varaždin, der Ivanšcica (1 059 m). Zagreb ist von hier aus nur 1½ Stunden entfernt. Grenznähe und schwach entwickelte grenzüberschreitende Beziehungen geben diesem Gebiet der Region Kozjansko außerordentlich periphere Wesenszüge. Kroatien hat hier sogar noch einen kleinen Alpenanteil.

Über Lesicno fahren wir Richtung Virštanj, einer Region mit Weinbau, Buschenschänken (Vinotoc) und gemischten Kulturen. Für die Vermarktung der bodenständigen Produkte dient hier - wie in vielen anderen Gebieten Sloweniens - eine der slowenischen Weinstraßen ("Vinska touristicna cesta").

Nach einem Fotostopp führt die Route weiter über Sela nach Golobinjek und Imeno, wo die Sotla (= Grenzfluss zu Kroatien) Sporne im Anstehenden durchbricht (Blick auf Grad Podcetrtek/Burg Windisch-Landsberg). Wenige Kilometer weiter nördlich passieren wir das moderne Thermalbad Atomske Toplice mit Wellness-Schwerpunkt. Defizite bestehen noch in Bezug auf Vernetzung mit dem Umland, z. B. durch Rad- und Wanderwege.
Um 12.05 Uhr fahren wir durch Rogaška Slatina/Rohitsch-Sauerbrunn, stark an Bad Gleichenberg erinnernd, eine multifunktionale Siedlung mit Glasfabrik, 11 Hotels mit 1 500 Betten und 250 000 Übernachtungen (= 9. Platz in Slowenien, vgl. Bad Gleichenberg: 230 000) und Kurverwaltung (1980: 1 180 Beschäftigte / 1995: 795). 1 000 Personen finden noch im Umfeld des Kurbetriebes Beschäftigung. Die erste Nennung (Mineralwasser) geht auf die Mitte des 12. Jh. zurück. 1803 wurden die Quellen von der steirischen Landesregierung übernommen, 1810 erste Trinkkuren angeboten, 1837 - 1847 das erste Hotel errichtet und 1908 die Donat-Quelle erschlossen. Mehrere Heilbäder sind an Thermenlinien beiderseits des Weitensteiner Zuges (Horst) angeordnet.


Wenige Minuten später erreichen wir Rogatec/Robitsch (1900: 500 Einwohner, 1961: 1 660, 1991: 4 900), wo wir Richtung N (Ptujska Gora) abzweigen. Nach etwa 4 km (bei Tlake) ragt östlich der Straße der markante, von hier aus kegelförmige Donacka Gora/Donatiberg (881 m) auf, ein Härtling aus Leithakalk und miozänen Konglomeraten, durch Jungtektonik aufgewölbt (Fotostopp). Die N-Seite trägt Buchen-Urwald, die S-Seite Flaumeichen und Hopfenbuchen.
Anschließend führt die Straße durch das niedere Bergland der Haloze/Kollos (= am N-Rand des Weitensteiner Zuges, meist Mergel und Sandsteine) und erreicht bei Breg das Tal der Dravinja/Drann. Sie entspringt auf der Rogla, fließt nördlich des Weitensteiner Zuges entlang und mündet südöstlich von Ptuj in die Drau.
Vom nahen Majšperk aus überwindet die Straße einen kleinen Anstieg auf das Savinsko/Dranntaler Hügelland (= Tertiär-Riedel), wo die gotische Wehrkirche Ptujska Gora/Maria Neustift mit dem berühmten Cillier Altar und einer Schutzmantelmadonna weithin sichtbar thront. Auch die Aussicht von hier auf das Draufeld, Pettauer Feld und den Bachern sowie die Windischen Bühel lohnt einen Abstecher zweifellos.
Die fluvioglaziale Aufschüttungsfläche des Dravsko polje (Pettauer Feld) trägt großblockige landwirtschaftliche Fluren, deren Böden aber ziemlich steinig sind, weil Kalk aus den S-Alpen in den Sedimenten stark vertreten ist. Große Teile des Feldes sind erst seit dem vorigen Jh. kultiviert, vorher handelte es sich weithin um extensives Weideland.
Zwischen Ptujska Gora und Ptuj liegt die Aluminium-Hütte von Kidricevo, mit Strom versorgt durch das 1968 erbaute Kraftwerk Zlatolicje. Bei Marburg wird das Wasser von der Drau ausgeleitet, fließt durch einen Kanal, wird an einer Gefällsstufe bei Zlatolicje abgearbeitet und bei Ptuj wieder eingespeist. Die Kraftwerke Zlatolicje und Formin verfügen jeweils über eine installierte Leistung, die etwa 50% - 75% eines durchschnittlichen österreichischen Donaukraftwerkes entspricht. In Slowenien wird Strom zu je einem Drittel aus Dampf-, Wasser- und Atomkraft erzeugt.
Nach dem Passieren von Zgornja Hajdina (Oberhaiden) und Spodnja Hajdina (Unterhaiden) treffen wir um etwa 13 Uhr in Ptuj/Pettau ein, das am Übergang von würmzeitlichen Terrassen zur Austufe in Burgfußlage liegt. Die Mittagspause - mit Möglichkeit individuell gestalteter Stadtrundgänge - dauert bis 15.20 Uhr.
Da der Chronist etwas ausgiebiger zu Mittag speiste als der Exkursionsleiter, verloren sich die beiden für kurze Zeit aus den Augen bzw. Ohren. Um eine Lücke im Bericht und Proteste seitens der Leserschaft zu vermeiden, wurden die folgenden Angaben über Ptuj dem Slowenien Reiseführer, Verlag Mladinska knjiga, Ljubljana 1999, S. 202-210, entnommen:
Funde in der Prešernova ulica/Prešerenstraße beweisen, dass die Gegend um Ptuj einer der ältesten kontinuierlichen Siedlungsräume Sloweniens ist. Der prähistorische Name Poetovio wurde von den Römern übernommen, die am rechten Drauufer ein Legionslager und eine zivile Siedlung anlegten, während am linken Ufer die ältere Siedlung der "Ureinwohner" bestehen blieb. Die wirtschaftliche Prosperität dieser Zeit ist aufs Engste mit der Bernsteinstraße verbunden, die hier am Nordufer der Drau entlang führte.
Das mittelalterliche Ptuj entwickelte sich am Fuße des Grajski gric/Schlossberges/ Burghügels, auf dem um 1125 der Salzburger Erzbischof Konrad I. ein neues Schloss erbauen ließ. Wegen der strategisch günstigen Verkehrs- und Handelslage blieb die Stadt bis ins 15. Jh. eines der wichtigsten Salzburger Besitztümer. 1376 erhielt sie das Stadtstatut in Form einer umfangreichen Rechtsniederschrift.
Mitte des 16. Jh. wurde Ptuj von den Habsburgern übernommen, wegen der Türkengefahr umfangreich befestigt (Basteianlagen, Drau-Turm, neue Schlossbefestigung) und erhielt das Aussehen einer typischen Renaissancestadt.


Nach dem Ende der Bedrohung durch die Türken entwickelte sich Ptuj im 18. Jh. zu einer provinziellen Ackerbürgerstadt und als im 19. Jh. die Eisenbahn durch Marburg trassiert wurde, sank die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt noch weiter. Im 20. Jh. dominierten deutsche Kaufleute und Handwerker das Wirtschaftsleben der Region, die Rivalität zwischen der deutschen und slowenischen Volksgruppe nahm zu. Nach der Gründung des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen 1918 (1929 Jugoslawien) sowie durch die Ereignisse im und nach dem 2. Weltkrieg wurde wie überall in Slowenien der deutschen Volksgruppe die Existenzmöglichkeit genommen. In den 90er Jahren des 20. Jh. - nach der so genannten Wende - trat man sowohl von österreichischer als auch slowenischer Seite der Aufarbeitung dieses heiklen Kapitels der gemeinsamen Geschichte zaghaft näher.
Eine Stadterkundung, die, wie in unserem Fall, zeitlich auf ein bis zwei Stunden begrenzt ist, könnte z. B. am Mestni trg/Stadtplatz beginnen, vielleicht vor dem Rathaus, welches nach Plänen des Grazer Architekten M. Ferstl d. J. 1906-1907 auf spätgotischen Fundamenten erbaut wurde.

Vom Stadtplatz gelangt man durch die Murkova ulica/Murkostraße ins Stadtzentrum. Sie ist ein Teil der alten Handelsstraße, die durch Ptuj führte, verbindet den älteren oberen mit dem jüngeren unteren Teil der mittelalterlichen Stadt und mündet in den dreieckigen Slovenski trg/Slowenischen Platz. Bis zum 12. Jh. bildete er den östlichen, naturgemäß befestigten Teil der Stadt. Der Stadtturm - in seiner heutigen Gestalt aus dem 16. Jh. - ist das zentrale Gebäude des Platzes. An seinem Sockel ließ ein Stadtkurat im 19. Jh. römische Grab- und Gedenksteine anbringen und schuf so das erste slowenische Freilicht-museum. Wenige Meter westlich vor dem Stadtturm steht das Orpheus-Denkmal, ein aus einem Stück gemeißelter 5 m hoher römischer Grabstein aus dem 2. Jh., mit Orpheus-Szenen als Reliefdarstellung. Die Cerkev Sv. Jurij/St.-Georgs-Kirche dürfte an der Stelle einer frühchristlichen Basilika aus dem 4. Jh. errichtet worden sein und weist Bauelemente von der Romanik (12. Jh.) bis zum Barock (17. Jh.) auf. Das Alte Rathaus (Nr. 6) und das Ljutomer-Haus (Nr. 5) sind sehenswerte Beispiele bürgerlicher Renaissance-Architektur.
Vom Slowenischen Platz führt die Prešerenstraße, das Rückgrat der mittelalterlichen Stadt, nach W. Sie hatte einst die Funktion einer Marktstraße: teils Durchgangsstraße, teils Marktplatz. Besonders auffallend das Bratonic-Haus (Nr. 4), an dem spätromanische Bauteile freigelegt wurden und dessen Erdgeschoß im Biedermeierstil umgebaut ist.
Die Prešerenstraße mündet im W - nach dem mächtigen Gebäude des Mali grad/Kleinen Schlosses - in den Muzejski trg/Museumsplatz mit Parkanlage und Dominikanerkloster. Von hier führt ein mit "Draunockerln" gepflasterter Weg hinauf zum Schlosskomplex, wo bereits seit Ende des 3. Jt. v. Chr. Siedlungsspuren nachzuweisen sind. Durch das mächtige Karlsportal betritt man den unteren Schlosshof und gelangt durch das Renaissance-Portal aus Marmor in den Innenhof, der von den Arkadengängen dreier Schlosstrakte umgeben ist. Einen ausgezeichneten Blick auf Ptuj bzw. das Pettauer Feld und dessen Hügel- bzw. Gebirgsumrahmung genießt man von der Ummauerung des unteren Schlosshofes. Der älteste Teil des Schlosses, der entlegene Westturm, stammt aus dem 10. Jh. und gilt als ältester Profanbau Sloweniens. Das Zentralgebäude wurde im 12. Jh. unter Erzbischof Konrad I. begonnen; das heutige Schloss ist das Ergebnis zahlreicher Bauphasen bis Ende des 17. Jh. und beherbergt u.a. das Regionalmuseum, eine Sammlung alter Musikinstrumente und eine Schlosskapelle. In einem ehemaligen Kornspeicher sind eine ethnologische und eine weinkundliche Sammlung untergebracht.
Vom Burgberg kann man auf verschiedenen Wegen bzw. Gassen wieder in die Altsadt hinuntergehen, z. B. über Na gradu/Am Schloss, Raiceva ulica und Miklošiceva ulica zurück zum Ausgangspunkt Mestni trg.

Von Ptuj aus fahren wir nach E Richtung Ormož an der kroatischen Grenze. Im Bereich Ptuj, Ormož und Ljutomer gibt es nur wenig Industrie (8 500 Beschäftigte).
Der Osten Sloweniens gilt mit 35% Ackerlandanteil (vgl. 15% in Gesamt-Slowenien) als Kornkammer des Landes. Von St. Johann im Saggautal (Kreuzberg = höchste Erhebung mit 633 m) über die Südsteirische Weinstraße bis hierher reichen die Slovenske gorice/ Windischen Bühel.

Im W sind sie stark von Leithakalken durchsetzt.
Bei Ormož biegen wir nach N Richtung Ljutomer ab, beinahe parallel zur Eisenbahnlinie nach Murska Sobota fahrend.
Nach wenigen Kilometern zweigt eine Weinstraße nach Jeruzalem ab. Der Name soll auf Kreuzritter zurückgehen, die es 1095/98 angeblich vorgezogen haben sollen, auf den Kreuzzug zu verzichten und in dieser schönen Gegend zu bleiben. Von 16 - 17 Uhr folgen wir ein wenig diesem Vorbild und nehmen in der Taverna "Jeruzalem" eine kleine Jause ein.
Von Jeruzalem schlängelt sich die Weinstraße in zahlreichen Windungen nach Ljutomer/ Luttenberg hinab. Die Salzburger Gründung - für diese Gegend typisch - wurde später eine Vorauer Pfarrei, erhielt 1265 das Marktrecht und wurde in jugoslawischer Zeit zur Stadt erhoben. In der Landwirtschaft dieser Region spielt Zuckerrübenanbau eine bedeutende Rolle.


Von Luttenberg geht es weiter durchs Mursko Polje/Murfeld, ungefähr Mur-parallel nach Gornja Radgona/Oberradkersburg. Im Zentrum des Feldes erstreckt sich eine breite Auwaldzone, in Zukunft als Schutzzone vorgesehen. Bei Veržej/Wernsee ist noch eine alte Babicev mlin/Flussmühle in Betrieb. Die Mur bildet die Grenze zwischen Untersteiermark und Prekmurje.
Die Thermen von Banovci oder Moravci wurden im Zuge der Prospektion von Erdöl entdeckt, das in Lendava auch gefördert wird. Um 17.45 Uhr fährt der Exkursionsbus durch den Kurort Radenci/Radein, dessen Mineralwasser 1902 sogar vom Kaiser in Wien und vom Papst im Vatikan getrunken wurde. Mit 100 000 - 120 000 Übernachtungen (40% Ausländeranteil) liegt Radenci in Slowenien am 15. Platz.
Im Zusammenhang mit dem Weinbaugebiet um Radenci hat Max Kleinoschegg in Radkersburg eine Sektkellerei gegründet - noch heute hat die Sekterzeugung hier eine große Bedeutung. Gornja Radgona/Oberradkersburg, dessen ältester Kern - eine Burgfußsiedlung - auf einem Tertiärsporn liegt, lebt heute in hohem Maße vom Einkaufstourismus. Nach dem 2. Weltkrieg zur Stadt erhoben, musste es 1991 im Unabhängigkeitskampf schwere Schäden hinnehmen. Heute ist davon nichts mehr zu sehen und beim Radkersburger Brückenfest wird die Freundschaft zwischen den beiden Nachbarstaaten immer wieder erneuert. Für die Zukunft ist die "Doppelstadt" als Mittelpunkt einer EU-Regio vorgesehen. In Bad Radkersburg gibt es noch 200 Personen mit slowenischer Muttersprache.

Nachdem wir um ca. 18 Uhr die Grenzbrücke passiert hatten, wurde die Exkursion offiziell für abgeschlossen erklärt.

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