Ziemlich genau 15 Jahre gibt es das Grazer Universitäts Orchester jetzt schon. Aber was heisst das eigentlich für ein Orchester - 15 Jahre? Naja. Übern Daumen 30 Programme aufwärts, weit mehr Konzerte, mehrere Tonträger, drei Tourneen und bislang sieben DirigentInnen. Wie viele Menschen beim GUO seit den Anfangstagen mitgewirkt haben, darüber gibt unsere "Ewige Mitgliederliste" Auskunft - vorweg: es waren viele. Und sicher nicht alle werden dort genannt. (Wer sich auf der Liste fälschlicherweise nicht wiederfindet, eine kurze Nachricht an office@guo.at genügt.)
Das gilt auch für die Chronik des GUO. Sie ist noch lückenhaft, Quellen liegen verstreut, und gerade zur historischen Rekonstruktion der Frühzeit sind wir oft allein auf die mündliche Überlieferung unserer ältestgedienten Mitglieder angewiesen. Einer von ihnen soll hier mit seiner spannenden Schilderung der Anfangstage des GUO zu Wort kommen:

So um Ostern 1992 tauchen auf den Unis plötzlich blaue Plakate auf mit etwa dem Inhalt: "Wir suchen heuer keine Ostereier, sondern streichfähige (?) Menschen ...(usw)" [1] Zum vereinbarten Termin erscheinen etwa 50(!) Leute mit höchst unterschiedlichen Vorstellungen, Erwartungen und musikalischem Können. "Drahtzieher" sind Vijay Upadhyaya, ein aus Indien stammender Gesangsstudent, der vorher bereits den Grazer Universitätschor gegründet hat, sowie Barbara Peyr, eine Violinstudentin als erste Konzertmeisterin. Es gibt dann 2 oder 3 Proben [2], "probiert" werden Teile aus Händels "Messias". Selbt die "Pifa" (Pastorale) ist für einige eine wirkliche Herausforderung. Nach dem Aufnehmen einer (leider verschollenen) ersten Adressenliste wird die Sache auf Herbst vertagt, denn der Chor braucht durchaus auch noch Probenzeit für die 3-4 angepeilten Stücke aus Händels Oratorium.
Im Herbst bei den ersten Proben im Saal der Salvatorpfarre ist die Zahl der Mitspieler dann auf etwa 20 geschrumpft und es sind nicht gerade die "Profis" übriggeblieben. Kurz vor Weihnachten 1992 werden dann nach harter und anstrengender Probenarbeit die "Sinfony", die Chöre "And the Glory of the Lord" und "For unto us a Child is born" sowie die "Pifa" aufgeführt.
Genannt wurde der Klangkörper damals "Orchester an den Grazer Universitäten", da "Universitätsorchester" rechtlich nicht möglich war.
Am 27.6.1993 folgt dann das erste "eigene" Konzert mit Werken von Vivaldi (Doppelkonzert), Elgar, Tschaikowsky (Elegie aus der Streicherserenade) und der "Simple Symphony" von Britten. Wegen Kürze des Programms spielen 4 Wahnsinnige (Namen der Redaktion bekannt) noch Schuberts Quartettsatz in c-moll. Von diesem Konzert gibt es keine Aufnahme.


Und so in etwa ging's dann weiter: nach zweijähriger Kennenlernphase als reines Streichorchester wurde dann alles amtlich. Und symphonisch. BläserInnen folgten und seine erste gemeinsame Konzertreise führte das junge Orchester 1995 nach Athen und Thessaloniki. Keine zwei Jahre später, und schon war auch die erste CD da.
Seither produziert das GUO Live-Mitschnitte jedes seiner traditionell so um die Sonnwenden stattfindenden Konzerte in der Aula der Karl- Franzens-Universität. Traditionell auch der Kampf mit der dortigen Akustik, zwischen Kunst und Kassa, und um Zuschauer. Über die Jahre aber hat sich das Orchester als vierter symphonischer Klangkörper und wohl grösstes Amateur-Orchester in Graz etabliert.
Weniger traditionell seit jeher die Programmwahl. 1996 wurde ein Werk beim Grazer Komponisten Georg Nierhaus in Auftrag gegeben und uraufgeführt, zwei Jahre später zwei von Franz Cibulka, im steirischen herbst 2002 dann ein Stück von Henrik Sande. In Weiz. Mit Cibulkas 1000 Fotographien, u.a., war das GUO 1998 durch die Niederlande getourt.
Im Jubiläumsjahr, 2002, ging's dann im Austausch mit dem ganz großartigen Valencianer Uni-Orchester (für alle, die ihr furioses Konzert im Minoritensaal versäumt haben ;) nach Spanien. Dort wurde bereits vorgefeiert, offiziell das Jubiläumskonzert gab's aber erst im Dezember, in der KFU-Aula. Wie gehabt.
Das Jubiläumsjahr brachte aber auch Neues. Einen neuen Dirigenten, Dejan Dacic, der dann doch fünf Jahre lang an seinem Orchester formen und herumfeilen würde, mit ihm nach Spanien und Finnland touren sollte. Seit Frühling 2007 steht das Grazer Universitätsorchester nun unter der Leitung von Nicolas Radolescu.
P.S. Es gibt auch eine genauere (wenn auch nicht lückenlose) Chronik der letzten Jahre - für Hinweise über Ausgelassenes, schlichtweg Falsches oder unglücklich Dokumentiertes sind wir immer dankbar. Ein kurzes E-Mail genügt.
[1] genauen Wortlaut weiss ich nicht mehr, Plakate leider verschollen
[2] Datum leider nicht in meinen Kalender eingetragen, daher auch nicht mehr eruierbar...

Für alle, die es ganz genau bzw. wissen wollen, wie es mit dem GUO seither weiter gegangen ist, haben wir eine Chronologie der Ereignisse von den Anfangstagen bis heute zusammengestellt.