Wie bei vielen anderen Kreuzblütengewächsen
(schwarzem und weißem
Senf, Kren, Wasabi,
Rauke)
sind auch bei den Kressen Isothiocyanate für den Würzwert
verantwortlich: Alle Kressen enthalten Glucosinolate, die durch
enzymatische Hydrolyse in starkschmeckende Isothiocyanate übergehen (siehe
auch schwarzer Senf).
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Blühende Gartenkresse
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Blüten der Gartenkresse
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Brunnen‑ und Gartenkresse enthalten Gluconasturtiin, das bei der Hydrolyse das
2-Phenylethylisothiocyanat (C6H5–CH2–CH2–NCS) ergibt.
In den Blättern der Kapuzinerkresse wurde dagegen Glucotropaeolin gefunden,
dessen Hydrolyseprodukt Benzylisothiocyanat (C6H5–CH2–NCS)
mit dem scharfen Prinzip des weißen Senfs sehr
nahe verwandt ist; allerdings ist es wesentlich flüchtiger.
Kapuzinerkressesamen enthalten Glucoputranjivin, dessen Hydrolyseprodukt das
Isopropylisothiocyanat ist.
Alle diese Isothiocyanate sind ziemlich flüchtig und gegenüber
Hitze und Feuchtigkeit nicht lange beständig;
daraus erklärt sich auch die große Empfindlichkeit des Kressearomas.
Kresseblätter sollte man immer frisch, niemals getrocknet, verwenden
und keiner unnötigen Hitze aussetzen.
Die Griechen kannten ein scharfschmeckendes Kraut persischen Ursprungs,
das sie mit dem Namen kardamon [κάρδαμον]
bezeichneten, wahrscheinlich eine Entlehnung aus dem Persischen. Auch
wenn die genau botanische Identität dieser Pflanze nicht bekannt
ist, so steht im Neugriechischen kardamo [κάρδαμο]
jedenfalls für die Gartenkresse (allerdings heißt Cardamom gleich). Davon kommt auch der moderne botanische
Gattungsname Cardamine für die verwandte Gattung
Schaumkraut mit dem bekannten Vertreter Wiesenschaumkraut, Cardamine pratense.
Das deutsche Kresse ist damit jedoch nicht verwandt, sondern gehört
möglicherweise zu dem ansonsten isolierten lettischen
griezīgs scharf
; andererseits könnte man
es aber auch mit der indoeuropäischen Wurzel GRAS
verschlingern, verdauen
in Verbindung bringen
(vergleiche altnordisch kras Leckerbissen
,
Sanskrit grasati [ग्रसति]
er ißt
, griechisch
gran [γρᾶν] nagen
). Siehe auch unter Zitronengras über die Etymologie von
Gras.
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Brunnenkresse
© Birgit Wende
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Eine erstaunlich geringe Anzahl von Sprachen benennt Kresse als Pfefferkraut
oder Pfeffergras
,
etwa jiddisch fefergros [פֿעפֿערגראָס],
ungarisch borsfű und
japanisch koshō-sō [胡椒草, こしょうそう, コショウソウ].
Nur letzteres ist eine standardsprachliche Bezeichnung, die ersteren beiden sind eher regionale Varianten.
Möglicherweise hat das georgisch Georgian c’ic’mat’i [წიწმატი]
eine ähnliche Ableitung (c’ic’ak’a [წიწაკა] Chili
).
Im Deutschen und in einigen anderen Sprachen stehen Pfefferkraut
oder ähnliche Bezeichnungen jedoch für
Bohnenkraut (im Ungarischen sogar für beide Kräuter).
Ebenfalls auf die tränentreibende Schärfe bezieht sich
der lateinische Pflanzenname nasturtium, der von den Römern vor allem für
Gartenkresse gebraucht wurde: Er leitet sich wahrscheinlich von
nasi-tortium Nasenqual
her
(nasus Nase
und torquere
quälen
) und bezieht sich auf den scharfen, beißenden Geruch.
Dieser Name steht in der botanischen Fachsprache für die Gattung der
Brunnenkresse; aber im umgangssprachlichen Englisch bedeutet er Kapuzinerkresse.
In vielen Sprachen trägt die Brunnenkresse einen Zusatz im Namen, der ihr
Vorkommen im ruhenden Wasser andeutet (indonesisch air,
finnisch vesi, englisch water,
italienisch acqua,
russisch voda [вода],
griechisch nero [νερό] Wasser
;
französisch fontain Brunnen
).
Über die Etymologie von Wasser in verschiedenen
indoeuropäischen Sprachen siehe Wasserpfeffer.
Die Kapuzinerkresse trägt vielfach Namen, die sich auf ihre
lateinamerikanische Herkunft beziehen, z.B. französisch
cresson d’Inde und schwedisch indiankrasse
indianische Kresse
(auch deutsch veraltet indische Kresse)
Andere Namen der Kapuzinerkresse dagegen spielen auf ihre Vermittlung durch katholische Ordensleute
an, z.B. bulgarisch latinka [латинка],
türkisch lâtin çiçeği und
kurdisch ladan [لادةن], wobei
sich das Element latin auf Rom als Sitz der römisch-katholischen
Kirche bezieht. Namen wie deutsch Kapuzinerkresse, französisch
capucine, holländisch capucienerkers,
italienisch cappuccina,
arabisch nabat al-kabuzin [نبات الكبوسين]
und russisch kaputsin-kress [капуцин-кресс]
wurden zusätzlich auch
wegen der Ähnlichkeit der Blüten mit den Mützen (Kapuzen) der
Kapuzinermönche gegeben. Der Name des Kapuzinerordens leitet sich
von italienisch cappuccio Mantelhaube
ab, verwandt mit
deutsch Kappe.
Der botanische Gattungsname der Kapuzinerkresse, Tropaeolum, wurde
nach griechisch tropaion [τρόπαιον, auch τροπαῖον] Trophäe
gebildet, worunter man in der Antike die Waffen des besiegten Gegeners verstand,
die als Siegeszeichen öffentlich gezeigt wurden. Der Bezug zur Pflanze
ergibt sich aus den schildförmigen Blättern und den (von der
Seite betrachtet) wie ein Helm geformten Blüten. Tropaion
selbst leitet sich von trope [τροπή] Wende
(auch der Zeitpunkt, an dem sich ein Kampf zur Niederlage wendet) ab und ist
folglich mit deutschen Wörtern wie Strophe (wenn sich der Vers wendet),
Tropen (innerhalb der beiden Wendekreise gelegen) oder Katastrophe
(der Moment, in dem sich das Schicksal wendet) verwandt. Die
indoeuropäische Wurzel ist TREP wenden
.