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Gewürznelke (Syzygium aromaticum [L.] Merr. et Perry)

Synonyme

pharmazeutischFlores Caryophylli
botanischEugenia caryophyllata, Caryophyllus aromaticus
AltgriechischΚαρυόφυλλον
Karyophyllon
Amharischቅርንፉድ
Krinfud
Arabischكبش قرنفل
كَبْش قَرُنْفُل, كَبْشُ قَرَنْفُل
Kabsh qarunfil, Kabsh qaranful
ArmenischՉոր Բողբոջ
Chor Poghpoch, Chor Boghbojh, Chor Bolboj
Assamesischলং
Long
AzeriMixək
Михәк
BaskischIltze-kanela, Iltzea
Bengaliলবঁগ, লবঙ্গ, লং
Lobongo, Long
Bodoलन
Lan
BretonischJenofl, Tach-jenofl
BulgarischКарамфил
Karamfil
BurmesischLey nyim bwint, Lay-hnyin
Chinesisch
(Kantonesisch)
丁香 [dìng hēung]
Ding heung
Chinesisch
(Mandarin)
丁香 [dīng xiāng]
Ding xiang, Ting hsiang
DänischNellike, Kryddernellike
DeutschNelke
Dhivehiކަރަންފޫ
Karanfoo
Dogriलौंग
Laung
Dzongkhaལི་ཤི་
Lishi
EnglischClove
EsperantoKariofilo
EstnischHarilik nelgipuu, Nelk
Farsiمیخک
Mikhak
FinnischNeilikka
FranzösischClou de girofle
GälischClòbha, Clo-mheas
GalizischCravo, Cravo de Olor
GaroLong mosola
Georgischმიხაკი
Mikhak’i, Mikhaki, Mixaki
GriechischΓαρίφαλο, Γαρύφανο, Καρυόφυλλα, Μοσχοκάρφι, Γαρύφαλλο
Garifalo, Kariofilla, Moschokarfi, Garyfano, Garifano, Karyofylla, Garyfallo, Garifallo
Gujaratiલવિંગ
Laving
HausaKanumfari
Hebräischציפורן, צפרן
צִיפּוֹרֵן, צִפֹּרֶן
Tsiporen
Hindiलौंग
Laung
IndonesischCéngké, Cengkih
IrischClóbh
IsländischNegull
ItalienischChiodo di garofano
Japanisch丁字, 丁子, 丁香
ちょうじ, ちょうこう
チョウジ, チョウコウ, クローブ
Chōji, Choji, Chōkō, Choko, Kurobu
Jiddischנעגעלען
Negelen
Kannadaಲವಂಗ
Lavanga, Krambu
KasachischКалампыр, Қалампыр
Kalampır, Qalampır
Kashmiriرونگ
Rong
KatalanischClau
KhasiLong
KhmerKhan pluu, Khlam puu
Koreanisch정향, 정향나무, 클로브
Jeonghyang, Chonghyang, Jeonghyang-namu, Chonghyang-namu, Kullobu
KroatischKlinčić
Laoກ້ານພູ
Kan phou
LateinischCariofilum, Gariofilum
LettischKrustnagliņas
LitauischGvazdikėliai, Kvapusis gvazdikmedis
Maithiliलङ्ग
Long
MakedonischКаранфил
Karanfil
Malayalamഗ്രാമ്പ്, ഗ്രാമ്പൂ, ഗ്രാന്പു, കറന്പൂ, കറയാം, കറയാന്പൂ, കരയാമ്പൂ, കരയാന്പൂ, കറയാമ്പ്, കരയാന്പൂ
Grampu, Granpu, Karampoo, Karayam, Karayampu, Karayanpoo
MaltesischQronfol
MalaysischBunga cengkeh
Manipuri (Meitei-Lon)লৌং
ꯂꯧꯡ
Loung
Marathiलवंग
Lavang
MizoLawng par
Nepaliल्वाङ्ग
Lwang
Newari
(Nepalbhasa)
लंवँ, लवू
Langvang, Lavu
NiederländischKruidnagel
NorwegischNellik
Oriyaଲବଙ୍ଗ
Labanga
PashtoKala
PolnischGoździków korzenny, Goździki, Goździki (Plural)
PortugiesischCravinho; Craveiro-da-índia (Baum); Cravo-da-índia (Brasilien)
Punjabiਲੌਂਗ
Laung
RumänischCuișoareCuişoare
RussischГвоздика
Gvozdika
SanskritShriisanjnan, Lavanga
SchwedischNejlikor, Kryddnejlikor
SerbischКаранфилић, Клинчић плод, Клинчић
Karanfilić, Klinčić plod, Klinčić
Sinhalaකරාබු නැටි, කරාබු
Karabu nati, Karabu
SlovenischDišeči klinčevec, Klinčki, Nageljnove žbice
SlowakischKlinček
SpanischClavo, Clavo de olor
SrananNagri
SwahiliKarafuu
TagalogClovas de comer, Klabong pako
TajikischМехак
Mekhak
Tamilகராம்பு, கிராம்பு
Graambu, Krambu, Karambu, Kirambu
Teluguలవంగాలు, లవంగము
Lavangalu, Lavangamu
Thaiกานพลู
Kan plu, Kaanphlu
Tibetischལི་ཤི་
Lishi
Tigrinyaቅንፍር
Qenfer
TschechischHřebíček
Tuluಲವಂಗೊ
Lavango
TürkischKaranfil, Karanfil baharatı
TürkmenischGwozdika
Гвоздика
UngarischSzegfűszeg, Szegfű
Urduلونگ
Loung
UzbekischQalampir
Қалампир
VietnamesischĐinh hương
Dinh huong
WalisischClawlys, Clof
WeißrussischГваздзікі, Гваздзіка
Gvazdziki, Hvazdzika
Syzygium aromaticum: Gewueznelke
Gewürznelken
Syzygium aromaticum: Frisch geerntete Gewuerznelken
Zum Trocknen ausgebreitete frischgeerntete Nelken
Verwendeter Pflanzenteil

Blüten­knospen. Auch aus den Blättern läßt sich ein ätherisches Öl gewinnen, aber ich kenne keine kuli­narische Ver­wendung der Blätter (obwohl sie potentiell sicher interessant wären). Die reifen Früchte (Mutter­nelken) werden nur in den Anbau­gebieten genutzt.

Pflanzenfamilie

Myrtaceae (Myrten­gewächse).

Syzygium aromaticum: Trocknende Nelken in Zanzibar
Trocknende Gewürznelken in Sansibar

Photo © Nicole Meyer

Geruch und Geschmack

Intensiver, stark aro­matischer und süßer Geruch, starker und bren­nender Ge­schmack.

Inhaltsstoffe

Gewürznelken können bis zu 15% ätherisches Öl enthalten. Das Aroma des Öls wird vom Eugenol (70 bis 85%) bestimmt, weiters sind Eugenolacetat (15%) und β-Caryophyllen (5 bis 12%) enthalten; diese drei Verbindungen allein machen etwa 99% des ätherischen Öls aus.

In den Gewürznelken finden sich weiters 2% des Triterpens Oleanolsäure.

Herkunft

Der Nelkenbaum ist in den Nordmolukken (Indonesien) einheimisch und wurde von alters her auf den Inseln Ternate, Tidore, Bacan und der Westküste Halmaheras kultiviert. Die Holländer verbreiteten den Baum auch zu anderen Inseln der Region (vor allem Ambon), aber erst nach dem Ende des holländischen Monopols wurde die Pflanze auch in andere Ländern eingeführt.

Syzygium aromaticum: Sultanat von Pemba und Zanzibar (Staatsflagge)
Die Flagge des ehemaligen Sultanats von Pemba und Sansibar

Das bedeutendste Anbaugebiet ist heute die Insel Pemba, die zusammen mit Sansibar einen Teil des Staates Tansania bildet. Die ganze Insel ist mit Nelkengärten bedeckt, und angeblich riecht man ihre Nähe, sobald man sich ihr auf einem Schiff nähert. Das kurzlebige Sultanat von Sansibar und Pemba (1963–1964) hatte zwei Nelkenknospen in der Staatsflagge. Auch andere Inseln östlich von Afrika produzieren Nelken, vor allem Madagaskar.

In Indonesien ging die Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg stark zurück, so daß sogar Nelken eingeführt werden mußten. Seit den 80er Jahren ist Indonesien wieder ein bedeutender Nelkenproduzent, auch wenn relativ wenig von der indonesischen Ernte in den Export gelangt.

Etymologie

Der Name Nelke leitet sich von Nagel her, da die Knospen in der Form an Nägel erinnern. Analoge Namen kann man auch in anderen germanischen und germanisch beeinflußten Sprachen finden: Norwegisch nellik, dänisch nellike, isländisch negull, schwedisch neijlikor, jiddisch negelen [נעגעלען], finnisch neilikka, estnisch nelgi und Sranan nagri.

Syzygium aromaticum: Pohon cengkeh afu
Alter Gewürznelkenbaum auf Ternate
Syzygium aromaticum: Mutternelke
Nelkenbaum mit Mutternelken
Syzygium aromaticum: Nelkenbäume in Sulawesi
Nelkenbäume in Nordsulawesi

Das Wort Nagel (alt­hochdeutsch nagal) hat Verwandte in praktisch allen indo­europäischen Sprachen und bedeutet primär Finger- oder Zehennagel; die Bedeutung (Metall-)Stift mit flachem Kopf ist sekundär und auf germanische Sprachen beschränkt: altirisch ingen, lateinisch unguis Nagel, lettisch nags Huf, griechisch onyx [ὄνυξ] Kralle, Sanskrit anghri [अंघ्रि] Fuß. Die zugrunde­liegende indo­euro­päische Wurzel ließ sich wegen des schwan­kenden Voka­lismus nur schwer er­schließen, aber mit der Laryngal­theorie ergibt sich H₃NOGʰ oder H₃N̥Gʷʰ (mit ver­schiedenen Erweite­rungen) Nagel, Kralle als recht zuver­lässige Ver­mutung.

Die Bezeichnung von Gewürz­nelken als Nägel oder Nagel­gewürz findet sich auch in anderen Sprachen, beispiels­weise russisch gvozdika [гвоздика] von gvozd’ [гвоздь] Nagel. Weitere Beispiel sind die Namen von Nelken in einigen Sprachen West- und Zentralasiens: Georgisch mikhak’i [მიხაკი], Azeri mixək und Farsi mikhak [میخک] hängen mit Azeri mıx und Farsi mikh [ميخ] Nagel zusammen. Letztlich stammt der Name wahrscheinlich aus einer altaischen Sprache, vgl. türkisch mıh und Uighur mih Nagel

Auf ähnliche Weise hat auch das hebräischen tsiporen [ציפורן] die doppelte Bedeutung Gewürznelke und Fingernagel, obwohl das Hebräische natürlich nicht mit den zuvor erwähnten Sprachen verwandt ist. In seiner althebräischen Form tsipporen [צפרן, צִפֹּרֶן] tritt das Wort auch im Alten Testament auf, allerdings nur in den Bedeutungen Fingernagel und Spitze, aber nicht für das Gewürz. Gewürznelken erreichten den Mittelmeerraum wahrscheinlich erst im ersten oder zweiten Jahrhundert vor Christus.

Noch eine weitere nicht verwandte Sprache benennt Gewürznelken nach Nägeln: Das baskische iltze-kanela bedeutet wörtlich Zimt-Nagel (iltzatu Nagel); auch die Kurzform iltzea ist möglich. Das Gewürz wurde also zugleich nach seiner Form und, wenn auch etwas ungenau, nach seinem Geruch benannt. Siehe indonesischen Zimt für die Etymologie des zweiten Wortbestandteiles.

Syzygium aromaticum: Ternate Molukken/Maluku Indonesien
Blick auf die Insel Ternate von Tidore
Syzygium aromaticum: Kota Ternate from Gamalama
Ternate City
Syzygium aromaticum: Nelkenblüten
Gewürznelkenblüten
Syzygium aromaticum/Myristica fragrans: Monas Kota Ternate / Maluku Utara / Indonesia
Denkmal für Muskat und Nelke am Hauptplatz von Ternate

Schwedisch krydd­nejlikor oder niederländisch kruidnagel sind verstärkende Bildungen ganz analog zu Gewürznelke; für die ersten Bestandteil siehe Bohnenkraut bzw. Beifuß.

Englisch clove Gewürznelke hat einige Verwandte in romanischen Sprachen: Spanisch clavo, katalanisch clau, portugiesisch cravinho (vgl. auch Tagalog clovas). Auch diese Namen tragen Assoziationen zu Nägeln: Lateinisch clavus Nagel. Das englische clove hat auch die Bedeutung Zehe in der Formulierung eine Zehe Knoblauch; diese beiden Bedeutungen sind verwandt und lassen sich semantisch auf das Spalten (engl. cleave) zurück­führen. Genauere Betrachtung zeigt, daß unser deutsches Wort Knoblauch ebenfalls zu dieser Sippe gehört (siehe dort über weitere etymologische Zusammenhänge von clavus).

Aus dem Altgriechischen ist der Name karyophyllon [καρυόφυλλον] für die Gewürznelke überliefert; dabei scheint es sich um eine Zusammensetzung aus karyon [κάρυον] Nuß und phyllon [φύλλον] Blatt zu handeln. Allerdings sind die meisten Namen für Importgewürze im Altgriechischen den Sprachen der jeweiligen Händler entlehnt, z.B. Zimt, Kassie, Sesam, langer Pfeffer, Malabathron und Ingwer; daher hege ich Zweifel am griechischen Ursprung dieses Namens. Wahrscheinlicher ist die volksetymologische Umdeutung eines süd- oder südostasiatischen Lehnwortes. Als Quelle kommen vor allem Sprachen Indiens in Betracht; so gibt es z.B. im Sanskrit den Namen katuka phala [कटुक फल] scharfe Frucht für eine leider nicht identifizierte Pflanze (beide Worte haben keinen indoeuropäischen Ursprung, wahrscheinlich stammen sie aus einer alten indischen Spache, z.B. Tamil oder Munda). Da Nelken vorwiegend an den Häfen Südindiens gehandelt wurden, ist es interessant, daß in einigen Sprachen der Region sehr ähnliche Namen für Nelken existieren: Tamil karambu [கராம்பு] und Malayalam karayanpu [കറയാന്പൂ]. Vergleiche auch Thai kanphlu [กานพลู], Lao kanphu [ກ້ານພູ], und Sinhala karabu [කරාබු]; dagegen ist japanisch kurobu [クローブ] einfach eine moderne Adaption des englischen clove; der echte japanische Name der Nelken hat chinesische Wurzeln.

Das altgriechische karyophyllon [καρυόφυλλον] ist nicht nur im neugriechischen garifalo [γαρίφαλο] Gewürznelke erhalten, sondern erreichte über das lateinische gariofilum auch einige moderne romanische Sprachen (italienisch garofano, französisch girofle). Weiters in diese Sippe gehören türkisch karanfil, serbisch karanfilić [каранфилић], bulgarisch karamfil [карамфил], kasachisch qalampır [қалампыр], Dhivehi karanfoo [ކަރަންފޫ], Swahili karafuu und einige Namen in semitischen Sprachen: Arabisch al-qaranful [القرنفل] und amharisch krinfud [ቅርንፉድ].

Syzygium aromaticum: Gewüznelkenblätter
Gewürznelkenblätter
Syzygium aromaticum: Unreife Gewürznelken
Junge Gewürznelken

In einigen Sprachen teilen die Gewürznelken einen Namen mit der duftenden Zier­pflanze Dianthus caryo­phyllatus, so z.B. deutsch Nelke, italienisch garofano, griechisch garifallo [γαρύ­φαλλο], weiß­russisch gvazdziki [гваздзікі] und russisch gvozdika [гвоздика]. Auf Englisch kennt man die Zier­blume auch als gilly­flower; dieses Wort hängt etymo­logisch mit griechisch karyo­phyllon zusammen und ist daher mit den im vorigen Absatz genannten Namen für Gewürz­nelken verwandt.

Eine andere Gruppe von Namen für Nelken findet man in Indien, z.B. Pashto und Urdu lung [لونګ, لونگ], Kashmiri rong [رونگ], Hindi und Punjabi laung [लौंग, ਲੌਂਗ], Gujarati laving [લવિંગ], Bengali labango [লবংগ] und Telugu lavangalu [లవంగము]. Für diese Namen wird meist ein malaiischer Ursprung vermutet, obwohl Nelken in modernem Indonesisch und Malay cengke heißen. Vgl. aber Tagalog klabong.

Syzygium aromaticum: Gewürznelkenschiff
Modell eines Segelschiffes aus Gewürznelken (Molukken-Kunsthandwerk)

Auf Tamil und Malayalam bedeutet ilavangam [இலவங்கம், ഇലവംഗം] über­raschender­weise jedoch Zimtbaum. Manche Wörter­bücher listen allerdings auch Nelke als Neben­bedeutung.

Der botanische Gattungs­name Syzygium leitet sich von griechisch syn [σύν] zusammen, mit und zygon [ζυγόν] Joch (von zeugnynai [ζευγνύναι] verbinden) ab. Diese Benennung bezieht sich auf die Blütenblätter, die zu einer haubenartigen Struktur verwachsen sind.

Die chinesische Bezeichnung für Gewürznelken ist ding xiang [丁香], auch als ting hsiang oder ähnliches transkribiert und als dinh huong [đinh hương] ins Vietnamesische und als chong-hyang [정향] ins Koreanische entlehnt (das analoge japanische cho-ko ist dagegen weniger üblich). Dabei steht xiang einfach für Gewürz, Wohlgeruch. Dieses Zeichen ist oft Bestandteil der Namen von Gewürzen oder aromatischen Zubereitungen und kommt auch im Namen Hongkong vor (kantonesisch heung gong [香港], Mandarin xiang gang [香港] duftender Hafen).

Der Bestandteil ding bedeutet im modernen Chinesisch kleines Objekt und bezeichnet übrigens auch eine Schneidetechnik, Fleisch in ziemlich kleine Stücke zu schneiden; andere mögliche Bedeutungen sind vier, Stück oder ein männlicher Vorname, aber es kann nicht Nagel heißen. Trotzdem nehme ich an, daß auch ding xiang ursprünglich Nagelgewürz bedeutet hat: Erstens steht die Form des Zeichens für einen Nagel, der im modernen Chinesisch ebenfalls ding [] heißt (das letztere Zeichen besteht aus jin [] Metall und ding [] als phonetischem Komplement und bedeutet daher etwas aus Metall, was wie ding gesprochen wird). Zweitens wird das koreanische chong-hyang in der veralteten sino-koreanischen Schreibweise als 釘香 mit der traditionellen Variante des Nagel-Zeichens geschrieben; vielleicht war die analoge Schreibung auch im Chinesischen früher üblich, obwohl 钉香 zumindest heute nicht gültig ist.

Ausgewählte Links

Indian Spices: Cloves (indianetzone.com) Ilkas und Ullis Kochecke: Nelke (rezkonv.de via archive.org) A Pinch of Cloves (www.apinchof.com) The Epicentre: Cloves Chinese Herb Database: Cloves Medical Spice Exhibit: Cloves (via archive.org) (via archive.org) chemikalienlexikon.de: Acetyleugenol Transport Information Service: Cloves Sorting Syzygium names (www.plantnames.unimelb.edu.au) The Mythic Chinese Unicorn zhi: The Cinnamon Route (via web.archive.org) The Economist: A Taste of Adventure


Syzygium aromaticum: Nelken-Blüte
Nelken-Blüte

Gama lama auf Ternate / Maluku Utara / Indonesia
Der Vulkan Gamalama dominiert die ganze Insel Ternate
Gewürznel­ken sind ein uraltes Gewürz und wurden wegen ihres außer­gewöhnlich starken Aromas seit der Antike von Köchen in Europa, Nordafrika und dem größten Teil Asiens sehr geschätzt.

Die frühesten gesicherten Hinweise auf den Nelken­handel betreffen China und sind etwa 2500 Jahre alt (ein wesentlich ältererer archäologischer Hinweis aus einer mesopotamischen Fundstelle in Nordsyrien ist dagegen zweifelhafter Natur). Der Handel zwischen der Nelkeninsel Ternate und dem kaiserlichen China läßt sich bis zur Han-Dynastie Jahre zurückverfolgen. Nelken wurden im alten China nicht nur zum Kochen verwendet (s.u.), sondern auch zur Desodoration der Raumluft; wer sich um eine Audienz beim Han-Kaiser bemühte, mußte zuerst eine Nelke kauen, um etwaigen Mundgeruch zu vertreiben. Arabische Händler brachten die Gewürznelken noch in der Spätantike nach Europa, wo sie teuer gehandelt wurden.

Als die Europäer in der frühen Neuzeit schließlich die sagenhaften Gewürzinseln gefunden hatten, versuchten sie mit allen Mitteln, die Gewürzversorgung zu sichern. Dem staunenden Besucher zeigen sich heute auf der kleinen Insel Ternate (9 km Durchmesser) Forts aller Seefahrernationen Europas: Mindestens zehn Befestigungen portugiesischen, spanischen, englischen und schließlich holländischen Ursprungs haben sich bis heute zumindest in Trümmern erhalten. Letztlich gewannen die Holländer die Vorherrschaft und erhielten das ganze 17. Jahrhundert über ein Monopol aufrecht, das ihnen enorme Profite garantierte.

Doch haben die Holländer auf Ternate viel weniger Spuren hinterlassen als auf den muskatproduzierenden Banda-Inseln. Immer noch bewohnt der islâmische Sultan der Insel seinen mit chinesischem Porzellan aller Epochen geschmückten Palast (kraton), opfert traditionsbewußt auch hinduistischen Göttern und besteigt bei einem drohenden Ausbruch des Inselvulkans Gamalama (1700 m) sein magisches Kanu, um den Berg durch dreimaliges Umrudern der Insel zu besänftigen, wie es bereits seine Vorfahren in hinduistischer und vorhinduistischer Zeit getan haben mögen. Man sollte sich aber von diesem Bild idyllischer Rückständigkeit nicht täuschen lassen; Ternate ist wirtschaftlich produktiv, fungiert als Verwaltungszentrum für die Nordmolukken und der Sultan ist als Repräsentant der indonesischen Regierung auch oft mit internationalen Missionen betraut. Letztlich habe ich kaum einen anderen Ort in Indonesien gesehen, dessen Bewohner einen so ausgeprägten Lokalpatriotismus zeigen.

Erstaunlicherweise werden Gewürznelken heute in der Küche der Molukken nicht (oder zumindest äußerst selten) verwendet; in ganz Indonesien sind sie gar kein wichtiges Gewürz. Dennoch verbrauchen Indonesier mehr als 50% der Welternte. Aber, oh weh!, nicht zum Essen, sondern zum Rauchen: Die mit Nelken aromatisierten Zigaretten (kretek, Nelkenzigaretten) sind extrem beliebt und so gut wie jeder (männliche) Indonesier raucht sie mit Begeisterung. Ihr süßlicher, räucherstäbchenartiger Duft liegt über allen indonesischen Restaurants, Bussen, Märkten und Büros (siehe Tonka über gewürzten Tabak).

Syzygium aromaticum: Filter Kretek Cigarettes Gudang Garam International
Indonesische Gewürznelkenzigaretten (kretek)

Es ist nicht möglich, alle Küchen, in denen Nelken verwendet werden, aufzuzählen; sie sind bei den Chinesen beliebt, spielen eine wichtige Rolle in Sri Lanka, werden in großem Umfang von der mogulischen Küche Nordindiens genutzt (siehe auch schwarzer Kreuzkümmel), erfreuen sich großer Beliebtheit im Mittleren Osten und in vielen arabischen Ländern und sind ein übliches Gewürz in Nordafrika. In all diesen Ländern liebt man sie vor allem zu Fleischspeisen; oft würzt man auch Reis mit ein oder zwei Nelken. In Äthiopien wird Kaffee oft zusammen mit einigen Nelken in der sogenannten Kaffeezeremonie geröstet (siehe dazu auch Cardamom). Nur in Europa scheint ihr starker Geschmack weniges Anklang zu finden: Man verwendet sie fast nur zu Süßspeisen, allen voran zu Kompotten (oft zusammen mit Zimt). Gekochter Reis wird oft mit Nelken gewürzt. In Frankreich fügt man Nelken häufig langsam gekochten Eintöpfen oder schmackhaften Fleischbrühen hinzu; in England verwendet man sie dagegen besonders zu eingelegtem Gemüse (pickles).

Es wird nicht überraschen, daß auch viele Gewürzmischungen Nelken enthalten. Sie sind eine essentielle Zutat zu dem chinesischen Fünf-Gewürze-Pulver (siehe Sternanis), tauchen oft im Curry-Pulver auf (siehe Curryblätter), bestimmen den Charakter der mogulischen Variante des nordindischen garam masala (siehe Kreuzkümmel) und sind auch im arabischen baharat (siehe Paprika) enthalten. Als Beispiele für den weißafrikanisch-arabischen Raum seien das marokkanische ras el hanout (siehe Kubebenpfeffer), das tunesische gâlat dagga (siehe Paradieskörner) und das äthiopische berbere (siehe langer Pfeffer) genannt. Auch die klassisch französische Mischung quatre épices (siehe Muskat) enthält Nelken. Letztlich sind Nelken auch in México in die einheimische Küche eingegangen (siehe Paprika über mole-Saucen).

Der Geschmack der bekannten Worcestershire Sauce (auch Worcester geschrieben), eines anglo-indischen Beitrages zur internationalen Küche, ist ebenfalls von Nelkenaroma bestimmt. Die Sauce besteht aus verschiedenen Gewürzen (neben Nelken häufig noch Knoblauch, Tamarinde, Paprika oder Chilies), weiters Fischextrakt, manchmal Sojasauce, Melasse, Essig (oder Zitronensaft) und Salz. Es gibt kein Originalrezept; deshalb können sich die Produkte verschiedener Hersteller deutlich voneinander unterscheiden. Mir schmeckt diese Sauce am besten zu Gemüse, aber das kann eine Frage des persönlichen Geschmackes sein; in der englischen Küche wird sie auch für Fleisch und besonders Rührei viel verwendet, und man kann alle Arten von Saucen oder Bratensäften damit abrunden.

Wie viele andere britische Ortsnamen hat auch Worcester eine ungewöhnliche Aussprache: [ˈwʊ.stə].



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