EinleitungGeographieMenschliche BesiedelungsgeschichteDas KlimaBiogeographie unter besonderer Berücksichtigung der Gattung NothofagusSchlüssel für die Samenpflanzen-FamilienTasmaniensSchlüssel für die Samenpflanzen-Gattungen Tasmaniens Schlüssel für die Farngattungen TasmaniensDie Vegetationkühltemperierte RegenwälderEucalyptuswälderVegetation der alpinen StufeDie FlechtenfloraForstwirtschaftVegetationsbilderLiteraturLinksfor any comments or corrections please contact Helmut Mayrhofer Adresse: Karl-Franzens Universität Institut für
Botanik,
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Die
Flechtenflora von Tasmanien
von* Gintaras Kantvilas & Helmut Mayrhofer Übersicht: Einleitung
Einleitung Die ersten Flechten Tasmaniens wurden 1792 von J. J. de la Billardière gesammelt (Kantvilas 1983). In der Folge wurden von den ersten Erforschern und später von den ansässigen Naturkundlern und Pflanzensammlern Material an europäische Spezialisten (Babington, Hooker, Jatta, Krempelhuber, Müller-Argoviensis, Stirton, Taylor) zur Bearbeitung gesandt, von denen nur Hooker die Insel persönlich besucht hat. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden auch einige wichtige Beiträge von den australischen Lichenologen Shirley and Wilson publiziert. Nach einer Frist von über einem halben Jahrhundert wurde seit den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts den Flechten wieder verstärktes Interesse entgegengebracht. Das Hauptgewicht der Studien war taxonomischen und floristischen Themen vorbehalten, aber es wurden auch erhebliche Fortschritte auf dem Gebiet der Soziologie und Ökologie getätigt, vor allem hinsichtlich der Flechten der Regenwälder (Kantvilas 1996a). In der aktuellen Checkliste der Flechten Tasmaniens (Kantvilas 1994a) werden mehr als 760 Arten aus 210 Gattungen gelistet. Wichtige Ergänzungen fallen fortlaufend im Zuge von aktuellen Bearbeitungen an (Galloway 1997, Kantvilas 1994b, 1996b, 1996c, 1998a, 1998b; Kantvilas & Elix 1994, 1995; Kantvilas & Vezda 1996; Lumbsch 1994; Malcolm & al. 1995; Mayrhofer & al. im Druck; McCarthy 1995a, 1995b; McCarthy & Kantvilas 1997). Die Krustenflechten sind nachwievor wesentlich schlechter bekannt, als die Laub- und Strauchflechten. Die größten Gattungen der tasmanischen Flechtenflora sind Bunodophoron (11 Arten), Cladonia (45), Collema (19), Hypogymnia (14), Leptogium (11), Menegazzia (23), Pertusaria (15), Porina (14), Pseudocyphellaria (17), Psoroma (ca. 20), Ramalina (11), Rinodina (c. 20), Usnea (19) und Xanthoparmelia (49). Vor allem unter Berücksichtigung ihrer Biomasse in bestimmten Vegetationseinheiten oder an besonderen Standorten sind die Gattungen Cladia, Micarea und Siphula hervorzuheben (Kantvilas 1996). Biogeographische BeziehungenDie tasmanische Flechtenflora läßt sich folgenden Elementen zuordnen: südlich kühl temperiert, südlich warm temperiert, subantarktisch, kosmopolitisch, pantemperiert, bipolar, tropisch und endemisch (Kantvilas 1996a). Die größten floristischen Ähnlichkeiten bestehen mit Neuseeland und Südostaustralien (Galloway 1979, 1990; Jørgensen 1983), aber enge Beziehungen mit Südamerika sind augenscheinlich und in geringerem Ausmaß mit Südafrika und Indien (Rogers & Stevens 1981). Diese Verhältnisse werden heute überwiegend auf den gemeinsamen Ursprung dieser Landmassen (Gondwanakontinent) zurückgeführt (Kantvilas 1996a).Südliches kühl temperiertes ElementDieses Element ist vor allem an kühlen und feuchten Standorten markant. Es dominiert in Regenwäldern (Kantvilas et al. 1985) mit Arten der Gattungen Austroblastenia, Bunodophoron, Degelia, Fuscoderma, Menegazzia, Metus, Pseudocyphellaria, Psoroma, Psoromidium, Roccellinastrum und Sagenidium. Es ist aber auch beachtlich in baumlosen Vegetationseinheiten, wie dem "buttongras moorland" (Kantvilas & Jarman 1988) und in den alpinen Gesellschaften vertreten (Kantvilas 1995). Seine engsten geographischen Beziehungen bestehen mit Neuseeland, dem südlichen Südamerika und Südostaustralien. Man findet dieselben oder nahe verwandte Arten in denselben ökologischen Nischen dieser Regionen (Galloway 1987, 1988).Südliches warm temperiertes ElementArten dieses Elementes kommen überwiegend in Hartlaubwäldern, Küstenheiden und in geringerem Umfang im "buttongras moorland" vor. Viele Arten kommen auf Felsen und Erde vor, während andere epiphytisch auf Eucalyptus, Acacia und anderen Bäumen oder auf verkohltem Holz siedeln. An auffallenden Flechten sind Arten der Gattungen Xanthoparmelia, Cladia, Heterodea, Thysanothecium und Neophyllis zu nennen. Dieses Element hat die größten Beziehungen mit dem Festland Australiens, obwohl auch einige Ähnlichkeiten mit dem südlichen Afrika und Indien zu finden sind. Im Vergleich mit dem Festland Australiens ist dieses Element in Tasmanien relativ schwach repräsentiert, wo nur häufige und weit verbreitete Arten vorkommen (Kantvilas 1996a).Subantarktisches ElementIn Tasmanien ist dieses Element in alpinen Lagen gut entwickelt, wo es durch Arten der Gattungen Placopsis, Siphulastrum, Siphula und Neuropogon charakterisiert ist. Im "buttongras moorland" sind Knightiella splachnirima, Lithographa subantarctica, Fuscidea absolodes, Micarea austroternaria, M. isabellina und Stephanocyclos henssenianus zu nennen. Das subantarktische Element ist auch an Meeresfelsen der südlichen Küsten mit Turgidosculum complicatum, Rinodina peloleuca und Caloplaca cribrosa vertreten (Kantvilas 1996a, Matzer et al. 1998).Kosmopolitisches ElementDieses Element beinhaltet Arten mit weltweiter Verbreitung und ist in den meisten Vegetationseinheiten Tasmaniens vertreten. Einige Arten der Gattung Cladonia, zum Beispiel C. scabriuscula, C. chlorophaea und C. ramulosa oder die Waldepiphyten Thelotrema lepadinum und Dimerella lutea gehören hierher. Typische kosmopolitische Arten tendieren dazu, gestörte Standorte zu besiedeln. In der natürlichen Vegetation kommen sie auf frisch aufgeworfener Erde (Stereocaulon ramulosum und Trapeliopsis granulosa) oder an den Ränderen bzw. in den Kronen geschlossener Wälder vor (Parmotrema chinense und Usnea rubicunda). Arten dieses Elements sind besonders häufig an Standorten, die durch menschlichen Einfluß geschaffen oder verändert worden sind. Daher sind Physcia adscendens und Punctelia subrudecta häufig die dominierenden epiphytischen Flechten in Parkanlagen und Gärten, währenddessen Neofuscelia pulla sogar auf geteerten Gehwegen und Xanthoria parietina auf Dachziegeln und exotischen Bäumen vorkommen (Kantvilas 1996a).Pantemperiertes ElementDieses Element ist auch in den meisten tasmanischen Vegetationseinheiten vorhanden, wenn auch es in den Regenwäldern besonders verbreitet ist. Typische Arten sind die kleinen Krustenflechten Arthothelium ilicinum, Chaenotheca brunneola, Cliostomum griffithii, Leproloma membranacea, Lecanactis abietina und Lopadium disciforme, die am besten an trockenen Stämmen alter Bäume in geschlossenen Wäldern entwickelt sind (Kantvilas 1988). Beispiele für Laubflechten sind Tuckermannopsis chlorophylla und Imshaugia aleurites. Diese Arten besiedeln ähnliche ökologische Nischen in den Wäldern Nordeuropas und des kühlen Nordamerikas (James et al. 1977).Bipolares ElementDieses Element umfaßt Arten, die in der arktischen und antarktischen Region mit dazwischenliegenden Populationen entlang der hohen Gebirgsketten vorkommen (Du Rietz 1940). Das bipolare Element ist in Tasmanien wegen des relativ milden Klimas und der niedrigen Höhe der Gebirge ziemlich schwach vertreten (Kantvilas 1995). Bipolare Arten wie Alectoria nigricans, Arthroraphis spp., Coelocaulon aculeatum, Ochrolechia frigida, Catillaria contristans, Pseudephebe pubescens und Umbilicarien sind meist selten und auf die höchsten Gipfel beschränkt (Kantvilas 1996a).Tropisches ElementTrotz des kühlen Klimas und der südlichen geographischen Breite kommen in Tasmanien eine kleine Zahl von im wesentlichen tropischen Flechten vor. Phaeographis exaltata und die Basidienflechte Dictyonema sericeum kommen im Regenwald vor, während Coenogonium implexum häufig in feuchten Hartlaubwäldern auftritt. Von küstennahen Standorten sind Phaeophyscia endococcinodes und Arten der Gattungen Relicina und Heterodermia bekannt (Kantvilas 1996a).Endemisches ElementWie aus den vorangegangenen Abschnitten ersichtlich, sind die meisten Flechten Tasmaniens weit verbreitet in anderen Regionen der Erde. Nur ungefähr 5 % der Flechtenflora Tasmaniens ist endemisch. Zu den endemischen Arten gehören Lichina tasmanica, die teilweise untergetaucht in Bergbächen vorkommt, oder Roccelinastrum flavescens und R. lagarostrobi, die nur von den Nadeln einer einheimischen Conifere bekannt sind, und Cladia moniliformis sowie Siphula jamesii, die Charakterarten des "buttongras moorland" im Südwesten der Insel sind. Nennenswert sind auch mehrere endemische epiphytische Arten der Gattung Menegazzia. Die im alpinen Südwesten vorkommende Gattung Siphulella und die nur aus Regenwäldern bekannte Gattung Jarmania sind endemisch, währenddessen die beiden monotypischen Gattungen Conotremopsis und Wawea, die auch von Neuseeland bekannt sind, ihre Hauptverbreitung in Tasmanien haben (Kantvilas 1996a, 1996b).ReferencesDu Rietz, G. E. 1940: Problems of bipolar plant distribution. – Acta Phytogeogr. Suecica 13: 215-282.-Galloway, D. J. 1979: Biogeographical elements in the New Zealand lichen flora. – In: Bramwell, D. (ed.). Plants and Islands: 201-224. - Galloway, D. J. 1987: Austral lichen genera: some biogeographical problems. – Biblioth. Lichenol. 25: 385-399.- Galloway, D. J. 1988: Plate tectonics and the distribution of cool temperate Southern Hemisphere macrolichens – Bot. J. Linn. Soc. 96: 45-55.- Galloway, D. J. 1997: Nomenclatural notes on Pseudocyphellaria VI: Two endemic Australian taxa. – Lichenologist 29: 599-601.- James, P. W., Hawksworth, D. L. & Rose, F. 1977: Lichen communities in the British Isles: a preliminary conspectus. – In: Seaward, M. R. D. (ed.). Lichen Ecology: 295-413.- Jørgensen, P. M. 1983. Distribution patterns of lichens in the Pacific region. – Australian J. Bot. (Suppl.) 10: 43-66.- Kantvilas, G. 1983. A brief history of lichenology in Tasmania. – Papers Proc. Royal Soc. Tasmania 117: 41-51.- Kantvilas, G. 1988. Tasmanian rainforest lichen communities: a preliminary classification. – Phytocoenologia 16: 391-428.- Kantvilas, G. 1994a. A revised checklist of the Tasmanian lichen flora. – Muelleria 8: 155-175.- Kantvilas, G. 1994b. Additions to the family Megalosporaceae in Tasmania and mainland Australia. – Lichenologist 26: 349-366.- Kantvilas, G. 1995. Alpine lichens of Tasmania’s South West wilderness. – Lichenologist 27: 433-449.- Kantvilas, G. 1996a. Tasmania: its vegetation and lichens. – Bull. Brit. Lich. Soc. 78: 1-10.- Kantvilas, G. 1996b. 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Royal Soc. Tasmania 122: 1-17.- Lumbsch, H. T. 1994. Die Lecanora subfusca-Gruppe in Australasien. – J. Hattori Bot. Lab. 77: 1-175.- Malcolm, W. M., McCarthy, P. M. & Kantvilas, G 1995. Further notes on the lichen genus Porina (Trichotheliaceae) in Tasmania and New Zealand. - Mycotaxon 55: 353-356.- Matzer, M., Mayrhofer, H. & Elix, J. A. 1998. Rinodina peloleuca (Physciaceae), a maritime lichen with a distinctive austral distribution. – New Zealand J. Bot. 36: 175-188.- Mayrhofer, H., Kantvilas, G. & Ropin, K. im Druck. The corticolous species of the lichen genus Rinodina (Physciaceae) in temperate Australia. – Muelleria.- McCarthy, P. M. 1995a. Aquatic species of Verrucaria in eastern Australia. – Lichenologist 27: 105-126.- McCarthy, P. M. 1995b. Notes on Australian Verrucariaceae (lichenised Ascomycotina). 4. Polyblastia Massal. - Muelleria 8(3): 269-273.- McCarthy, P. M. & Kantvilas, G. 1997. Belonia uncinata (Gyalectales), a new species from Tasmania. – Lichenologist 29: 489-492.- Rogers, R. W. & Stevens, G. N. 1981. Lichens. – In: Keast, A. (ed.).
Ecological Biogeography of Australia: 593-603.-
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| * cite this page as: Kantvilas, G. & Mayrhofer H. 1999
onwards: Die Flechtenflora von Tasmanien. In: Magnes, M. & Mayrhofer,
H. (eds.) 1999 onwards: Flora und Vegetation von Tasmanien. Eine Einführung
in das Exkursionsgebiet des Instituts für Botanik der Universität
Graz im November 1996.
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